Wildpark - durch Stadionneubau ersetzt?
So sieht das Stadion derzeit von innen aus. | Foto: jodo

Woche der Entscheidung für KSC

Noch offene Fragen beim Wildparkstadion

Es ist die Woche der Wahrheit für das neue Wildparkstadion. Am kommenden Sonntag tagt die KSC-Mitgliederversammlung, um letztlich über das städtische Angebot zum Bau eines Stadions zu entscheiden. Im Laufe der Woche wird mit einem Votum des Präsidiums gerechnet. Gestern Nachmittag trafen sich die KSC-Spitze und OB Frank Mentrup erneut zusammen mit dem eingeschalteten Mediator, IHK-Präsident Wolfgang Grenke. Ergebnisse des Gesprächs wurden noch nicht bekannt. Die BNN stellen nun dar, wo  noch die Knackpunkte liegen – und welche bereits in den vergangenen Wochen ausgeräumt wurden, beziehungsweise einem erfolgreichen Abschluss eigentlich nicht mehr im Wege stehen.

Ein zentraler Knackpunkt war die Frage, ob bei den Vergabeverhandlungen mit den ausgewählten Bauunternehmen ein Vertreter des KSC mit dabei sein kann. Hier hatte OB Frank Mentrup noch im Juli gesagt, dass dies gar nicht gehe. Die Stadt trage letztlich das Risiko, deshalb komme ein KSC-Vertreter nicht in Frage. Dies hatte KSC-Präsident Wellenreuther aber zur Bedingung gemacht – mit dem Verweis auf die Sachkompetenz des vom KSC ausgewählten Beraters Claus Binz. Hier hat man nach BNN-Informationen einen Kompromiss gefunden. Neben dem Architekten Matthias Schöner aufseiten der Stadt für das Frankfurter Architekturbüro Albert Speer und Partner und Claus Binz aufseiten des KSC wird ein noch auszuwählender Vertreter eines „erfolgreichen deutschen Stadionbetreibers“ in der „Beratungsgruppe“ mitwirken. Der KSC soll aber auch im Verhandlungsverfahren an den Gesprächen mit den Bietern bei technischen Fragen beteiligt werden, bei juristischen Fragen muss der KSC-Vertreter dann den Raum verlassen. Entscheidungen in Streitfragen müssten sich dann an der Wirtschaftlichkeit des neuen Wildparkstadions orientieren.

Auch die VIP-Tiefgarage unter der Haupttribüne ist in die Planung zurückgekehrt, aus der sie einmal eine Zeit lang auf Initiative der Stadt verschwunden war. Das Hauptargument des KSC ist die Exklusivität, da man von dieser Garage unabhängig vom Wetter direkt in den Hospitalitybereich gelangen kann. Für dessen Vermarktung ist dies laut KSC ein unschätzbarer Vorteil. Nun gibt es den Kompromiss, dass die Bieter diese Stellplätze „in, vor oder unter“ der Haupttribüne einplanen sollten. Geht dies nicht im Rahmen des Budgets, sind sie zu streichen oder müssten durch ein Investorenmodell realisiert werden. Auch bei der funktionalen Leistungsbeschreibung sind die Konflikte im Wesentlichen bereinigt, hier muss aber noch geklärt werden, wer den Ausbau der KSC- Geschäftsstelle im Wildparkstadion bezahlt.

Die Streitpunkte

Zum zentralen Streitpunkt und damit zu einem möglichen Scheidungsgrund zwischen KSC und Stadt sind inzwischen die Nebenkosten geworden.

Die Position des KSC: Änderungen am Vertragswerk durch die Stadt würden zu Mehrkosten von 1,5 Millionen Euro im Jahr für den Verein führen. Der KSC führt hier eine Übertragung der Grundsteuer an, die Wartung technischer Anlagen und Versicherungen sowie die Finanzierung der Einnahmeverluste während der Umbauzeit. Strittig sind zwischen KSC und Stadt auch die Kosten der Provisorien während der Umbauzeit.

Die Position der Stadt: Grundsteuer, Wartung und Versicherung seien Teil der abrechenbaren Nebenkosten nach Betriebskostenverordnung. Interessantes Detail aus den Verhandlungsrunden: Offenbar gab es noch vor den Sommerferien in dieser Sache einen Konsens zwischen KSC-Vizepräsident Georg Schattling, der dies genau so sah und der Stadt. Wochen danach kassierte der KSC bei einem Spitzengespräch diesen Konsens wieder ein. Ob dies mit zum Rückzug von Schattling aus der KSC-Spitze beigetragen hat, lässt sich spekulieren. Bestätigte Belege gibt es dafür keine.

Weiterer Kritikpunkt des KSC: Die Stadt habe einseitig in ihrem letzten Entwurf zum Pachtvertrag das Pachtobjekt verändert und auf die Außenflächen erweitert. Laut „Letter of Intent“ ist Pachtgegenstand der Baukörper Stadion, das Parkdeck Hospitality und die TV-Aufstellungsfläche. Dem habe die Stadt noch die Gästeaufstellfläche, Stadionumfeld, Steg und Entwässerung (Rückhalteanlage und Sammler) hinzugefügt. Dies würde laut KSC zu einer Erhöhung der Kosten bei einem Ankauf des Stadions durch den KSC führen. Die Rede ist von einem zweistelligen Millionenbetrag. Allerdings sind die Parteien in dieser Sache nicht so weit auseinander, dass ein Kompromiss hier nicht möglich wäre. Insgesamt müssen fünf Verträge von Stadt und KSC unterschrieben werden.

Dies sind der Pacht- und Betreibervertrag, der Kauf- und Erbbauvertrag, der Mietvertrag über die Freiflächen, der Entwicklungsvertrag (er regelt die Zusammenarbeit der Parteien während der Vergabeverfahrens, der Planungs- und Bauphase) und der Interimsvertrag während der Bauzeit. Hier gibt es eine Generalkritik des KSC: Sämtliche Verträge seien unvollständig und noch nicht unterschriftsreif. Die Stadt kontert dies so: Ständige Nachforderungen und Änderungswünsche des KSC würden dies verhindern.

Die Kosten

Wenn man alles zusammenaddiert, entstehen Gesamtkosten für das neue Wildparkstadion von 113 Millionen Euro. Davon sind 28 Millionen der Beitrag der Stadt für die Infrastrukturmaßnahmen im Umfeld. Das eigentliche Stadion soll 72,9 Millionen Euro kosten, für das Parkhaus sind 12,4 Millionen Euro angesetzt. Nach einem komplexen Pachtmodell soll der Verein in den kommenden Jahrzehnten einen Großteil dieser Summe zurückzahlen