Leon Draisaitl
Leon Draisaitl spielt in der NHL für die Edmonton Oilers. | Foto: Jason Franson

NHL

Jungstar Draisaitl: Auf dem besten Weg zum Eishockey-Nowitzki

Edmonton (dpa) – Leon Draisaitl hat sich zu Beginn seiner NHL-Karriere eines der größten Ziele überhaupt gesetzt: Er will der Dirk Nowitzki des Eishockeys werden. Der 21-Jährige scheint Wort zu halten.

In seinem dritten Jahr in der nordamerikanischen Profiliga ist das deutsche Ausnahmetalent von den Edmonton Oilers auf dem besten Weg dorthin. Langsam, aber sicher nähert sich der Sohn des früheren Nationalspielers Peter Draisaitl dem sportlichen Niveau des deutschen Basketball-Superstars der Dallas Mavericks.

Beim 1:3 gegen Columbus ging Draisaitl ausnahmsweise mal leer aus. Ungewöhnlich für das größte deutsche Talent, das in dieser Saison endgültig den Sprung zum internationalen Star geschafft hat. Mit 26 Scorer-Punkten – 13 Tore und 13 Vorlagen – gehört Draisaitl derzeit zu den Top 16 in der NHL. Der 21-Jährige ist damit erfolgreicher als der russische Superstar Alex Owetschkin (21 Punkte), besser als die zu Jahrhundertspielern ausgerufenen Rookies Patrik Laine (Finnland/25) oder Auston Matthews (USA/22).

«Er ist richtig gewachsen und hat sich prächtig entwickelt. Er ist schussgewaltig, groß und stark, seine Übersicht überragend. Er ist jetzt ein selbstbewusster Mann», schwärmte Oilers-Trainer Todd McLellan von seinem Jungstar. «Ich bin beeindruckt von ihm, beeindruckt von seiner harten Arbeit. Er wird jeden Abend besser.»

Längst ist er mit seinem kongenialen Nebenmann Connor McDavid der Leistungsträger im einstigen Team des früheren Weltstars Wayne Gretzky. «Draisaitl ist der K.o.-Schlag der Oilers. McDavid weicht die Abwehr auf, der Deutsche vollendet», schrieb die kanadische Zeitung «Winnipeg Free Press».

Sollte «the german Gretzky» – wie Draisaitl ob seines gewaltigen Potenzials früh von den nordamerikanischen Medien getauft wurde – dieses Niveau halten, käme er am Ende der Saison auf einen Punktschnitt von jenseits der 70. Dies wäre ein deutscher Rekord, den sich bislang Jochen Hecht (2006/2007) und der aktuelle Bundestrainer Marco Sturm (2007/2008) mit je 56 Zählern teilen.

«Ich bin sehr selbstbewusst. Der Puck scheint das zu machen, was ich will», sagte Draisaitl über seinen erneuten Sprung. In seiner Rookie-Saison 2014/15 verkrampfte Draisaitl noch. Als bester Deutscher überhaupt wurde er im Draft zuvor an Nummer drei gezogen. Der Ehrgeiz, es sofort der Welt zu zeigen, war extrem groß. «Ich weiß, was ich kann, und probiere, täglich besser zu werden», sagte der Center damals. Nur es klappte nicht. Noch nicht.

Statt aufs NHL-Eis ging es für Draisaitl nach 37 Partien zurück ins Juniorenteam. Auch in der ersten Phase der Spielzeit 15/16 spielte er noch im AHL-Farmteam in Bakersfield, ehe er wieder in den NHL-Kader berufen wurde. In seinem ersten Spiel nach der Rückkehr erzielte er beim 4:3-Sieg gegen Montreal zwei Treffer, darunter auch das Siegtor. Seitdem ist er fester Bestandteil der Oilers.

«Ich habe ihn mir zur Seite genommen und gesagt: Sei der beste Spieler auf dem Eis, du musst nicht der zweitbeste sein», verriet sein Coach. Das Potenzial dafür hat Draisaitl. Vor allem auch dank seiner Leistungen hoffen die Fans in Edmonton nach Jahren voller Frust und deutlich verpassten Playoffs auf eine Renaissance. Das kanadische Team, in den Achtzigern fünfmal Stanley-Cup-Sieger, hat in dieser Saison gute Chancen auf die Playoffs.

Auch dank einer Team-Umstellung seines Trainers. McLellan schob Draisaitl zu Top-Scorer McDavid in die erste Reihe, seitdem läuft es deutlich besser. «Wenn er auf dem Eis läuft, mit dieser Größe und Geschick, ist das eine ziemliche Bedrohung für den Gegner», beschrieb der erst 19 Jahre alte McDavid, der mit 39 Scorer-Punkten die NHL in dieser Kategorie souverän anführt, seinen Mitspieler. Draisaitl bedankte sich artig beim jüngsten Kapitän der NHL-Historie: «Über ihn braucht man nicht sprechen. Er ist ein großartiger Spieler.»