SIE SPIELT DIE WOHL SCHLECHTESTE SÄNGERIN ALLER ZEITEN: Joyce DiDonato hat die Rolle der Exzentrikerin Florence Foster Jenkins in einem Film übernommen, der jetzt in der Karlsruher Schauburg vorgestellt wurde.
SIE SPIELT DIE WOHL SCHLECHTESTE SÄNGERIN ALLER ZEITEN: Joyce DiDonato hat die Rolle der Exzentrikerin Florence Foster Jenkins in einem Film übernommen, der jetzt in der Karlsruher Schauburg vorgestellt wurde. | Foto: Onuk

DiDonato spielt schräge Diva

Opernstar soll singen wie ein besoffener Kuckuck

Von Silke Blume

Sie ist ein Star, war schon manches Mal im Festspielhaus Baden-Baden zu Gast und soll jetzt singen „wie ein besoffener Kuckuck“? Joyce DiDonato hatte zunächst Angst vor einem Karriere-Selbstmord. Dann aber zugesagt. Herausgekommen ist eine Dokumentation über die wohl schlechteste Sängerin aller Zeiten. Bevor diese ins Kino kommt, war Diva DiDonato nun erstmalig in Karlsruhe – aber nicht auf der Bühne, sondern auf und – für Zuschauerfragen nach dem Film – vor der Leinwand im Kino „Schauburg“.

Das Tempo, in dem sich Joyce DiDonatos Karriere entwickelte, lässt sich mit einer Lokomotive à la Rossini vergleichen. Die Mezzosopranistin aus Kansas gilt vor allem als Belcanto-Spezialistin, wendet sich aber auch regelmäßig der Barockmusik zu, wie auf ihrer neuen CD „In War & Peace“ mit Arien von Monteverdi bis Händel. In einem Händel-Film des Regisseurs Ralf Pleger hatte sie vor Jahren eine kleine Rolle übernommen. Nun hat sie erneut mit ihm zusammen gearbeitet, schlüpft in die Rolle der wohl schlechtesten Sängerin aller Zeiten, und betrachtet „The Florence Foster Jenkins Story“ als ihr eigentliches Leinwanddebüt.

„Career suicide“?

Sie habe schon überlegt, ob das nicht „career suicide“, einen Karriere-Selbstmord bedeuten könne, auch weil sie – wie Florence Foster Jenkins – etwas tue, was sie eigentlich nicht könne nämlich schauspielern, sagt Di Donato, die sich während der Vorbereitung immer wieder Aufnahmen von Florence Foster Jenkins angehört hat. Etwas zu hoch oder zu tief zu singen, sei nicht so schwierig, wohl aber so ganz ohne Rhythmus und ohne Legato und immer zu den hohen Tönen hin beschleunigend.

Sie kann erschreckend schräg singen

Nur ein einziges Mal ist sie bei den Dreharbeiten in Gelächter ausgebrochen, als sie plötzlich einen erschreckend schrägen Ton von sich gab. Es sei wohl eine Mischung aus perverser Freude und Bewunderung dafür, dass Jenkins – was wohl jeder gerne täte – ihren eigenen Wünschen folgte, welche die immer noch andauernde Faszination dieser Figur ausmachen. Und wahrscheinlich habe die frühe Syphilis-Erkrankung und -Behandlung das Gehör von Jenkins geschädigt.

Verzerrte Wahrnehmung

In dem Dokudrama kommen einige Experten, unter anderem ein Musikwissenschaftler, zu Wort. Ralf Pleger überträgt in einer kleinen Szene die gestörte Wahrnehmung der Jenkins auf ihr Aussehen: Die von Syphilis gezeichnete Künstlerin mit nur wenigen schütteren Strähnen auf dem Kopf schaut in einen Handspiegel, aus der ihr eine Frau mit blonder Lockenpracht entgegen lächelt. Die wenig später startende Jenkins-Komödie mit Meryl Streep sei keine Konkurrenz, meint DiDonato. Die beiden Produktionen seien unabhängig voneinander geplant worden und würden sich ergänzen. Und zudem müsse man sich jeden Film mit Meryl Streep ansehen.

Der „besoffene Kuckuck“

DiDonato trägt in den Filmszenen mit Gelassenheit und Charme einen schräg drapierten Stiefelhut und andere von Jenkins entworfene schrille Kostüme. Charakterisieren würde sie Florence Foster Jenkins als eitel, exzentrisch, regelbrechend, narzisstisch, leidenschaftlich, aber auch unschuldig in dem Sinne, dass sie wohl nie jemandem wehgetan habe. Nach dem legendären Konzert, das die damals 76-Jährige 1944 in der Carnegie Hall gegeben hatte, verglichen Kritiker ihren Gesang mit dem eines besoffenen Kuckucks. Kritiker brauchen einen klaren Standpunkt, führt DiDonato aus. Manche hätten schlicht Freude am Verriss. Sie bewundert die Kritiker, denen es gelingt, zugleich ehrlich und freundlich zu sein. Das fachkundige Publikum in der Schauburg reagierte äußerst positiv auf den Film. Ein Karriereselbstmord ist nicht zu befürchten.

Die „Florence Foster Jenkins Story“ läuft im Karlsruher Kino Schauburg am 11. November (19 Uhr), 13. und 14. November (17 Uhr).