Schilder, die auf Baustellen hinweisen, sieht man in Karlsruhe und Umgebung allzu häufig.
Schilder, die auf Baustellen hinweisen, sieht man in Karlsruhe und Umgebung allzu häufig. | Foto: Julian Stratenschulte/Archiv/dpa

Aufgefallen

Karlsruhe – da denkt man spontan an Baustellen

Was fällt den Menschen aus der Region spontan zu Karlsruhe ein? – Baustellen, Staus und Verkehrsprobleme! Okay, das sagen nicht alle, aber die allermeisten. So ungefähr 62 Prozent bei der neuesten Umfrage unter den Einwohnern des Umlandes.

Besucherschwund in Karlsruhe

Offensichtlich bohrt sich nichts tiefer ins Gedächtnis als die Kraterlandschaft, die Absperrungen, Umleitungen und die verspäteten oder gar nicht erst auftauchenden Stadtbahnen. Und das hat Konsequenzen: Die Leute aus der Region kommen der städtischen Umfrage zufolge deutlich seltener als früher in die badische Baustellen-Hauptstadt. Was bitter ist – zu allererst für die Geschäftsleute, die sich zudem von der Baustellen-unbeleckten Internet-Konkurrenz bedrängt sehen.

Oben gut drauf, unten gut voran?

Man wundert sich ja nicht wirklich über den Besucherschwund in Karlsruhe. Das einzige, was einem bald sieben Jahre nach dem Spatenstich am Europaplatz noch erschüttern kann, ist die Nonchalance, mit der die Kombilösungs-Macher Optimismus verbreiten: „Oben gut drauf, unten gut voran“, verkünden sie froh. Mit einem klaren Nein beantworten sie auf ihrer Homepage zudem die Frage, „Ist die Karlsruher Innenstadt zehn Jahre eine Baustelle?“. Karlsruhe habe schließlich „Erfahrung mit Baustellen ähnlicher Größenordnung…“. Liebe Leut’, vielleicht ist an der Zeit, den Text mal zu überarbeiten.

Aber man soll nicht ungerecht sein. Oberbürgermeister Frank Mentrup sieht ja auch, dass die Einschränkungen bei der Erreichbarkeit derzeit ein großes Handicap für Karlsruhe sind. Und natürlich hat er recht, wenn er sagt, dass nicht alle Verkehrsprobleme mit der Kombilösung zu tun haben.

… und immer noch ein paar Baustellen mehr

Das Tiefbauamt, die Verkehrsbetriebe und die Stadtwerke bescheren uns eifrig weitere Baustellen. Und für die Nadelöhre im Landkreis und die Situation auf der Autobahn kann die Stadt gleich gar nichts. Klar – all diese lästigen Baumaßnahmen sind unverzichtbar und nur in einem ganz bestimmten Zeitfenster realisierbar. Mit der Folge, dass – ups, keiner hat’s geahnt – das maximale Verkehrschaos produziert wird.

Obwohl – manchmal fragt man sich schon, ob so ein Gespräch von Verwaltungschef zu Verwaltungschef und von Verkehrsplaner zu Verkehrsplaner die wundersame Staufallen-Ballung in und um Karlsruhe nicht im Vorfeld hätte verhindern können. Der normale Bürger hat da ja wenig Einfluss drauf. Der ärgert sich nur und schimpft. Und wenn er nicht unbedingt nach Karlsruhe rein muss – dann bleibt er halt weg.

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