In weihnachtlicher Stimmung: Kundin Cornelia Hilse mit Martina Musler in deren Blumenladen
In weihnachtlicher Stimmung: Kundin Cornelia Hilse mit Martina Musler in deren Blumenladen | Foto: Patric Kastner

Adventskränze im Wandel

Spagat zwischen Tradition und Moderne

Ein rundes Geflecht aus Tannengrün, das mit Draht und einer Unterlage zusammengehalten wird, ein wenig Dekoration mit Tannenzapfen, getrockneten Früchten, kleinen Christbaumkugeln und vier rote Kerzen – so sieht ein Adventskranz aus. Denkt man.
Auch jetzt, zu Beginn der Adventszeit, werden wieder in vielen Häusern nach und nach die Kerzen am Kranz entzündet oder, je nachdem, legt man den Lichtschalter um. Denn auch LED-Leuchten haben mittlerweile ihren Platz dort eingenommen.

Viele Varianten

Ob rote, violette oder gar graue Kerzen, Teakholz oder Tanne, länglich oder doch eher rund, elektrisch oder nicht, längst ist die Debatte, welches Gesteck denn nun die heiße Phase der Weihnachtszeit einläuten soll, zu einer Stilfrage zwischen Tradition und Moderne geworden.
Ein Blick in einen Blumenladen: In dem von Martina Musler in Eggenstein stehen die Zeichen auf Weihnachten und Adventsschmuck. „Es muss nicht immer rund sein“, sagt sie und bringt ein sogenanntes Fries zum Vorschein, auf dem vier quadratische Kerzen thronen.
Das Geschäft mit den Gestecken laufe in diesem Jahr richtig gut, betont sie. Gut hundert Adventsleuchter seien im Vorfeld produziert worden. Doch die Auswahl richte sich immer stärker nach den Möbelstücken oder der Wandfarbe in einer Wohnung. Der Kranz als christliches Symbol sei längst zum Einrichtungsgegenstand degradiert worden, sagt sie. Auch die runde Form werde zunehmend von länglichen Gestecken abgelöst. Und einzelne Kerzen, die nicht in einem Gesteck zusammengefasst sind, seien ebenso im Trend.

Adventskranz wird zum Einrichtungsgegenstand

Gerade holt eine Kundin einen Kranz mit weißen Kerzen ab. Dieses Jahr seien Weiß, Grau, Crème oder Mint die richtungsweisenden Farben für den Advent. Im Laden von Martina Musler schaut sich auch Cornelia Hilse um und bleibt bei einem Weidenkranz mit petrolfarbenen Kerzen hängen.
„So einen habe ich auch mal für meine Tochter dekoriert“, betont sie. Auch in diesem Jahr hat die Leopoldshafenerin ihr Gesteck selbst zusammengestellt und setzt auf einen Kompromiss zwischen Altem und Neuem: rote Kerzen mit Moos in einer langen Schale. Martina Musler vermutet, dass viele Leute gar nicht mehr die Zeit hätten, die Kränze selbst herzustellen.
Allerdings gibt es auch Internetportale, die mittlerweile ganze Adventskranz-Bastelsets anbieten. Oft würden Kunden leere Schalen zum Aufarbeiten vorbeibringen, berichtet Mitarbeiterin Judith Petry, die im Hinterzimmer des Ladens an Blumenschmuck arbeitet.

LED-Licht oder Wachskerze?

LED-Lichter kommen für Martina Musler aber nicht infrage. „Die reichen nicht an ein normales Kerzenlicht heran“, sagt sie. Wachskerzen auf dem Kranz müssten selbstlöschend sein – diese hätten einen Hohlraum, in den der Kerzendocht nach dem Abbrennen hineinfalle.
Der Feuerwehrkommandant von Eggenstein-Leopoldshafen, Willy Nees, rät beim Anzünden der Kerzen zur Vorsicht. „Man sollte die Kerzen nicht unbeaufsichtigt brennen lassen“, sagt er. Die Kränze sollten auf einem festen Untergrund, einem Teller oder einer Steinplatte, stehen. Im Ernstfall sollte immer ein Eimer Wasser oder eine Löschdecke bereitstehen. Zudem gebe es Löschsprays.

Nicole Heckert im Gartencenter mit einem länglichen Adventsgesteck
Nicole Heckert im Gartencenter mit einem länglichen Adventsgesteck | Foto: Patric Kastner

Weihnachtlich geht es auch im Gartencenter Heckert zu. „Trendthemen bei den Adventskränzen sind in diesem Jahr erdige Farben“, sagt Nicole Heckert. Längliche Tabletts, auf denen die vier Kerzen angeordnet werden können, seien stark nachgefragt gewesen – man habe daher nachschmücken müssen. Das habe man nicht erwartet, wie sie betont. Die Kombination von eisblauen und grauen Kerzen auf den Gestecken sei ebenso im Kommen. Manche Leute würden sich im Gartencenter auch Anregungen holen, um zu Hause ihr Adventsgesteck zu gestalten. „Die Leute brauchen Impulse“, sagt Nicole Heckert.
Und wenn in 30 Tagen Weihnachten zu Ende ist, die Kerzen am Kranz abgebrannt oder der Lichtschalter ausgeschaltet ist, werden sich manche in spätestens zwölf Monaten wieder fragen, ob es nun rote, violette oder graue Kerzen sein sollen, oder ob ein längliches Gesteck oder eher ein rundes die Weihnachtszeit einläuten soll.