Trauer in der Sporthalle: Die Pugilist-Mitglieder gedachten ihrer verunglückten Vereinskollegen.
Trauer in der Sporthalle: Die Pugilist-Mitglieder gedachten ihrer verunglückten Vereinskollegen. | Foto: Armin Herberger

Trauer beim Boxverein Pugilist

Video: Spendenaufruf für Unfallopfer aus Bruchsal

Von Armin Herberger

Der Verein hat gerufen, die Pugilisten sind gekommen. Bei einem Autounfall bei Bensheim waren in der vergangenen Woche zwei Mitglieder des Clubs, Marcel S. und Berivan T.,  ums Leben gekommen. Ein weiteres Unfallopfer, der Coach Abdul A.,  liegt noch mit Verbrennungen vierten Grades auf der Intensivstation. Daher startete das Präsidium den Aufruf, ins Gym zu kommen für eine Videobotschaft, die überregional zu Spenden aufrufen soll.

Frontal-Crash mit Lastwagen

Marcel S., Berivan T., und Abdul A. waren am Donnerstagmorgen der vergangenen Woche in einem Wagen bei Bensheim in Südhessen in Richtung Süden unterwegs. Nach Polizeiangaben war das Auto aus noch ungeklärter Ursache ins Schleudern geraten. Ein Lastwagen konnte nicht ausweichen und fuhr frontal gegen den Wagen, der in Brand geriet. Der Fahrer Abdul A. konnte noch schwer verletzt gerettet werden, für die beiden Beifahrer kam jede Hilfe zu spät. (Die Bruchsaler Rundschau berichtete.)

Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr stehen vor dem Wrack des verbrannten Pkw, in dem zwei Pugilist-Mitglieder starben.
Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr stehen vor dem Wrack eines Pkw. Foto: Jürgen Mahnke

Alle drei Insassen des Unfallfahrzeuges waren mit großer Leidenschaft bei Pugilist engagiert. Der tödlich verletzte Marcel S. war zuletzt als Bodybuilder erfolgreich und hatte in den vergangenen Jahren als Boxer mehrere Titel auf Landesebene gewonnen.

Zahlreiche Mitglieder folgen dem Aufruf ins Pugilist-Gym

Der Aufruf „Zusammenhalt! Nur gemeinsam sind wir stark genug“ zog weite Kreise, wie zu sehen war. Gedrückte Stimmung, wortlose Anteilnahme, keine Musik in der Trainingshalle, wo üblicherweise die Beats prasseln. Schnell wurde den Verantwortlichen klar: der ursprünglich geplante Platz vor den Treppenaufgängen wird nicht reichen, ein Umzug auf das Basketballfeld war notwendig. Dort stellten sich zunächst die Angehörigen auf, danach zogen, von drei Kameras gefilmt, Freunde und Vereinskollegen an ihnen vorbei und stellten sich dahinter auf. Schweigend, teils mit Kerzen in der Hand. Kein Ton war zu hören, was bei einer so großen Menschenmenge von rund 350 Personen immer unwirklich, bedrückend, aber doch passend wirkt. Schließlich brach das „Danke“ des Regisseurs die Stille, verhaltener Applaus kam auf – um wenigstens irgendetwas zu tun, um sich von den wässerigen Augen abzulenken. Im Foyer trugen sich viele ins Kondolenzbuch ein, hier eine Umarmung, dort ein Handschlag.

Suche nach Lkw-Fahrer

Das Video wird von einem Sprecher mit einem Spendenaufruf und mit Erinnerungsfotos versehen. Der Verein bemüht sich auch Kontakt aufzunehmen mit dem 57-jährigen Lkw-Fahrer, der noch vor Ort Rettungsversuche unternommen hatte.