Die Sportschuhe hat Siggi Wentz längst gegen den Arztkittel eingetauscht. In den 80er-Jahren war er ein Liebling der Deutschen.
Die Sportschuhe hat Siggi Wentz längst gegen den Arztkittel eingetauscht. In den 80er-Jahren war er ein Liebling der Deutschen. | Foto: hrd

Der frühere Zehnkämpfer Siegfried Wentz ist heute Chefarzt in Bad Peterstal

„Siggi“ eroberte die Herzen im Sturm

Bei Olympia wie auch bei Welt- und Europameisterschaften holte er Medaillen, doch nie eine aus Gold. Dennoch war Siggi Wentz in den 80er Jahren einer der populärsten deutschen Athleten – auch deshalb, weil man seinen klugen Kopf schätzte, sein Kämpferherz, seine anmutige Erscheinung und sein Selbstbewusstsein. Seit 16 Jahren ist er Chefarzt der Schlüsselbadklinik Bad Peterstal.

Publikumsliebling ohne Gold

In den 80er-Jahren traten Jürgen Hingsen und Siggi Wenz ins Rampenlicht des Zehnkampfs und eroberten die Herzen des Publikums wie im Flug. Die meisten Sympathien galten dabei ohne Zweifel Siegfried Wentz, den alle Welt nur „Siggi“ nannte, obwohl er bei den ganz großen Wettkämpfen mit schöner Regelmäßigkeit Dritter war – das Wörtchen „nur“ verbietet sich.
Jedermann sah, dass seine Kontrahenten von der Natur mehr Privilegien mitbekommen hatten, sie waren größer, kompakter, schneller – Dinge, die man nicht oder kaum trainieren, sondern nur durch eine bessere Technik oder einen unerschütterlichen Siegeswillen halbwegs kompensieren konnte. „Die anderen waren halt besser“, sagt Siggi Wentz ohne jegliche Wehmut über sein Bronze-Abo. Stolz kann er auch so sein: Bronze und Silber bei der WM, Bronze bei der EM 1986 in Stuttgart und Bronze bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles. Von den Spielen in den USA schwärmt er noch heute: „Die Stimmung war gigantisch.“

Laufbahn als Arzt früh angepeilt

Die Zehnkampf-Bühne betrat Wentz letztmals 1990 bei der EM in Split. Fünf Jahre danach absolvierte er noch einmal einen Jedermann-Zehnkampf. Da hatte er längst seine medizinischen Examina und seine Doktorarbeit hinter sich und war Arzt an der Orthopädischen Uniklinik in Frankfurt. 2000 wechselte er als Chefarzt an die Schlüsselbadklinik in Bad Peterstal. „Mein Berufswunsch ist in Erfüllung gegangen“, sagt der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Es habe sich ausgezahlt, dass er auch als Sportler fleißig gebüffelt habe.

Heute nur noch Fitnesssport

Doktor Siegfried Wentz macht heute „nur noch ein bisschen Fitnesssport“, Radfahren etwa und Schwimmen: „Leichtathletik mache ich nicht mehr, Waldlauf hasse ich sogar.“ Zugetan, sagt er, sei er noch immer der LG Offenburg, wo einst auch zwei der drei Kinder von Wentz und seiner Frau Susanne, Jonas und Rabea, beides passable Sportler, trainierten. Derweil geht sein Blick nach Brasilien, wo die Leichtathletik-Wettbewerbe begonnen haben. Da kann sich Wentz mal wieder seiner Leidenschaft widmen – als Fernsehzuschauer.