Nicht ohne meinen Schrittzähler: Beim Laufen setzen viele Leute aufs digitale Helferlein.
Nicht ohne meinen Schrittzähler: Beim Laufen setzen viele Leute aufs digitale Helferlein. | Foto: Christoph Schmidt/dpa

Fitness-Armband und Co.

Mit dem Schrittzähler zum Cremetörtchen

Kaum zu fassen: Es gibt Leute, die keine Ahnung von ihrem aktuellen Kalorienverbrauch, ihrem Blutdruck und ihrer Pulsfrequenz haben – und auch gar nicht wollen, dass solche Daten von einem Fitness-Armband oder einer Smartwatch aufgezeichnet werden. Manche scheren sich nicht einmal um die Zahl der Schritte, die sie zurücklegen, oder um ihre Schlafphasen. Unverantwortlich eigentlich. Dabei war es nie so einfach wie heute, die eigene Gesundheit und Kondition ständig zu überwachen und zu optimieren.

Zugegeben, manche Menschen sind auch ohne die Mahnung eines elektronisches Helferleins in der Lage, vom Sofa zu springen und sich Bewegung zu verschaffen. Aber schauen wir uns um: Da finden sich schon etliche Leute, die schlapp sind oder schwabbeln, denen eine ausgewogene Ernährung und körperliche Ertüchtigung dringend anzuraten wäre.

Gesundheits-Apps und Fitness-Armbänder zur Motivation

Gesundheits-Apps und Fitness-Armbänder können sehr motivierend wirken, behaupten die Anbieter. Und mal abgesehen von ungeklärten Datenschutzfragen und ausstehenden Qualitätsstandards sehen darin auch Gesundheitspolitiker sowie Krankenversicherer Chancen. Womöglich läuft es aber wie bei anderen Vorbeugeprogrammen: dass sich vor allem um ihre Fitness kümmern und ihre Schritte zählen, die ohnehin einen gesunden Lebensstil pflegen.

Wo der Schrittzähler auf der Strecke bleibt

Darauf, dass Menschen, die es besonders nötig haben, von Fitness-Armbändern nicht unbedingt profitieren, deutet eine amerikanische Studie hin, die jetzt im medizinischen Fachjournal „Jama“ veröffentlicht wurde: Wissenschaftler verordneten fast 500 Übergewichtigen eine Langzeitdiät, dazu gab es Sportempfehlungen. Nach sechs Monaten erhielt die Hälfte der Testpersonen zudem Fitness-Armbänder. Was geschah? Kaum zu fassen: In der Armband-Gruppe speckten die Leute im Schnitt um 3,5 Kilogramm weniger ab als ihre „Mitbewerber“ ohne digitale Hilfsmittel.

Das könnte, meint John Jakicic von der Uni Pittsburgh, am Frust liegen: Wer an seinen Trainingszielen häufig scheitert und dies vom digitalen Helferlein quittiert bekommt, hat halt irgendwann keine Lust mehr. Jakicic hält es aber auch für denkbar, dass die Leute mit den Fitness-Armbändern wirklich fleißig Sport getrieben haben. Und sich nach dem Training, bestärkt durch den Schrittzähler, dachten: „Ich war so aktiv – also kann ich mir jetzt ein Cremetörtchen gönnen.“ Gegen den Appetit kommt halt keine App an.

 

Um den ganz normalen Wahnsinn geht es auch in dieser Glosse:

… und wenn Sie in Ihrer Freizeit mal was anderes machen wollen als immer nur Schritte zählen, wäre das vielleicht eine gute Idee: