Vorsichtige Annäherung: Seelöwin Olivia und ihr Jungtier akzeptieren Tiertrainierin Claudia Vollhardt in ihrer Nähe und wissen, dass sie ihnen nichts Böses will.
Vorsichtige Annäherung: Seelöwin Olivia und ihr Jungtier akzeptieren Tiertrainierin Claudia Vollhardt in ihrer Nähe und wissen, dass sie ihnen nichts Böses will. | Foto: Zoo

Tiertraining im Karlsruher Zoo

Der kleine Seelöwe hat schon großes Vertrauen

Auf den richtigen Moment kommt es an. Wenn der kleine Seelöwe sich müde an seine Mutter kuschelt oder ihre Milchquellen anzapft, sind Störungen verboten. Auch wenn er durchs Wasser schießt, Purzelbäume schlägt und mit viel Geblubber die anderen Seelöwen umkreist. Wenn er aber entspannt am Ufer oder im flachen Wasser liegt und es im Karlsruher Zoo ein bisschen ruhiger ist, dann setzt sich Claudia Vollhardt schon einmal ins Gehege und nimmt Kontakt mit dem kleinen Bullen auf. Mit der Stimme, aber auch durch behutsame Berührung. Sie krault ihn am Rücken, streichelt über seine Flosse, hält ihm die Hand zum Beschnuppern vor die Nase. Und der kleine Bulle reagiert: Er rekelt sich sichtlich angetan, hebt die Flosse, schnuppert und gibt der Zooinspektorin schließlich sogar einen Nasenstüber.

Der kleine Seelöwe macht entspannt mit

Seine Mutter Olivia schaut sich die Interaktion entspannt an, sieht aber keinen Grund zum Eingreifen – zumal ihr Sohn keinen Laut von sich gibt. Manchmal taucht sie sogar ins Becken ab, während Claudia Vollhardt sich mit dem Jungen beschäftigt. Oder sie legt sich daneben und holt sich auch noch eine Streicheleinheit ab. Lediglich wenn Bulle Stevie sich einmischt, ist Schluss mit Schmusen: Vor dem stürmischen Chef der Gruppe hat der Kleine sichtlich großen Respekt. Hier ein Eindruck von Claudia Vollhardts ersten Annährungen an das Jungtier:

Die Mutter ist der Schlüssel

„Die Mutter ist der Schlüssel, sie muss zulassen, dass man ihr Junges anfasst und sicher sein, dass man ihm nichts Böses will“, erklärt die Tiertrainerin. Selbst kurzes Wegsperren akzeptiert Olivia ohne zu protestieren. Eben weil sie weiß, dass die Tür gleich wieder aufgeht – und weil der Kleine nicht nach seiner Mutter blökt, erläutert Vollhardt.

Früher gab es nur Training für erwachsene Tiere

Seit Januar ist die Biologin und Tiertrainerin Betriebsmeistern in Zoo. Obwohl die Seelöwen schon seit vielen Jahren darauf trainiert werden, sich anfassen zu lassen und bestimmte Kommandos zu befolgen, waren die Jungtiere bislang außen vor. Allerdings hat man die Kleinen frühzeitig für eine erste Untersuchung von ihren Müttern weggenommen – die nach dieser schlechten Erfahrung ihren Nachwuchs kaum noch aus den Augen ließen. Auch mit Donna, Olivias Tochter aus dem Vorjahr, üben die Tierpfleger erst jetzt hinter den Kulissen, ehe sie in den Wuppertaler Zoo umzieht.

Herausforderung und medizinischer Check

Nicht nur Beschäftigung und Herausforderung ist das Training für die Seelöwen. Wenn sie gelernt haben, sich anfassen und beispielsweise auch ins Maul schauen zu lassen, ist ein medizinischer Check eine sehr viel sanftere Angelegenheit. Selbst Ultraschall und Blutabnahme kann man trainieren, so dass diese Maßnahmen ohne Narkosen möglich sind, erklärt Vollhardt. Wenn es um Action geht, seien die Karlsruher Tiere schnell dabei – 30 Sekunden stillzuhalten falle ihnen aber deutlich schwerer. Was für manche Checks aber nun einmal erforderlich sei.

Gerade mal drei Wochen alt ist der kleine Seelöwe auf diesem Foto - und hat sich seitdem prächtig entwicklt
Gerade mal drei Wochen alt ist der kleine Seelöwe auf diesem Foto – und hat sich seitdem prächtig entwicklt | Foto: Zoo

Der Kleine geht selbstbewusst eigene Wege

Olivias nun elf Wochen alter Sohn jedenfalls hat beste Voraussetzungen, eben weil er so frühzeitig Vertrauen gefasst hat. Für intensives Training ist er freilich noch zu jung, auch, weil eine Belohnung über Futter wie bei seinen größeren Artgenossen nicht möglich ist. Das holt sich der Kleine schließlich noch bei Mama. Seit er im Juni zur Welt kam, hat er sich aber schon in vielfacher Hinsicht toll entwickelt, findet Vollhardt. „Er ist topfit“, sagt sie. Selbstbewusst geht der Kleine oft eigene Wege und erkundet mit großer Neugier und viel Spieltrieb seine Umgebung. Viel Zeit verbringt er im Wasser, wobei ihn die Zoobesucher durch die großen Scheiben beobachten können. Wenn er so dahin flitzt, ist es schwer zu glauben, dass sein Start im nassen Element schwierig war: „Anfangs saugt sich ihr frisches Fell voll, daher brauchen die Jungen viel Kraft“, erklärt Claudia Vollhardt.

 1 200 Namensvorschläge von  Zoobesuchern

Gewöhnen muss sich der Kleine demnächst auch an seinen Namen: Am Freitag will der Zoo bekannt geben, welcher der 1 200 Vorschläge der Zoobesucher ausgewählt wurde.  Der dann auch im Training eine Rolle spielen wird: Schließlich hören die Seelöwen auf ihre Namen. Was bei den täglichen Fütterungen (11 und 16 Uhr),  die ebenfalls Trainingseinheiten sind, gut zu erkennen ist. Weitere Fütterungszeiten der Zootiere finden sich hier.