In einer schwierigen Phase gelassen bleiben, um richtige Entscheidungen zu treffen, muss KVV-Chef Alexander Pischon
In einer schwierigen Phase gelassen bleiben, um richtige Entscheidungen zu treffen, muss KVV-Chef Alexander Pischon | Foto: KVV

Alexander Pischon

Der KVV-Manager in der Baustellen-Brandung

„Ja, wir durchleben eine schwierige Phase in diesen Tagen und schon den ganzen Sommer. Fahrermangel, die Behinderungen durch die vielen Baustellen, die Sorgen um die Kombi-Lösung und jetzt noch die Schäden an den 26 von einem Top-Hersteller gekauften Niederflurwagen. Wir brauchen eine Art Notprogramm für den Straßenbahneinsatz mit Beginn des Schuljahres.“ Alexander Pischon, Chef des KVV und damit des Nahverkehrs in Karlsruhe und der Region, stöhnt nicht und sucht auch keine Ausflüchte, wenn er über die Probleme mit „seinen“ Stadt- oder Straßenbahnen und den Ärger der Fahrgästen spricht, denen manches zugemutet wird.

 Im KVV (Karlsruher Verkehrsverbund) arbeiten 22 Verkehrsunternehmen zwischen Pfalz und Neckar, Rhein und Schwarzwald zusammen.

Der 49-Jährige ist schon zu lange Zeit ehrgeiziger Manager in der Verkehrsbranche und weiß, im Gegenwind geht Abtauchen gar nicht. „Klare Signale und Entscheidungen für die Mannschaft sowie Transparenz, auch in der Öffentlichkeit, sind nötig – und dafür wurde ich auch bestellt.“

„Beim KVV wurde manches überdehnt“

Als der schlanke, sportliche Mann 2014 eine Regionalleitung bei der Deutschen Bahn abgab und als Vorsitzender Geschäftsführer an die Spitze der Karlsruher Verkehrsbetriebe (VBK) und der Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) rückte, machte er keine großen Regierungserklärungen, sondern sich an die Alltagsarbeit. Es galt manches zu entrümpeln, von der Politik neue Unterstützung zu holen und das Team wieder zu motivieren. „In Karlsruhe und beim KVV hatte man sich Ruhm und Ehre aus der Vergangenheit erworben, vielleicht auch manches überdehnt.“ Pischon nimmt zwar Fahrstunden, um eine Stadtbahn zu steuern. Aber mit ihm steht inzwischen kein Techniker oder Schienenfreak mehr an der Spitze. (Es gibt mit Ascan Egerer nun auch einen zweiten, technischen Geschäftsführer.)

Unternehmensentwickler statt Technikfreak

Vor allem bei der hoch defizitären VBK muss Pischon harte Zukunftsnüsse knacken. Er ist gekommen als Unternehmensentwickler und Finanzfachmann. Er kaufte für die Deutsche Bahn den Strom ein, analysierte einst für Hartmut Mehdorn teure Prestigeprojekte („Dabei habe ich ihn schon Mal verärgert, weil ich klar sagte, dies und jenes rechnet sich nicht“) und arbeitete acht Jahre eng mit dem Top-Manager Andreas Meyer zusammen, der heute die Schweizer Bundesbahnen leitet.
Viel herum in aller Welt kam der jetzige Chef von 2 300 Mitarbeitern in seinen früheren Jobs und die Zeit des Mauerfalls erlebte Pischon als Student in Berlin. „Das waren glückliche, spannende Zeiten.“ Zu Hause war der Sohn eines Ingenieurs und einer Werbekauffrau nach dem Studienabschluss aber stets in Heidelberg.

Er spielt gern Tennis

Dort genießt er ruhige Sonntage mit der Familie und geht mit Hündin Lotte mehrmals die Woche um fünf oder halb sechs auf seine Joggingrunden – vor dem langen Arbeitstag im Büro an der Karlsruher Tullastraße oder im großen Gebiet des KVV. Seine Frau ist Kunsthistorikerin und da passt es gut, dass sie gerade über ein badisch-markgräfliches Thema forscht. Mit den 14- und 17-jährigen Kindern verbrachten die Pischons – der Name ist hugenottischer Herkunft – den August-Urlaub an der ruhigen Nordspitze von Sylt. Jetzt aber steht der frühere Ruderer und aktuelle Tennisspieler wieder voll in der Karlsruher Baustellen- und Pannen-Brandung.

Seit zwei Jahren leitet Alexander Pischon die Karlsruher Verkehrsbetriebe (VBK), die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), den Karlsruher Verkehrsverbund (KVV), in dem 22 Unternehmen vereint sind, und die KASIG für die Kombilösung. Pischon wurde 1966 in Mannheim geboren. Nach Abitur und Wehrdienst lernte er Bankkaufmann und studierte Volkswirtschaft in Berlin und Heidelberg. Nach Erwerb des Doktortitels arbeite er bei ABB Mannheim und 13 Jahre bei der Deutschen Bahn in Leitungsfunktionen. Pischon ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Heidelberg.

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