Auf die Kartoffel kommt es an: Für die Gleichbehandlung der Geschlechter bei der Vergabe von Kartoffelnamen soll sich der Bundestag einsetzen, heißt es in einer Petition.
Auf die Kartoffel kommt es an: Für die Gleichbehandlung der Geschlechter bei der Vergabe von Kartoffelnamen soll sich der Bundestag einsetzen, heißt es in einer Petition. | Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Aufgefallen

Der Name der Kartoffel: Männliche Konkurrenz für Sieglinde

Sieglinde. Kulturbeflissenen fällt bei diesem Namen womöglich die Sieglinde aus dem Nibelungenlied ein oder aus Wagners Walküre. Der ein oder andere kennt wohl auch eine leibhaftige Sieglinde. Aber viele Leute denken einfach an Nahrhaftes: Sieglinde, die Kartoffel, festkochend und wohlschmeckend. Das frühreife Erdfrüchtchen ist deutschen Verbrauchern seit Jahrzehnten ein Begriff und so was wie das „It-Girl“ unter den Kartoffeln. Wobei die Konkurrenz unter den tollen Knollen riesig ist: Annabelle, Agata, Belana, Christa, Désirée, Ditta, Freya, Gloria, Linda, Mariella, Nicola, Renate, Selma, Stella … Und das sind nur ein paar Beispiele aus dem Sortenkatalog von mehlig bis festkochend.

Doch, es gibt auch Kartoffelsorten, die keinen Frauennamen tragen: Das Bamberger Hörnchen etwa oder der Blaue Schwede. Alles in allem aber beherrschen die Damen die Kartoffelkiste, während sich die Herren vom Acker gemacht haben. Oder wurden sie etwa vertrieben? Handelt es sich gar um einen gezielten Ausschluss des Mannes von der Pommesfront? Das geht gar nicht. Schon regt sich Widerstand! Der Bundestag muss ran.

Petition 66662: Organisation der Landwirtschaft – Namen von Kartoffelsorten (weiblich/männlich)

Eine Petition zur Gleichbehandlung der Geschlechter bei der Vergabe von Kartoffelnamen wurde gestartet. Der Initiator verweist darauf, dass ja auch bei den Namen von Hoch- und Tiefdruckgebieten das Geschlecht gewechselt wird. Darin, dass mehr als 90 Prozent der Kartoffelsorten weibliche Namen tragen, sieht er eine „eindeutige Benachteiligung hinsichtlich männlicher Namen“. Der Bundestag möge dafür sorgen, dass mittelfristig eine „ausgeglichene Mischung“ geschaffen wird.

Gleichberechtigung auf der Ebene der Kartoffel

Ehe die festkochende Sieglinde qua Gesetz verstärkt männliche Konkurrenz bekommt, muss die Petition freilich noch Hürden überwinden: Der Initiator benötigt bis zum 17. August 50 000 Unterstützer seines Anliegens – dann kann er sein Begehr mit Abgeordneten in einer öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses diskutieren.

So richtig viele Mitzeichner gibt es für die Petition 66662 – nachzulesen auf der Internetseite des Bundestags – bislang allerdings nicht. Dafür findet sich im Diskussionsbereich unter der Bemerkung „Diese Petition KANN nicht ernst gemeint sein“ der Kommentar: „Ich möchte die Kartoffel nicht duzen, ich möchte sie ESSEN“. Man sieht daran: Du, liebe Sieglinde, und Deine Mitkartoffeln – Ihr habt noch echte Fans.