Süddeutscher Meister war der KSC vor 60 Jahren. Kapitän Walter Baureis steckt im Lorbeerkranz für den Titel der Oberliga. Über die landesweite Endrunde gelangte die Mannschaft sogar ins deutsche Endspiel – das ging aber im Juni 1956 gegen Dortmund verloren.	 Foto: Stadtarchiv Karlsruhe, Bildarchiv Schnebele
Süddeutscher Meister war der KSC vor 60 Jahren. Kapitän Walter Baureis steckt im Lorbeerkranz für den Titel der Oberliga. Über die landesweite Endrunde gelangte die Mannschaft sogar ins deutsche Endspiel – das ging aber im Juni 1956 gegen Dortmund verloren. Foto: Stadtarchiv Karlsruhe, Bildarchiv Schnebele

Vor 60 Jahren: KSC im Finale

Hellblauer Vizemeister

Zehn Minuten sind gespielt im Berliner Olympiastadion. Der KSC zeigt gleich Mut in diesem Finale um die deutsche Meisterschaft 1956. Heinz Ruppenstein zieht im Mittelfeld an einem Dortmunder vorbei, der lange Pass auf Kunkel gelingt. Flügelstürmer Ernst Kunkel täuscht an, zwei Dortmunder behindern sich gegenseitig – Kunkel, zuvor beim VfB Mühlburg der Spielmacher, schießt und trifft rechts ins Eck. Die 1 500 KSC-Anhänger unter den rund 70 000 im nicht ausverkauften Stadion jubeln. Der Außenseiter führte an diesem 24. Juni 1956, als in einem echten Endspiel der deutsche Fußballmeister ermittelt wurde. Wie jedes Jahr bis zur Einführung der Bundesliga 1963.

24. Juni 1956: Borussia Dortmund – KSC 4:2

Vor 60 Jahren schafft es der KSC nach einer kräfteraubenden Saison in das alles entscheidende Spiel um die Meisterschale. Zunächst holten die Blau-Weißen den Titel der süddeutschen Oberliga, das war damals die höchste Spielklasse. Der VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt oder der 1. FC Nürnberg landeten hinter den Badenern. In der deutschen Endrunde lag der KSC in seiner Vierergruppe am Ende punktgleich mit Schalke 04 und dem 1. FC Kaiserslautern vorne. Kurios: Die 7:5 Tore des KSC waren besser als die 16:12 von Schalke. Um das Torverhältnis zu ermitteln, wurde nicht subtrahiert, sondern dividiert! Haushoher Favorit im Finale an einem regnerischen Tag war Westmeister Borussia Dortmund mit seinen „drei Alfredos“. Keine Artisten, sondern die Ballkünstler Alfred Preißler, Alfred Kelbassa und Alfred Niepeklo. Alle drei trafen gegen den KSC. Die Borussen glichen nach 15 Minuten aus, lagen zur Halbzeit in Führung und zogen auf 4:1 davon. Bei einem Tor fälschte KSC-Verteidiger Siegfried Geesman leicht ab und beim 1:4 patzte Torwart Rudi Fischer. Ein Eigentor der Borussen zum 2:4 machte den Badenern mit Trainer Adolf Patek aus Wien noch einmal Hoffnung. Aber die Stürmer Heinz Beck, Kurt Sommerlatt, Oswald Traub oder Berni Termath mühten sich vergeblich. Der BVB holte seinen ersten Meistertitel. Mit Trainer Helmut Schneider aus Mannheim.
Die Borussen-Dominanz war zu groß für den fairen KSC. Dessen Auftreten in neuen hellblauen Trikots wurde allgemein gelobt. Man habe „den Süden würdig vertreten“, hieß es in den BNN. Und dass das Leben weitergehe. Selbst der Berufsfußball war einst einfach nur schöne Nebensache. Dass nur 1 500 Anhänger mit in Berlin waren, erklärt sich aus der damals beschwerlichen Anreise durch die DDR mit langwierigen Grenzkontrollen. Dafür wurde die Mannschaft bei der Rückkehr begeistert empfangen.