Streife laufen diese Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma mit zwei Wachhunden in Tiefenbronn. Die Aufnahme entstand im Jahr 2014.
Streife laufen diese Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma mit zwei Wachhunden in Tiefenbronn. Die Aufnahme entstand im Jahr 2014. | Foto: Deck/Archiv

Schon 17 Einbrüche in Niefern

Schüchtern Wachdienste Einbrecher überhaupt ein?

Kurz das Stemmeisen angesetzt, das Fenster aufgehebelt, schnell reingehüpft, Schränke und Schubladen durchwühlt, Schmuck, Geld und Uhren in die Tasche gestopft, schnell wieder raus und am besten über die Autobahn aus dem Staub gemacht: Was sich wie eine Einbruchs-Anleitung liest, könnte sich so ähnlich am Dienstag in Öschelbronn abgespielt haben. Wie berichtet, brachen Unbekannte in zwei Einfamilienhäuser in der Hermann-Hesse-Straße und in der Wurmberger Straße ein.

Die Täter schrecken ja vor nichts mehr zurück

Bei einer Anwohnerin aus Niefern, die namentlich nicht genannt werden möchte, wurde in den vergangenen 25 Jahren gleich zweimal eingebrochen. „Die Täter schrecken ja vor nichts mehr zurück“, sagt sie im Gespräch mit dem Pforzheimer Kurier und spielt darauf an, dass diese sogar in Häuser einsteigen, während die Bewohner anwesend sind. Sie fragt sich, warum es gerade in ihrer Gemeinde gleich zu zwei Einbrüchen innerhalb eines Tages kommen kann, zumal die Gemeinde einen privaten Sicherheitsdienst beschäftige.

Wachdienst ist für andere Aufgaben zuständig

In der Tat gibt es zwischen Niefern-Öschelbronn und der Landshuter Wach- und Schließ GmbH (LWS) seit einigen Jahren einen Vertrag, wie Hauptamtsleiter Ekkehard Vogel bestätigt. Die LWS agiere zum einen als City-Streife, das heißt, es werden öffentliche Plätze oder Einrichtungen bestreift. Zum anderen sind Mitarbeiter der Sicherheitsfirma für die sogenannte Überwachung des ruhenden Verkehrs zuständig und kontrollieren, ob es zu Parkverstößen kommt. Beide Service-Bereiche lässt sich die Gemeinde knapp 25.000 Euro im Jahr kosten. „Es ist nicht die originäre Aufgabe der Firma, Wohnungseinbrüche zu verhindern“, stellt Bürgermeisterin Birgit Förster klar. Ziel sei vielmehr, Lärmbelästigung oder Vandalismus zu unterbinden. Dass dies bei dem einen oder anderen Bürger das Sicherheitsempfinden erhöhen mag, sei eher ein Nebeneffekt. Die Bürger könnten sich aber nicht darauf verlassen, dass private Sicherheitsdienste dafür sorgen, das Hab und Gut der Einwohner zu schützen.

Sicherheitsfirmen dürfen keine Polizeiaufgaben übernehmen

Das sah das vor rund zweieinhalb Jahren der Tiefenbronner Gastronom Theo Jost völlig anders: Weil in seine „Ochsen-Post“ zweimal innerhalb von 14 Tagen eingebrochen wurde, platzte ihm der Kragen (wir berichteten). Er fühlte sich im Stich gelassen, woraufhin er eine privaten Wachdienst engagieren wollte, der einzig zum Schutz des Eigentums durch den Ort gehen sollte. Mangels Bürger-Interesse kam dieses Vorhaben allerdings nicht über eine Testphase hinaus. Anders als viele denken, sind die privaten Wachdienste nicht dazu befugt, Polizeiaufgaben zu übernehmen, betont Ralf Minet vom Polizeipräsidium Karlsruhe. Was können Hausbesitzern also tun? Die Polizei rät zu speziellen Einbruchschutzmaßnahmen wie Überwachungsanlagen, Fenstergitter oder spezielle Türvorrichtungen. Das allein kann bei gut ausgerüsteten Banden aber keinen hundertprozentigen Schutz bieten.

Wir setzen auf den wachsamen Bürger

In Niefern-Öschelbronn verzeichnet die Polizei im laufenden Jahr bislang 17 Wohnungseinbrüche. 2015 waren es 27, vier Jahre zuvor registrierte die Polizei noch 14 Wohnungseinbrüche. „Trotz Autobahnanbindung kann man hier nicht von einem statistischen Ausreißer im Enzkreis sprechen“, relativiert Polizeisprecher Minet. Die Einbruchslage habe sich nicht so entwickelt, dass man vermehrt Sicherheitsdienste bräuchte, so Minet weiter. „In den 80ern und 90ern hatten wir mehr Einbrüche als heute.“ Der Polizeiposten in Niefern ist bis 17 Uhr besetzt. Die Kollegen seien aber auch mal länger vor Ort – wenn notwendig. „Wir sind im Fall der Fälle auch fahndungsmäßig gut aufgestellt“, betont Minet. In jedem Revier gebe es einen Beauftragten zum Thema Wohnungseinbruch, der die örtlichen Brennpunktgebiete kenne. „Statt auf Sicherheitsdienste setzen wir eher auf den wachsamen Bürger“, stellt der Polizeisprecher klar.