Im Römermuseum Kappelhof ist Pforzheims neue Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler (Mitte) mit Denkmalschützer Christoph Timm, Museumsleiter Jeff Klotz und der kommissarischen Kulturamtsleiterin Angelika Müller-Tischer (von links).
Im Römermuseum Kappelhof ist Pforzheims neue Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler (Mitte) mit Denkmalschützer Christoph Timm, Museumsleiter Jeff Klotz und der kommissarischen Kulturamtsleiterin Angelika Müller-Tischer (von links). | Foto: PK

Baudezernentin 100 Tage im Amt

Pforzheimer Ex-Stadträtin sieht sich gut gerüstet

Erster Spatenstich für den neuen Kindergarten in Eutingen, förderfähige Baupläne für das Haus der Jugend, Umbau der Fußgängerzone, Neubesetzung des Gestaltungsbeirats – die Liste lässt sich leicht verlängern und zeigt vor allem eines: Sibylle Schüssler hat eine arbeitsintensive Einarbeitungsphase hinter sich. Schließlich bemühte sich Pforzheims neue Bau- und Kulturbürgermeisterin neben diesem Alltagsgeschäft um Präsenz allerorten. Von diesen Vorstellungsbesuchen nimmt sie nach 100 Tagen im Amt mit, dass sie „noch mehr Druck machen muss beim Thema Wohnen“.

Arbeitsintensiver Einstieg

Erste greifbare Ergebnisse zu diesem Thema, das Schüssler ohnehin als Schwerpunkt gesetzt hat, will die Dezernentin im Frühjahr als „städtebaulich-räumliches Leitbild“ vorlegen. „Es fehlt an einem Gesamtkonzept“, sagt sie mit Blick auf das, was sie von ihrem Vorgänger Alexander Uhlig vorgefunden hat. Konkreteres könne sie nach gerade mal drei Monaten allerdings nicht sagen.

Erste Bündnisgrüne im Rathaus will für alle da sein

Eine Abgrenzung zum Bisherigen verbindet Schüssler auch mit der Umgestaltung der Fußgängerzone. „Die Gestaltungsrichtlinie lag so nicht vor, wie sie jetzt angestrebt ist.“ Es sei aber noch zu früh, darüber zu sprechen. Schließlich gehe es um eine „gute langfristige Struktur“.
Schüssler ist die erste Bündnisgrüne auf einem Pforzheimer Bürgermeisterstuhl. „Bestimmte Eckpunkte werde ich schon setzen“, sagt sie zur Frage, wo denn nun ihre politische Provenienz sichtbar ist bei dem, was sie seit Amtsantritt am 4. Juli geleistet hat. So richtig gerne scheint sie nicht darauf antworten zu wollen. Die erste Reaktion der 59-Jährigen ist: „Ich bin Bürgermeisterin für alle, nicht nur für die Grünen“.

Beim Besucher der Solaranlage Hohberg trifft Sibylle Schüssler mit Staatsekretär Andre Baumann (links) zusammen.
Beim Besucher der Solaranlage Hohberg trifft Sibylle Schüssler mit Staatsekretär Andre Baumann (links) zusammen. | Foto: PK

Soweit dies den Alltag betrifft, fühlt sich Schüssler durch ihre vielen Jahre im Pforzheimer Gemeinderat gut gerüstet, „weil ich ja in allen Vorgängen drin war“. Das sei ein Vorteil. „Ich habe gleich starten können.“ Für jene, die sie auf der Ratsbank zurück ließ, gilt das nicht, „hat aber nichts mit mir zu tun“, sagt Schüssler.

Erschütterungen bei der Grünen Liste

Die Grüne Liste hat einige Erschütterungen erlebt, nachdem Schüssler Bürgermeisterin geworden war. Übrig sind drei von fünf Mitgliedern. Die anderen beiden bilden ein Zweier-Bündnis 90/Die Grünen.
Konzeptionell sieht sich Schüssler bestätigt nach drei Monaten bei der Stadt. Positionen zurücknehmen oder verändern, mit denen sie für das Amt angetreten ist, habe sie bislang nicht müssen. Die größte Herausforderung sei, dass sie sich „Freiräume erhalten kann für strategisches Denken“.

Personell schnell Zeichen gesetzt

Personell setzte Schüssler ziemlich schnell ein Zeichen. Wo Wolfgang Faber über Jahre als Baureferent fungierte, sitzt jetzt Marc Feltl. Diese Woche wird es nun innerhalb kurzer Zeit zum dritten Mal darum gehen, eine Leitung für das Gebäudemanagement zu finden. Es liegen 24 Bewerbungen vor. Ansonsten spricht Schüssler von einem „tollen Team“, das sie vorgefunden habe. Es gehe nun darum, zusammenzuwachsen und sich zusammen finden. Die Kultur habe dabei eine bedeutende Rolle, der sie „gerecht werden will“. Genaueres dazu wird man wahrscheinlich zum Jahresende einer Stellenanzeige für die nach dem Wegggang von Isabell Greschat gleichfalls – und dies schon lange – vakante Leitungsposition entnehmen können.

Unter dem Pforzheimer Hauptbahnhof: Schüssler (Zweite von links) präsentiert die neue Gestaltung mit Bildergalerie. Fotografien aufgehängt Schüssler
Unter dem Pforzheimer Hauptbahnhof: Schüssler (Zweite von links) präsentiert die neue Gestaltung mit Bildergalerie.
Fotografien aufgehängt Schüssler
| Foto: Roth

Auch stadtarchitektonisch wurde in den vergangen drei Monaten einiges bewegt: Es gibt einen neuen Gestaltungsbeirat – von der Architektenkammer in der Zusammensetzung kritisiert, vom Bund Deutscher Architekten begrüßt. Schwierig sei die Besetzung nicht gewesen, sagt dazu die bisherige Oberstudienrätin. Es habe nur eine Handvoll Absagen gegeben. Keine davon habe etwas mit der Stadt Pforzheim also solche zu tun. Die meisten hätten darauf verwiesen, dass sie bereits in drei bis vier ähnlichen Gremien engagiert seien.