Das Jagdzimmer des Kurhauses Sand soll nach dem Wunsch des Vereins Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Das Jagdzimmer des Kurhauses Sand soll nach dem Wunsch des Vereins Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. | Foto: Ulrich Coenen

Schwarzwaldhochstraße

„Bühlerhöhe sollte Chefsache sein“

Der Besuch von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) war für Hansjörg Willig ernüchternd. Der Vorsitzende des Vereins Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße musste erfahren, dass für den Bau des Besucherzentrums Nationalpark nun 32 statt der geplanten 20 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Mit der Investition hat der Geograf und pensionierte Oberstudiendirektor keine Probleme, er befürchtet allerdings, dass das Land verstärkt in den südlichen Teil des Nationalparks investiert und der Norden zu kurz kommt.
„Besucherzentrum, Alexanderschanze und Wildtierpark sind die Stichworte, die man immer wieder hört“, stellt Willig fest. „Das Nordzentrum, das im alten Pferdestall in Herrenwies entstehen soll, ist bislang nur eine Fußnote. Es gibt leider ein beachtliches Süd-Nord-Gefälle.“

Willig setzt auf Masterplan

Jetzt setzt Willig auf den Masterplan, der aus seiner Sicht viel zu spät kommt. „Eine traurige Geschichte“, meint er. Der Vorsitzende hofft aber, dass der Masterplan das Ungleichgewicht zwischen Süd und Nord „feststellt und ausgleicht“. Neben Willig gehört mit Walburga Eckert ein zweites Vorstandsmitglied des Vereins Kulturerbe dem Arbeitskreis für den Masterplan an. Willig setzt darauf, dass die Kommunen des Landkreises Rastatt, die an den Nationalpark grenzen, sich verstärkt in die Arbeit am Masterplan einbringen.
Zumindest die Kooperation mit der Nationalparkverwaltung läuft aus Sicht des Vorsitzenden gut. „In Sachen Informationszentrum Herrenwies, das im zweitältesten Gebäude des Dorfes entstehen soll, arbeiten wir konstruktiv zusammen“, sagt er.

Baukultur geht den Bach hinunter

Andere Dinge laufen hingegen alles andere als gut. Willig beklagt, dass Kulturgeschichte und Baukultur der Schwarzwaldhochstraße den Bach hinuntergehen. Prominentestes Beispiel ist das Schlosshotel Bühlerhöhe, das nach zwei wenig glücklichen Eigentümerwechseln inzwischen seit fast sechs Jahren geschlossen ist. „Bühlerhöhe sollte Chefsache sein, nicht nur für den Bühler Oberbürgermeister, sondern auch für den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg“, fordert Willig.
Er erinnert an das Engagement von Lothar Späth, der in den 1980er Jahren Max Grundig überzeugte, das Baudenkmal zu kaufen und mit großem finanziellen Aufwand zu sanieren. „Wenn der damalige Ministerpräsident vor sechs Jahren das Gespräch mit dem damaligen Eigentümer Dietmar Hopp, der sich stark für Bildung und Kultur engagiert, gesucht hätte, wäre die Sache vielleicht anders gelaufen“, spekuliert Willig. „Die Bühlerhöhe ist eines der Aushängeschilder des Landes Baden-Württemberg.“

„Hundseck darf sich nicht wiederholen“

Das nach Plänen von Wilhelm Kreis in den Jahren 1912 bis 1914 erbaute neubarocke Schloss ist leider nicht der einzige Problemfall an der Schwarzwaldhochstraße. Willig verweist auf die ebenfalls denkmalgeschützten typischen Höhenhotels Plättig, Sand und Unterstmatt. „Der Fall Hundseck darf sich nicht wiederholen“, sagt der Vorsitzende. „Wir brauchen in jedem Fall ein Gesamtkonzept für die Hotels. Dabei darf auch der Abriss der Ruine Hundseck nicht ausgeklammert werden.“ Im Fall Sand wünscht sich Willig zumindest und kurzfristig, dass die „musealen Räume“ wie Jagdzimmer, Schwarzwaldstube und Festsaal in Zusammenarbeit mit den derzeitigen Eigentümern wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. „Unterstmatt ist im Hinblick auf die bessere Bausubstanz vermutlich einfacher zu retten als Sand“, meint er. „Allerdings hat dieses Höhenhotel nicht dieselbe Bedeutung und Ausstrahlung wie Sand und Hundseck.“

„Potenzial soll besser genutzt werden“

Auch abseits der Schwarzwaldhochstraße sieht es nicht gut aus. „In Sachen Schwarzenbachtalsperre muss die Gemeinde Forbach aktiv werden“, fordert Willig. „Die Talsperre war einmal eine zentrale Anlaufstelle. Inzwischen stehen Hotel und Gastronomie leer.“
Für den Vorsitzenden des Vereins Kulturerbe ist klar: „Der Nordschwarzwald hat ein großes Natur- und Kulturpotenzial. Darauf weisen wir in unseren Führungen immer wieder hin. Dieses Potenzial muss besser genutzt werden.“