Bauen im Grünen und am Grün ist derzeit in Bad Herrenalb angesagt - beispielsweise hier am Kurhaus.
Bauen im Grünen und am Grün ist derzeit in Bad Herrenalb angesagt - beispielsweise hier am Kurhaus. | Foto: Liebscher

Karten für 2017 ab Oktober

Herrenalb macht sich frisch für die Gartenschau

Die beiden Schwarzwaldurlauber stehen lange am Bauzaun und betrachten das Panorama der Kontraste: Rechts von ihnen das kräftige Grün von tannenbesetzen Bergen, gefolgt vom hellen Grün der Kurparkwiesen, dann das glitzernde Wasser der Alb und direkt vor ihnen blenden die weißen und rötlichen Steine an der Baustelle, sorgfältig bearbeitet von schwitzenden Maurern.
Wo in Bad Herrenalb die Dobler Straße den Schritt über das Flüsschen Alb macht, sind Gegenwart und Zukunft der Kurstadt auf einen Blick vereint. Beim Kurhaus mit seinem hohen Walmdach sowie der Trinkhalle, wo das für Magen und Darm wohltuende Heilwasser aus Mehrweggläsern genossen werden kann, wird für die Gartenschau 2017 derzeit eifrig gebaut. Hier entstehen Treppen zur Alb hinab und ein Haupteingang für jene „kleine“ Gartenschau, die das Land Baden-Württemberg alle zwei Jahre unterstützt.
Benötigt Bad Herrenalb überhaupt ein solches Jahresereignis? Sehr hoch verschuldet ist die 7 000-Einwohner-Stadt und herrlich im Grünen liegen das Zentrum und die Stadtteile ohnehin. Dort oben am (k)urigen Ende des Albtals ist es gerade jetzt auf 385 Metern einige Grad angenehmer als in der Rheinebene. Aber frische Ereignisluft und Entrümpeln kann auch dort nicht schaden. Die Gartenschau mit beschlossenen Bau-Nettokosten von zehn Millionen Euro soll beispielsweise den Kurpark aus dem Dornröschenschlaf erwecken. Deshalb ist er derzeit nicht zugänglich. Die Alb wird aus einem starren betonierten Flussbett befreit, die Ufer sollen weitgehend grüner, blumiger und für nackte Füße zugänglich werden – was man beim nicht mehr mit Autos belegten, aber etwas kahlen Rathausplatz schon sehen kann. Das schlummernde Potenzial besser nutzen, lautet außerdem die Devise beim Umbau der Kurpromenade. Es gab eine lange Durststrecke für die Geschäfte und die Autofahrer durch Sperrungen und Umbauten zu überstehen. Nun stellt sich die Flaniermeile am Rande des Kurparks mit neuem Belag und barrierefrei dar.

Gartenschau in drei Teilen

„Bei der Gartenschau ab Mai 2017 haben wir zwei umzäunte, eintrittspflichtige Bereiche, den Kurpark und die Schweizerwiese“, berichtet Herrenalbs agile junge Stadtkämmerin Sabine Zenker: „Nimmt man das Klosterareal dazu, das frei zugänglich bleibt, sind es zehn Hektar Gelände. Viel Bürgerideen fließen dabei in die Gestaltung ein.“
Mühlacker veranstaltete im Vorjahr ebenfalls auf zehn Hektar eine solche kleine Gartenschau. Mit 570 000 Besuchern kamen viel mehr als erwartet. Das etwas abseits der Verkehrsströme liegende Herrenalb rechnet mit 100 000 Besuchern, die am Bahnhof gleich mit der Gartenschau empfangen werden oder ihre Autos in der Nähe des Thermalbads mit Blick auf den Falkenstein parken sollen.
Apropos abseits: Das schwäbische Bad Herrenalb liegt am Rande des Landkreises Calw und an der alten Grenze zu Baden. Diese ist beim Steinhäusle hinter Frauenalb noch gekennzeichnet. Die evangelische Kirchengemeinde Herrenalb gehört zu Württemberg, aber die Evangelische Landeskirche Baden hat ihr Tagungshaus in der Kurstadt.

Weg vom Landkreis Calw?

Nicht nur die Verkehrsverbindungen im oberen Albtal sind gut in Richtung Ettlingen und Karlsruhe. Weshalb eine örtliche Initiative „Sag Ja zum Landkreis Karlsruhe“ immer aktiver wurde und nun erreicht hat, dass es im Oktober zum Bürgerentscheid kommt, ob die Stadt den Landkreiswechsel anstreben soll. Mancher Streit um Fakten und Folgen der Kreiszugehörigkeiten haben hohe Wellen geschlagen. „95 Prozent, die nicht der Wahrheit entsprechen“, beinhalte der Flyer der Karlsruhe-Befürworter, hieß es einmal im Gemeinderat. Falls er je im Leben schon mal 95 Prozent gelogen habe, solle ihn der Blitz treffen, erwiderte daraufhin ein Aktivist. Beschließen könnte eine „Auskreisung“ übrigens nur der Landtag.
Mit dem Gelände um das alte Zisterzienserkloster mit schöner Kirche und dem auf einer Mauer wachsenden Wunderbaum verfügt Herrenalb über einen sehenswerten historischen Anlaufpunkt. „Im Klosterareal ist es jetzt noch ruhig, für die Gartenschau werden wir dort behutsam Akzente setzen“, sagt Tim Rohrer von „bwgrün“ und zuständig für Ausstellungen sowie Betrieb der Schau.
Den Ruf des Luftkurorts Herrenalb als beschaulichem Rentnerparadies mit drei Kurkliniken kontert Kämmerin Zenker, die auch Geschäftsführerin der Stadt-Touristik ist, mit diesen Zahlen: „330 000 Übernachtungen jährlich und damit unter den Top 20 in Baden-Württemberg; 1,4 Millionen ermittelte Tagesgäste. Dazu eine Bevölkerung, die jünger wird, weil Familien gern im Grünen wohnen.“
Wenn jetzt noch Jugendstilvillen nicht mehr leer stehen und noch geschlossene, jedoch renovierte Lokale wieder öffnen würden, hätten Einwohner und Besucher noch mehr vom erhofften Aufwind durch die Gartenschau. Ab Oktober werden vergünstigte Dauerkarten verkauft. Und am 13. Mai geht’s los – unter em Motto „Blütentraum und Schwarzwaldflair.“