So voll wie selten zuvor war der Sitzungssaal im Rathaus Gernsbach.
So voll wie selten zuvor war der Sitzungssaal im Rathaus Gernsbach. | Foto: Hensen

Entscheidung in Obertsrot

Schwimmbad bleibt in Betrieb

Das Obertsroter Schwimmbad bleibt in Betrieb und soll wie ursprünglich geplant nach der Saison saniert werden. Applaus und Jubel brandete in der Gemeinderatssitzung bei den rund 150 Bürgern im Ratssaal auf, als Bürgermeister Dieter Knittel das Ergebnis der geheimen Abstimmung verkündete – und das war denkbar knapp: 16 Gemeinderäte stimmten für den Antrag der Freien Bürger, das Bad zu erhalten, 15 stimmten dagegen. Dabei votierte jede Fraktion gespalten. Die Vorlage der Verwaltung, die somit nicht mehr zur Abstimmung stand, sah die Weiterführung des Bades „unter der Voraussetzung der Einhaltung der hygienischen Parameter und bei zwingendem Investitionsbedarf die Schließung des Bades“ vor.

Druck auf Gemeinderäte ausgeübt

Bürgermeister Knittel kritisierte zu Beginn der Sitzung, dass vonseiten vieler Obertsroter Bürger Druck auf die Gemeinderäte ausgeübt worden sei, für den Erhalt des Bades zu stimmen. Andernfalls würde man sie nicht mehr wiederwählen, habe man ihnen zu verstehen gegeben. „Diesen Druck nehmen sie jetzt auch noch körperlich wahr“, sagte er mit Blick auf die dicht gedrängt stehenden Zuhörer, wovon viele die Sitzung vom Rathaus-Flur aus verfolgen mussten. Aus diesem Grund beantragte Knittel eine geheime Abstimmung, „um den Druck von den Gemeinderäten zu nehmen.“ Auch diese wurde mit 16 zu 14 Stimmen nur knapp befürwortet. Uwe Meyer, Vorsitzender der Freien Bürger, wiederholte seine Ansicht, dass die Mehrkosten von 235 000 Euro zu schultern seien und Kostenerhöhungen auch bei anderen Vorhaben, wie etwa der Realschul-Sanierung, gebilligt worden seien. Weiter sagte er: „So lange das Ehrenamt stark ist, bin ich der Meinung, dass man die Bäder erhalten sollte, sonst wären sie schon längst zu.“
SPD-Stadträtin Irene Schneid-Horn betonte, dass der Nutzerkreis des Bades bei 2 500 Einzelkarten, 150 Zehnerkarten und 278 Saisonkarten eher gering sei. Man müsse aber eine Entscheidung für alle 14 000 Einwohner in Obertsrot treffen.

„Entscheidung zwischen Herz und Verstand“

Die CDU-Landtagsabgeordnete Sylvia Felder brachte die lange Diskussion der Stadträte auf den Punkt: „Wir treffen heute eine Entscheidung zwischen Herz und Verstand.“ Mit Blick auf das Gesamtwohl der Stadt gebe es einige Pflichtaufgaben wie Schul- und Straßensanierung oder Kinderbetreuung, die wichtiger seien als der Baderhalt. Wolfgang Müller (CDU) lobte den Mut Knittels für die konsequente Entscheidung. Wie berichtet, hat die Verwaltung die eingeplanten Kosten von 450 000 Euro für die Erneuerung der Filteranlage nach einer Detailuntersuchung auf rund 800 000 Euro nach oben korrigiert. Insbesondere müsse ein neues Filtergebäude mit Schwallwasserbehälter und Schachtbauwerken errichtet werden. Außerdem sei eine umfassende Erneuerung der Zu- und Ableitungen notwendig. 115 000 Euro werden aus dem ELR-Programm bezuschusst.