Phänomen "Mastjahr"

Der Sommer geht in die Verlängerung – doch das Laub fällt

Sonnenanbeter können sich freuen: Auch in den nächsten Tagen bleiben die Temperaturen im Südwesten wohl herrlich warm. Die Temperaturen sind sommerlich, kalendarischer Herbstanfang ist erst am 22. September – aber unter vielen Bäumen liegt bereits reichlich Laub. Gefühlt viel zu früh.

Vor allem Buchen werfen schon ihr Laub ab

Und tatsächlich: „Insbesondere Buchen werfen ihre Blätter dieses Jahr früh ab“, sagt Johannes Enssle. Er ist Waldreferent beim Nabu Baden-Württemberg. Enssle führt das Ganze auf die Witterung zurück: „Auf den relativ kühlen und nassen Frühsommer folgte eine trockene und heiße Phase. Inzwischen sind die Böden vielerorts ausgetrocknet.“

2016 ist ein „Mastjahr“

Dass gerade Buchen vom frühen Laubfall betroffen sind, könnte damit zusammenhängen, dass 2016 ein „Mastjahr“ ist, wie es die Fachleute nennen. „In solchen Jahren produzieren die Bäume besonders viele Samen“.

Bei Trockenstress wirft der Baum schneller sein Laub ab

Damit, so erläutert der Nabu-Experte, gehen ein geringeres Wachstum des Stammes und eine lichtere Belaubung einher. Und: Durch die Anstrengung, viele Früchte zu bilden, sei der Baum insgesamt geschwächt: „Bei Trockenstress wirft er dann schneller sein Laub ab, um Kräfte zu sparen“, sagt Enssle.

Liegt es am Klimawandel?

Allerdings scheinen sich die Abstände zwischen den Buchen-Mastjahren zu verkürzen, 2016 sei bereits das vierte in nur sieben Jahren. Experten vermuten einen Zusammenhang mit dem Klimawandel, durch den milde Frühjahre und Hitze- und Trockenperioden im Sommer häufiger werden eine Voraussetzungen für das Phänomen Mastjahr. „Und hier besteht durchaus Grund zur Sorge“, sagt Enssle.

Bäume verlieren ihre Energie-Reserven

Die Verkürzung des Mastjahrzyklus habe zur Folge, dass die Bäume auf lange Sicht geschwächt sind, weil sie ihre Energie-Reserven aufbrauchen. „Auf Extremereignisse wie Trocken- und Hitzeperioden, wie wir sie zum Beispiel im Rekordsommer 2003 erlebt haben, sind die Bäume dann schlechter vorbereitet.“

Umso wichtiger sei es, die Widerstandsfähigkeit der Wälder weiter zu stärken: „Zum einen durch den Aufbau vorratsreicher, naturnaher Mischwälder und zum anderen durch konsequenten Klimaschutz und eine Reduktion der Stickstoffemissionen“, betont der Nabu-Waldexperte.  SO