20 Frauen nehmen am Deutschkurs in der Gemeinschaftsunterkunft im Pfinztaler Ortsteil Berghausenl teil. Kursleiterin ist Dagmar Elsenbusch.
20 Frauen nehmen am Deutschkurs in der Gemeinschaftsunterkunft im Pfinztaler Ortsteil Berghausenl teil. Kursleiterin ist Dagmar Elsenbusch. | Foto: Katja Stieb

Pilotprojekt in Pfinztal

Sprachkurs für Flüchtlingsfrauen mit Kindern

Maria protestiert lautstark. Gerade hat ihre Mutter versucht, sie an einer Erdbeere naschen zu lassen. Aber das halbjährige Mädchen verweigert die süße Frucht tränenreich. Maria lebt mit Eltern und Geschwistern in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) in Pfinztal-Berghausen. Die Familie ist aus Syrien geflohen und in Pfinztal angekommen. Maria ist schon in Deutschland geboren. Jetzt sitzen Mutter und Tochter gemeinsam mit anderen Frauen aus Syrien, dem Irak, aus Mazedonien und Eritrea im Schulungsraum der GU beim Deutschunterricht. Seit Anfang Mai findet dort ein Sprachkurs nur für Mütter statt. 20 Frauen treffen sich dreimal in der Woche für anderthalb Stunden und machen sich mit einer komplett anderen Sprache als der ihren vertraut.
Manchmal sind auch Babies wie Maria dabei. Kursleiterin Dagmar Elsenbusch hat dafür Verständnis, sie weiß aus ihrer Arbeit in der Flüchtlingshilfe wie eng die Familienverbände und wie sehr die Frauen Angelpunkte dieser Gemeinschaften sind. Die Pfinztaler Gemeinderätin und Kreisrätin war es auch, die diesen Deutschkurs für Mütter mit der vom Landkreis  Karlsruhe und der Volkshochschule des Landkreises  finanziert wird, ins Leben gerufen hat.

Landkreis und VHS sind mit im Boot

„Die Frauen haben einfach keine Zeit, Sprachförderung in Intensivkursen in Anspruch zu nehmen, wie es die Männer können“, sagt Dagmar Elsenbusch. Die Mütter haben zwischen drei und sechs Kinder, die können nicht einfach stundenlang weg sein und an ihrer Sprachkompetenz arbeiten.“ Sie habe für ihr Anliegen beim Landkreis erfreulicherweise offene Ohren gefunden.
Die in kurzer Zeit bei dem Sprachkurs erzielten Erfolge geben ihrer Initiative Recht. Es ist tatsächlich erstaunlich, wie schnell sich die Kursteilnehmerinnen dem deutschen Vokabular annähern. Ihre Muttersprachen sind arabisch, mazedonisch oder Afar. Eine Fremdsprache hat es bisher keine der Frauen auch nur ansatzweise gelernt. Jetzt können sie sich von Unterrichtstunde zu Unterrichtsstunde in ihrem neuen Leben immer besser verständigen.

Ausbildung ist alltagsnah

Das liegt sicher auch an der Art, wie Dagmar Elsenbusch den Unterricht gestaltet. Lebens- oder besser gesagt alltagsnah. Da wandert das bereits erwähnte Schälchen Beerenfrüchte durch die Tischreihen, nicht nur als obstgewordenes Anschauungsobjekt für das Wort „Erdbeere“, sondern auch zur Verkostung derselben. Weiter geht es mit Zahlen von eins bis Hundert „Wer geht denn einkaufen? Wer managt das tägliche Leben? Natürlich die Frauen. Also brauchen sie das Rüstzeug dazu,“ sagt Dagmar Elsenbusch.

Zertifikat für Grundkenntnisse

In dem Sprachkurs erwerben die Mütter das Zertifikat A1. Es bestätigt ganz einfache Sprachkenntnisse und entspricht der ersten Stufe auf einer sechsstufigen Kompetenzskala. Durch das Bestehen der Prüfung zeigen die Kursteilnehmer, dass sie sich auf einfache Art verständigen können (vorausgesetzt, dass die Gesprächspartner langsam und deutlich sprechen), und dass sie vertraute, alltägliche und häufig gebrauchte Ausdrücke und einfache Sätze verstehen und verwenden können (zum Beispiel Informationen zur Person und zur Familie, zum Einkaufen, zur Arbeit, zur näheren Umgebung).
Auf 100 Stunden ist der Kurs angelegt, mit Option auf Verlängerung. „Ich möchte, dass die Frauen die Möglichkeit haben, weiterzumachen“, wünscht sich Dagmar Elsenbusch und sie will sich dafür einsetzen, dass ihre Sprachschülerinnen auch in der Anschlussunterbringung in Pfinztal bleiben können. „Da kann ich sie dann auf ihrem Weg weiter begleiten.“