Rastatter Tunnel
Auflauf im Tunneltrog: Während von Bohrer "Wilhelmine" in der Oströhre des Rastatter Tunnels schon nichts mehr zu sehen ist, gräbt sich Böhrer "Sibylla Augusta" ab Samstag unter Rastatt hindurch. | Foto: Collet

Rastatter Tunnel: Zweite Röhre

„Sibylla Augusta“ dreht durch

Mit einem lauten Knall zerschellt die Sektflasche: „Ich taufe dich auf den Namen ,Sibylla Augusta’“, ruft Nicolette Kressl. Die Regierungspräsidentin ist Patin für die zweite Tunnelröhre des Rastatter Tunnels und freut sich sichtlich, noch einmal eine aktive Rolle in diesem Projekt einnehmen zu können. „Mehr als 20 Jahre liegt der Rastatter Tunnel jetzt schon in meiner politischen Sorge und Fürsorge“, erklärt die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete vor den rund 250 geladenen Gästen und den Medien, die am Dienstag den Anstich und die Segnung der zweiten Tunnelröhre mitverfolgten.

Tunnelpatin
Tunnelpatin Nicolette Kressl mit der Heiligen Barbara, Schutzpatronin der Tunnelbauer. | Foto: Collet

Entscheidender Schulterschluss

Gemeinsam mit ihrem damaligen CDU-Kollegen Peter Götz hatte Kressl über Jahre dicke Bretter für den Tunnel gebohrt. „Dieser politische Schulterschluss war entscheidend“, sagte Rastatts Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch in Richtung Kressls – und ergänzte: „Na ja, und vermutlich auch das Geld der Europäischen Kommission.“

182 Millionen Euro von der EU

Zuvor hatte deren Vertreter Andreas Boschen schier unglaubliche Summen genannt, die von der EU in den Ausbau des Verkehrsnetzes gesteckt werden: Zwischen 2014 und 2020 stehen 24 Milliarden Euro an Fördermitteln bereit, von denen allein 2015, so Boschen, 13 Milliarden Euro ausgegeben worden seien. 339 Millionen Euro fließen in die Schienentrasse von Karlsruhe nach Basel und davon 182 Millionen Euro in den Rastatter Tunnel.

Startknop
Der Druck auf den roten Knopf startet den zweiten Tunnelbohrer symbolisch. | Foto: Collet

Nicht weniger als ein „Symbol für die Zukunft der Deutschen Bahn“ sieht Sven Hantel von der Bahn im Rastatter Tunnel. Es müsse gelingen, den Verkehr wieder von der Straße auf den Gleise zu bringen und so eine Renaissance der Schiene zu bewirken. Gleichzeitig entstehen die Voraussetzungen für einen „noch besseren Nahverkehr in der Region“, so Hantel. Diesen möchte Rastatts OB Pütsch gerne mit einem eigenen Haltepunkt für das Dörfel und das neu entstehende Quartier „Neue Ludwigvorstadt“ ausstatten. „Unser Ziel ist es, ihn in Betrieb zu nehmen, wenn der erste Zug durch den Tunnel fährt.“

Das erste Drittel ist fast geschafft

Bis dahin wird allerdings noch einige Zeit vergehen: Derzeit ist die erste Tunnelvortriebmaschine „Wilhelmine“, die seit Ende Mai die Oströhre gräbt, mit etwa 1,2 Kilometern auf knapp einem Drittel der 4,2 Kilometer langen Gesamtstrecke angelangt. Am Samstag folgt ihr „Sibylla Augusta“, die die parallel verlaufende Weströhre bohrt. Es sei übrigens nicht ausgeschlossen, berichtet Bahn-Mann Hantel von anderen Projekten, dass der später gestartete Bohrer den ersten sogar einhole.

Kuchen für die Mineure

2022 sollen dann die ersten Fernverkehrs- und Güterzüge durch den Rastatter Tunnel brausen. Bis dahin haben die Tunnelpatinnen – OB Pütschs Frau Kersten ist Patin der Oströhre – noch einiges zu tun: Als „irdische Vertreterinnen“ der Heiligen Barbara müssen sie für das Wohl der Mineure sorgen. Kersten Pütsch wird das am 4. Dezember, dem Barbaratag tun, Nicolette Kressl weiß noch nicht genau, wann sie einen Termin im Kalender findet. Dann allerdings will sie mit selbst gebackenem Kuchen auf die Baustelle kommen.