In der Klosterkirche von Herrenalb finden sich schwäbische Symbole und das badische Wappen gleichermaßen. Foto: lie
In der Klosterkirche von Herrenalb finden sich schwäbische Symbole und das badische Wappen gleichermaßen. Foto: lie

Bad Herrenalbs Kreisgeschichte

Von Calw nach KA-LW?

Die Initiative „Sag Ja zum Landkreis Karlsruhe“ war in Bad Herrenalb erfolgreich. Der von ihr ins Rollen gebrachte Bürgerentscheid fiel ganz knapp positiv für einen Wechsel vom Kreis Calw zum Kreis Karlsruhe aus. Aber die Sympathien der Wähler in der Kurstadt sind dennoch fast gleichstark verteilt. Am 23. Oktober  stimmten 1 872 Leute oder 50,5 Prozent für den Kreis Karlsruhe und 1 829 Wähler für den bisherigen Landkreis Calw.  Eine tatsächliche Entscheidung konnten die Wechselwilligen aber nicht erzwingen. Jetzt hat die Stadtverwaltung lediglich den Auftrag, sich für eine andere Kreis-Orientierung einzusetzen. Das letzte Wort hat der Landtag von Baden-Württemberg.

Schwäbische Orte für badische Kreise

Per Gesetz wurden vor über 40 Jahren die heutigen 35 Landkreise in Baden-Württemberg zugeschnitten. Eine Gebietsreform von 1973, die schon 1968 von einer Koalitionsregierung von CDU und SPD begonnen wurde, tilgte Landkreise wie Bruchsal oder Bühl von der Landkarte. Dafür wurden die Kreise Karlsruhe und Rastatt größer oder Gebiete wie der Ortenaukreis gegründet. Diese Kreisreformen gingen mit Gemeindefusionen einher. Gewollte und vergeblich bekämpfte Veränderungen gab es dabei. Die Zugehörigkeit zu einem Landkreis war allerdings nur selten eine aufwühlende Angelegenheit.
Es wechselte beispielsweise der historisch schwäbische Ort Loffenau vom Landkreis Calw in den badischen Landkreis Rastatt. Aber die Bäderstadt Bad Herrenalb blieb im damals verkleinerten Kreis Calw.

Historisches sollte verschwimmen

Es war ein, natürlich nicht direkt ausgesprochenes, Ziel jener Verwaltungsstrategen, die alte badisch-schwäbische Grenze weniger deutlich zu machen. Vermeintlich moderne Strukturen sollten Traditionen und Mentalitätsunterschiede in den Hintergrund rücken. In der Gemeinde Straubenhardt sind das badische Langenalb und die schwäbischen Nachbar-Orte vereint. Es wurden damals folgerichtig auch die Regierungspräsidien (RP) umbenannt. Aus dem RP Nordbaden wurde das RP Karlsruhe, weil eben mit den Kreisen Calw und Freudenstadt schwäbische Gebiete verwaltend zu den Badenern rückten. Während das badische Eppingen in den Kreis Heilbronn und zum RP Stuttgart wechseln musste.

Das Beispiel Oberderdingen

Solche Verschiebungen bleiben mit Besonderheiten verbunden. In der schönen Kraichgau-Gemeinde Oberderdingen (Kreis Karlsruhe) gibt es eine „Weingärtnergenossenschaft“. Denn Oberderdingen lag einst im schwäbischen Kreis Vaihingen und in Württemberg heißen die Winzer eben „Weingärtner“. Der frühere Bürgermeister dieser Gemeinde, der Schwabe Erwin Breitinger, stand denn auch nicht auf, wenn seine Amtskollegen im Kreis Karlsruhe das Badnerlied schmetterten. Oberderdingen lebte seit über 40 Jahren eine Gemeinde-Ehe mit dem ab dem 19. Jahrhundert badischen Flehingen (und der Waldenser-Ort Großvillars kam in den Bund mit hinzu). Oberderdinger sind in ihren Traditionen etwas andere, aber gut gelittene Kreisbürger. Und die 7 500 Herrenalber wären das sicher auch. Viele dort fühlen sich ganz praktisch mehr mit dem Albtal, Ettlingen und Karlsruhe verbunden.

Schon die Mönche wollten nach Baden

Ein Ziehen und gezogen werden gab es bereits, als das Kloster Herrenalb noch bestand. Dessen Schirmherrschaft wechselte 1338 von Baden zu Württemberg. Die Mönche selbst kündigten das 1496 wieder auf und wollten zu Baden! Für das Kloster endete der Streit mit einem Kompromiss. Nur der Besitz in Malsch und Langensteinbach wurde badischer Hoheit zugeschlagen. Herrenalb selbst blieb seitdem württembergisch geprägt.

Wenn es wirklich zum Kreiswechsel käme, könnten die Gegner ja per Autokennzeichen Flagge zeigen und künftig mit KA-LW umherfahren.

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