Weinkönig Sven Finke  in seinem Reich bei Kesten an der Mosel.
Weinkönig Sven Finke in seinem Reich bei Kesten an der Mosel. | Foto: Harald Tittel / dpa

Aufgefallen

Ein Weinkönig an der Mosel – göttlich

Doch, auch Männer können Weinkönigin. Pardon: Weinkönig. Kesten an der Mosel hat seit Freitag einen solchen. Sven Finke heißt er, ist 25 Jahre alt und erinnert von der Statur her ein bisschen an Peter Ustinov in der Rolle des Nero. Was aber einfach daran liegen könnte, dass der Weinkönig im Amt eine Toga trägt, zudem eine majestätisch rote Stola – und eine Art Lorbeerkranz statt Krönchen. Das passt, denn der 350-Seelen-Ort in Rheinland-Pfalz hat römische Wurzeln. Jurastudent und Weinbergbesitzer Sven Finke, der seit fünf Jahren mit seinem Partner in Kesten lebt, will jetzt aller Welt zeigen, „dass Männer genauso für diesen Job geeignet sind wie Frauen“.

Auch in Wiesloch gab es schon mal einen Weinkönig

Um der Wahrheit, die bekanntlich im Wein liegt, die Ehre zu geben: Sven Finke ist nicht der erste Mann, der die Frauenbastion der Weinhoheiten gestürmt hat. Zwar ist es, wie Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut sagt, „eine absolute Seltenheit“, dass ein Mann in ein solches Amt gewählt wird – aber ab und zu passiert es. Zum Beispiel im schönen Baden. Dieter Degreif aus Wiesloch war 1994 in die Bresche gesprungen, als es an Bewerberinnen für die kurpfälzischen Weinhoheiten mangelte. Und: Dieter I. war bei der Bevölkerung so beliebt, dass er letztlich drei Jahre lang König blieb.

„Wenn ihr niemanden findet, mache ich euch die Weinkönigin“

Auch in Kesten war Not an der Frau. Als sich im Ort bereits 2015 keine Bewerberin für die Nachfolge von Weinkönigin Sarah I. fand, hatte sie ihre Amtszeit um ein Jahr verlängert. Für 2016 bot dann Sven Finke an: „Wenn Ihr niemanden findet, mache ich euch die Weinkönigin“. Dass daraus ernst werden würde – der Gemeinderat sprach sich einhellig für Finke aus –, damit hatte er nicht gerechnet. Aber jetzt freut er sich „wahnsinnig.“ Auch Bürgermeister Michael Beer ist guten Mutes: „Finke trägt dazu bei, den Weinort Kesten bekannter zu machen“. Weinköniginnen gibt es viele – aber ein Weinkönig, noch dazu im römischen Gewand: Das ist schon was Besonderes.

Der Bacchus von Kesten

Noch etwas kommt hinzu: Dem sich zur Genussfreude bekennenden Sven Finke wurden quasi die höheren Weihen verliehen. Der erste männliche Weinbotschafter des Moselortes ist nicht nur ein gekröntes Haupt wie seine Amtsvorgängerinnen, sondern firmiert als „Bacchus Castanidi“, als Bacchus von Kesten. Und einem Gott, einem Gott des Weines zumal, hängt keine Traube zu hoch. Er ist schließlich ein Unsterblicher – was auf auf eine lange Amtszeit hindeuten könnte.