95 Jugendliche aus fünf Bühler Schulen kamen zur Jugendkonferenz im Friedrichsbau.
95 Jugendliche aus fünf Bühler Schulen kamen zur Jugendkonferenz im Friedrichsbau. | Foto: Lienhard

Dritte Jugendkonferenz in Bühl

Sicherheit steht hoch im Kurs

Die Sicherheit in der Stadt ist ein Thema, das den Bühler Jugendlichen besonders am Herzen liegt. Das machte die dritte Jugendkonferenz deutlich, zu der 95 Jugendliche aus fünf Schulen (Aloys-Schreiber-Schule, Bachschloss-Schule, Carl-Netter-Realschule, Windeck-Gymnasium und Rheintalschule) in den Friedrichsbau gekommen waren. Einen Morgen lang diskutierten sie an verschiedenen „Arbeitstischen“ unterschiedliche Schwerpunktthemen, um ihre Ergebnisse nachmittags Vertretern der Stadtverwaltung und des Gemeinderats vorzustellen. Mit welch großem Engagement sie am Werk waren, zeigte die lange Liste an Ideen, die sie präsenteren konnten. Für Bürgermeister Wolfgang Jokerst war es nicht allein diese Fülle, die ihn überzeugte, vor allem war er davon angetan, wie konkret viele Vorschläge waren: „Da können wir gemeinsam daran weiterarbeiten.“

Änderung in Gemeindeordnung

Jokerst machte die Jugendlichen auch auf eine Änderung in der Gemeindeordnung des Landes Baden-Württemberg aufmerksam. In Paragraf 41 heißt es seit dem 1. Dezember 2015: „Die Gemeinde soll Kinder und muss Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen“ – zuvor war von „kann“ die Rede. Das ist ein kleiner, aber entscheidender Unterschied. Wie diese Beteiligung allerdings ausgestaltet wird, bleibt den Kommunen vorbehalten.
In Bühl ist mittlerweile ein Jugendrat eingerichtet, der gemeinsam mit dem Jugendzentrum Komm die Jugendkonferenz vorbereitet hat. Daniela Alesi und Katharina Bischoff moderierten die Präsentationsrunde.

Expertise von außen

Leben in Bühl, Meine Schule, Veranstaltungen sowie die Jugendratswahl 2017 waren die Themen, zu denen auch Expertise von außen hinzugezogen wurde. Matthias Hefner vom Substage in Karlsruhe, Ruben Oesterle, Lisa Seitz und Alice Motei vom Jugendforum Baden-Baden, Frank Armbruster, Sozialarbeiter an der Aloys-Schreiber-Schule, sowie Jan Pfeiffer vom Landesschülerbeirat brachten sich mit ein.
Unter dem Stichwort Leben in Bühl wurde der Wunsch nach einem Jugendcafé präzisiert, mit Öffnungszeiten von 13 bis 22 Uhr, einem Wohlfühlraum und WLAN; und auch der ÖPNV war wieder ein Thema, vor allem fehlende sonntägliche Verbindungen. Besonders jedoch wünschen sich die Jugendlichen mehr Sicherheit. Gegen die zunehmenden Fahrraddiebstähle schlugen sie abschließbare Abstellplätze vor. Besonders die Situation im Bahnhof treibt viele Jugendliche um, oft würden sie dort von Betrunkenen belästigt. Dort könnten Überwachungskameras installiert werden, hieß es. Auch die Unterführungen seien kritische Bereiche. Neben Kameras schlugen die Jugendliche auch eine höhere Polizeipräsenz vor.

Jugendratswahl 2017

Bei den Schulen hoffen die Jugendlichen auf eine bessere technische Ausstattung, sauberere Toiletten und eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen SMV und Jugendrat. Außerdem wurde der Zustand des Mobiliars kritisiert, das in vielen Fällen demoliert sei. Die Gruppe Veranstaltungen blickte vor allem auf den bevorstehenden 15. Geburtstag des Jugendzentrums Komm. Hier könne man sich ein zweitägiges Festival vorstellen nach dem Vorbild des Holi Festivals of Colours. Der vierte Punkt war die Jugendratswahl 2017. Hier wurden mögliche Änderungen angeregt, etwa eine alternierende Wahl: Die Hälfte der Schulen wählt in geraden Jahren, die andere in ungeraden Jahren: So würde nie der komplette Rat auf einen Schlag ausgetauscht.

Daniela Alesi moderierte die Präsentation.
Daniela Alesi moderierte die Präsentation. | Foto: Lienhard

Lob vom Gemeinderat

Gemeinderatsvertreter von CDU, GAL und FDP würdigten das große Engagement der Jugendlichen und unterbreiteten ihrerseits Vorschläge, wie die Kooperation ausgebaut werden könnte. Walter Seifermann (GAL) schlug vor, die Sicherheit zum Schwerpunktthema der nächsten Jugendkonferenz zu machen und dann auch Vertreter der Polizei einzuladen. Mit Margret Burget-Behm (CDU) war er sich einig, dass die Jugendlichen klar benennen müssten, wo sie Verbesserungsbedarf sehen. Eine erhöhte Polizeipräsenz sei nachvollziehbar, Kameras aber lehnten sowohl Burget-Behm als auch Lutz Jäckel (FDP) ab: „Wir sollten nicht jeden öffentlichen Zentimeter filmen“, sagte Jäckel. Bürgermeister Wolfgang Jokerst informierte, dass die Sicherheit auch bei der jüngsten Klausur des Gemeinderats thematisiert worden sei.
Margret Burget-Behm regte eine gemeinsame Stadt-Putzete von Gemeinderat und Jugendgemeinderat an. Die Jugendlichen hatten moniert, dass zu viel Müll achtlos weggeworfen werde, und sich mehr Mülleimer gewünscht. Dass deren Zahl am Verhalten mancher Zeitgenossen etwas ändere, bezweifelte Burget-Behm. Nach einer gemeinsamen Putzete könne man über das Ergebnis sprechen.
Lutz Jäckel schlug für 2017 eine gemeinsame Sitzung von Jugendrat und Gemeinderat vor. Diese sei schon bei der vergangenen Jugendkonferenz gewünscht worden und sollte nun auch anberaumt werden.
Großen Applaus gab es am Ende für Daniela Alesi, die Sprecherin des Jugendgemeinderats: Niemand engagiere sich so sehr wie sie, sagte ihre Kollegin Katharina Bischoff. Zum Abschluss stiegen zahlreiche Ballons in den Himmel – das bunte Bild spiegelte die Vielfalt der am Morgen angesprochenen Themen.

Zum Abschluss der Jugendkonferenz stiegen Luftballons in den Himmel.
Zum Abschluss der Jugendkonferenz stiegen Luftballons in den Himmel. | Foto: Lienhard