Auch in Achern mussten Spielgeräte am Flüchtlingsheim in der Güterhallenstraße abmontiert werden.
Auch in Achern mussten Spielgeräte am Flüchtlingsheim in der Güterhallenstraße abmontiert werden. | Foto: Dominic Körner

TÜV-Vorschriften sorgen für Kopfschütteln

Spielgeräte an Flüchtlingsheimen abgebaut

Von Helmut Seller

Alle schütteln den Kopf, alle bedauern es – dennoch sehen die Verantwortlichen im Offenburger Landratsamt aus Haftungsgründen keine Alternative: Sämtliche von Helfern gespendeten Spielgeräte vor den Flüchtlingsunterkünften im Kreis müssen abgebaut werden. Eine TÜV-Überprüfung hat ergeben, dass keines der Geräte die strengen Vorschriften erfüllt, die für öffentliche Spielplätze gelten. Aktuell leben in den Ortenauer Flüchtlingsunterkünften 579 Kinder unter zehn Jahren.
Viele Spielgeräte, die im privaten Bereich bereits gute Dienste geleistet haben, wurden in den vergangenen Monaten über die ehrenamtlichen Einrichtungen an die Flüchtlingsunterkünfte gespendet oder teils auch neu angeschafft – zur großen Freude der Kinder. Für die aktuell 579 Kinder bis zehn Jahre sind sie eine wichtige Abwechslung im eher tristen Alltag. Bislang ging auch alles gut: Von etwaigen Unfällen oder Verletzungen ist laut Gabriele Schindler von der Pressestelle des Landratsamtes nichts bekannt.
Doch selbst wenn die Spielgeräte, meist aus dem Baumarkt, das Siegel „Geprüfte Sicherheit“ tragen, dürfen sie nicht eingesetzt werden. „Die Spielplätze an unseren Gemeinschaftsunterkünften gelten laut Gesetz als öffentliche Spielplätze – daher müssen strenge DIN EN-Normen eingehalten werden“, schrieb Ursula Moster vom Integrationsamt nun in einer Mail an die Flüchtlingshilfe-Einrichtungen.
Sämtliche Spielgeräte seien von einem TÜV-Fachmann überprüft worden mit dem Ergebnis, dass keines die Vorschriften erfülle. „Unsere Hausmeister mussten somit die Geräte abbauen und haben sie eingelagert.“ Die ehrenamtlichen Spender werden gebeten, mit ihnen Kontakt aufzunehmen und die Spielgeräte wieder abzuholen. „Es fällt auch uns schwer einzusehen, dass selbst an Flüchtlingsunterkünften diese hohen Anforderungen bestehen“, räumt Moster ein: „Doch die Haftungsfrage lässt uns keine andere Wahl.“ Laut Gabriele Schindler sehen die strengen Vorschriften für kommunale Spielplätze nicht nur die Einrichtung und sachgemäße Aufstellung vor, sondern auch die laufende Instandhaltung und eine jährliche TÜV-Überprüfung.
Derzeit hole das Landratsamt Angebote von zugelassenen Spielgeräten ein, um wenigstens an einigen Standorten wieder kleine Spielplätze einrichten zu können. Deshalb werden Ehrenamtliche auch gebeten, nicht in Eigeninitiative einen Sandkasten oder eine Schaukel zu besorgen und aufzubauen. „Ich sehe das ein“, zeigt etwa Carl-Otto Jaeschke vom Freien Netzwerk Ehrenamtlicher in Offenburg Verständnis für die Behörde. Das Versicherungs- und Unfallrecht sei leider so strikt geworden, dass das Landratsamt sich schützen müsse.