Noch ist es ein Provisorium: Das Nationalparkzentrum am Ruhestein. Für den Neubau sind Kosten von inzwischen bis zu 32 Millionen Euro veranschlagt.
Noch ist es ein Provisorium: Das Nationalparkzentrum am Ruhestein. Für den Neubau sind Kosten von inzwischen bis zu 32 Millionen Euro veranschlagt. | Foto: Bernd Kamleitner

Nationalparkzentrum

SPD rügt den Ex-Partner

Ex-Innenminister Gall (SPD): Kosten für Erschließung wurden vergessen

 

Ein Spur wilder soll die Natur im Nationalpark Schwarzwald werden. Eine Spur zu wild wird dagegen den Sozialdemokraten im Landtag die Entwicklung der Kosten für das geplante Besucherzentrum für das Schutzgebiet am Ruhestein an der Schwarzwaldhochstraße.

Seit gut zweieinhalb Jahren gibt es den Nationalpark im Nordschwarzwald zwischen Freudenstadt und Baden-Baden
Seit gut zweieinhalb Jahren gibt es den Nationalpark im Nordschwarzwald zwischen Freudenstadt und Baden-Baden. | Foto: Bernd Kamleitner

Die Genossen hatten den anfänglich im Nordschwarzwald umstrittenen Nationalpark zwischen Baden-Baden und Freudenstadt in der damals grün-roten Landesregierung vor gut zweieinhalb Jahren mit aus der Taufe gehoben. Jetzt hagelt es heftige SPD-Kritik am früheren Koalitionspartner: „Ganz offensichtlich klafft zwischen dem grünen Anspruch, Großprojekte kostensicher und kostentransparent durchzuführen, und der eigenen Wirklichkeit eine nicht zu übersehende Lücke“, tadelt der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Ex-Innenminister Reinhold Gall.
Wie von den BNN bereits berichtet, sind die Kosten für das geplante Vorzeigeprojekt am Ruhestein an der B 500 tatsächlich gegenüber den ursprünglichen Zahlen kräftig in die Höhe geschossen. Zuletzt bezifferte der grüne Umweltminister Franz Untersteller die Ausgaben für den Neubau mit knapp 32 Millionen Euro. Zuvor war dagegen nur von rund 20 Millionen Euro die Rede. Die Sozialdemokraten mutmaßen daher bereits über Mängel in der „Gründlichkeit der Planungen und des Projektcontrollings“, so Gall. Der SPD-Mann sorgt sich auch, dass „die inzwischen hohe Akzeptanz des Nationalparks durch grünes Missmanagement Schaden nehmen könne“. Eine parlamentarische Anfrage soll nun Licht in die Kostenangelegenheit bringen.

Finanzministerium: Risikovorsorge von 3,4 Millionen Euro eingeplant

Das Stuttgarter Finanzministerium bestätigt auf Anfrage die vom Kabinett inzwischen bewilligten Kosten von maximal knapp 32 Millionen Mark für das Besucherzentrum. Demnach liegt nach der ursprünglichen Kostenschätzung inzwischen eine konkrete Planung vor – mit Mehrkosten für den Bau, weil unter anderem der heimische Rohstoff Holz verarbeitet werden soll. Zudem räumt das Haus von Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) ein, dass rund vier Millionen Euro für die aufwändige Erschließung (Strom-, Gas- und Wasseranschluss) bislang nicht berücksichtigt waren. Nach Ansicht der SPD wurde dieser Posten schlichtweg vergessen. Ferner fallen weitere Kosten etwa für Parkplätze und einen ÖPNV-Haltepunkt an (rund zwei Millionen Euro). Außerdem wurde ein Puffer eingebaut: Eine Risikovorsorge (3,4 Millionen Euro) soll mögliche Baupreissteigerungen abdecken. Bei der SPD rechnet man schon mit weiteren Kostensteigerungen: Rund 37 Millionen „scheinen denkbar“, meint Fraktionsgeschäftsführer Gall.