Moor-Renaturierung
Sensibles Hochmoor: Die Reanturierungsmaßnahmen auf der Hornisgrinde stoßen nicht überall auf positive Resonanz. Ein Experte spricht von einem "massiven Eingriff" in die Natur. | Foto: Dominic Körner

Moos-Renaturierung auf Hornisgrinde

Massiver Eingriff oder sinnvolle Maßnahme?

Was Adam Hölzer bei einer Wanderung über den Hornisgrinde-Gipfel entdeckte, gefiel ihm gar nicht: Auf dem südlichen Teil wurden Sperren zur Renaturierung des Hochmoores angelegt, die dem Moor-Experten, bis zur Pensionierung Abteilungsleiter Botanik und stellvertretender Direktor am Naturkundemuseum in Karlsruhe, ein Dorn im Auge sind. Zur Maßnahme auf dem Gipfel hat er eine klare Meinung: „Gut gemeint, aber vollkommen sinnlos“.

Eingriffe in den Moorkörper

Bei dem dortigen Gefälle und der Torfzusammensetzung könnten sie keinerlei Wirkung zeigen, ist Hölzer überzeugt. Ähnliche Sperren habe man vor einigen Jahren bereits in geringer Entfernung „zur Volksbelustigung“ installiert, wo sich „keinerlei Torfwachstum eingestellt“ habe. Bei hohem Niederschlag fließe das Wasser um die Sperren herum, ohnehin könne gesättigter Torf nur geringe Mengen aufnehmen. „Die erhoffte Wirkung verpufft“, sagt Hölzer.
Vielmehr störten die Eingriffe den Moorkörper und behinderten die Forschung. So werde die Torfabfolge an den Stellen nachhaltig gestört, wo die Sperren angebracht werden. Bei Bodenuntersuchungen, die etwa Aufschluss über die frühere Vegetation auf der Grinde geben könnten, würden die Ergebnisse dadurch verfälscht. Außerdem gelange durch das „Herumwühlen“ im Torf Sauerstoff an ihn, was seine Zersetzung begünstige. Die Konsequenz: „Es werden Nährstoffe frei und dadurch wird der Wachstum neuer Pflanzen begünstigt, die auf den eigentlich nährstoffarmen Böden nicht beheimatet sind“, erklärt Hölzer. Sie könnten wiederum die Pflanzen verdrängen, die dort ohne Eingriff durch Menschenhand wachsen.

Politisches Prestigeprojekt?

„Wir sprechen hier von einem massiven Eingriff in die Natur“, moniert Hölzer, dabei hätten gerade Moore eine enorme Selbstheilungskraft – „wenn man sie nur in Ruhe lässt“. Der promovierte Wissenschaftler wittert hinter den Maßnahmen ein politisches Prestigeprojekt. „Die Landesregierung hat sich die Moor-Renaturierung auf die Fahnen geschrieben“, sagt er, „deshalb sind da große Summen im Spiel, für eine fundierte Vor- oder Nachuntersuchung der Moore dagegen nicht.“ Bis heute sei kein Renaturierungsprojekt im deutschen Südwesten nach dessen Abschluss „von unabhängiger Seite evaluiert“ worden, bemängelt Hölzer. Im Fall der Hornisgrinde sei ein und derselbe Wissenschaftler für die Maßnahme selbst und die Bewertung deren Erfolgs zuständig. „Das kann nicht sein“, sagt Hölzer.

Umweltamt: Zielführende Maßnahme

Im Landratsamt weist man die Vorwürfe von sich. Die Wiedervernässungsmaßnahmen seien „zielführend“ und dienten der Aufwertung des Naturhaushalts, entgegnet Verena Kasper vom zuständigen Amt für Umweltschutz. Der südliche Teil des Hochmoors auf der Hornisgrinde sei im Rahmen der militärischen Nutzung durch die Anlage von Gräben, unterirdischen Drainagen und den Aushub von künstlichen Kolken (wassergefüllte Vertiefungen) „stark fragmentiert“. In Folge dessen seien die vom Hangwasser abgeschnittenen Teilflächen abgetrocknet und das Moor stagniert. „Das Ziel der Wiedervernässungsmaßnahme ist daher, die hydrogeologische Durchgängigkeit zu erhöhen“, erklärt Kasper. Mit einer verbesserten Wasserversorgung solle das Wachstum der torfbildenden Vegetation im talwärts gelegenen Hangmoor unterstützt werden.

„Sichtbarer Erfolg“

Dieses Ziel werde erreicht, so Kasper, indem in den Gräben abschnittsweise Sperren eingebracht werden, die dazu führten, dass das Wasser über das Hangmoor abgeleitet werde. Dies stelle seine anerkannte Methode für die Renaturierung von Moorstandorten dar. „Der Anstauerfolg war bereits kurz nach Maßnahmeabschluss sichtbar“, betont Kasper, „und ein Versickern des anströmenden Hangwassers im talwärts gelegenen Hangmoor an mehreren Stellen deutlich erkennbar.“
Im Herbst werde ein Kontrollgang stattfinden, um die Funktion der Sperren zu überprüfen. Die Eingriffe an den Entwässerungsgraben erfolgten „äußerst sensibel“, so Kasper, in die umliegenden Moorbereiche habe man „nicht eingegriffen“: „Der Moorkörper wurde daher nicht erheblich gestört.“ Zudem würden die Maßnahmen, wie die anschließende Erfolgskontrolle, von einem „anerkannten Fachbüro“ umgesetzt.