Archäologe war sein Traumberuf als Kind. Er studierte das Fach, doch der Forschertyp war er nicht. Dafür leitet er heute das Badische Landesmuseum in seiner Heimatstadt: Eckart Köhne
Archäologe war sein Traumberuf als Kind. Er studierte das Fach, doch der Forschertyp war er nicht. Dafür leitet er heute das Badische Landesmuseum in seiner Heimatstadt: Eckart Köhne | Foto: dpa / Uli Deck

Badisches Landesmuseum

Der Museums-Revolutionär Eckart Köhne

Größer könnte ein Fingerzeig nicht sein. In einer Ecke des Büros von Eckart Köhne fällt sofort eine überdimensionale Hand auf. Sie ist so groß wie ein Mensch, drei Finger sind zum Handrücken gebeugt, Daumen und Zeigefinger weisen nach oben. Was deuten sie an? Interesse für moderne Kunst – oder für jene der Antike? Die Skulptur hat mit den alten Römern zu tun. „Diese Nachbildung der Konstantinischen Hand von der Monumentalstatue des Kaisers begleitet mich seit der Arbeit in Trier, sie passt einfach zu einem Archäologen“, meint Köhne. Der Chef des Badischen Landesmuseums wusste bereits in der achten Klasse, dass er einmal studierend in die Welt der Antike eintauchen wollte. „Deshalb wechselte ich vom Rüppurrer Max-Planck-Gymnasium zum Bismarck-Gymnasium, um auch Griechisch zu lernen.“

„Der Forschertyp bin ich nicht“, sagt Eckart Köhne

Dass der junge Eckart einmal das landeshistorische Museum in seiner Heimatstadt Karlsruhe leiten würde, konnte noch niemand ahnen. Obwohl ihn seine Eltern, eine Sängerin und ein Diplom-Ingenieur sowie Oberstudienrat, häufig mitnahmen ins Schloss zu den Sammlungen. Familienreisen nach Frankreich, Italien oder Griechenland verstärkten den Wunsch, sich in die Welt der Römer oder Griechen mit ihren Bauwerken noch genauer einzugraben. Ohne auf Dauer selbst auszugraben. „Ich habe im Studium bemerkt, dass ich nicht der Forschertyp bin. Im Museum war ich dann gleich von der ,neuen Welt’ und dem Vermitteln fasziniert. In Hamburg konnte ich etwas über Spiele im alten Rom präsentieren – und das war noch etwas Neues fürs Publikum.“

Monumentales aus Ägypten

Große Museen in Trier und Speyer leitete der 50-Jährige, bevor er 2014 nach Karlsruhe wechselte. Die Ausstellungen über Karlsruhes Stadtgründer Karl Wilhelm oder Cowboy und Indianer fallen in seine Verantwortung. Ab nächster Woche lädt der Chef nach Ägypten ein. Die Schau über Ramses, den göttlichen Herrscher am Nil, bringt monumentale Exponate, Schmuck der Lieblingsfrau des 66 Jahre herrschenden Pharaos, und Aufklärung über den ersten paritätischen Friedensvertrag der Welt“,   kündigt Köhne an.

Mit klarer, heller Stimme spricht der freundliche Mann. Den Museums-Revolutionär würde man nicht sofort in ihm vermuten. Und doch will Köhne alte Konzepte umwerfen und einen völlig neuen Zugang zu den Schätzen des BLM ermöglichen. Erstmals in einem großen kulturhistorischen Haus sollen in einigen Jahren Schlossbesucher alle Sammelobjekte sehen können. „Entweder in einer Ausstellung oder im Depot, ganz real und nicht nur durch eine digitale Präsentation.“ Ab nächsten Jahr wird die Abteilung Ur-und Frühgeschichte so umgebaut, dass dort das Konzept getestet werden kann.

Ein Direktoren-Ehepaar

Beruflicher Austausch zu Hause bleibt bei Köhne kaum aus. Seine Frau Cornelia Ewigleben ist ebenfalls Archäologin und Direktorin – des Württembergischen Landesmuseums in Stuttgart. Im historischen Museum der Pfalz in Speyer wurde Eckart Köhne damals der Nachfolger seiner Frau, die er in der Hamburger Zeit kennenlernte. Bei so viel Kulturleben mit historischem Gewicht stürzt sich das Paar während Urlauben in ganz andere Welten – gegenwärtige und schwerelose: Durch Tauchreisen in aller Welt.

Seit Juli 2014 leitet Eckart Köhne das Badische Landesmuseum Karlsruhe. Er kehrte damit in seine Heimatstadt zurück, in der er 1966 geboren wurde. Nach dem Abitur am Bismarck-Gymnasium studierte er, mit Abschluss Doktortitel, Klassische Archäologie in Bonn und Heidelberg. Er arbeitete an einem Hamburger Museum und beim Museumsverband Rheinland-Pfalz. Er leitete das Landesmuseum in Trier und das Historische Museum der Pfalz in Speyer. Köhne hat drei erwachsene Kinder und lebt mit seiner Frau Cornelia Ewigleben in Karlsruhe.

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