Die künstlerische Imitation der Metallskulptur von Josef Karl Huber an der Wand des Bahnhofs konnten Reisende am Samstag sehen.	Foto: Freymark
Die künstlerische Imitation der Metallskulptur von Josef Karl Huber an der Wand des Bahnhofs konnten Reisende am Samstag sehen. Foto: Freymark

Projekt am Bahnhof

Pforzheim als Kunstwerk inszeniert

Von Julia Freymark

Wohl die wenigsten Passanten werfen auf ihrem Weg durch die Bahnhofshalle einen Blick nach oben. Was sie dort sehen können, ist eine Metallskulptur von Josef Karl Huber mit dem Motiv „Goldstadt an der Schwarzwaldpforte“. Das Konstrukt aus dunklem Metall und Blattgold stellt Pforzheim mit seinen drei Flüssen Enz, Nagold und Würm dar.

Bahnhof in neues Gewand gehüllt

Die Pforzheimer Modedesignerin Eva Vogt hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Bahnhofsvorhalle in ein neues Kleid zu hüllen. Im Rahmen ihres Projektes „Ge-STADT-en Pforzheim – Wenn die Stadt ein Kunstwerk wäre“ fand am Samstagabend ein Fotoshooting in Kooperation mit dem Ballettensemble des Stadttheaters statt.

Kostüme interpretieren Flüchtlingssituation

Ein Teil des Shootings war die künstlerische Imitation der Metallskulptur an der Wand des Bahnhofs. Dafür hüllte die Designerin die Tänzer in blaue Kleider mit Tüllschleier, die die Flüsse darstellen sollten. Andere waren in goldene Lebensrettungsfolie gekleidet. „Die Kostüme sollen die Flüchtlingssituation interpretieren. Einerseits rettet die Folie Leben, aber andererseits ist das Material auch sehr zerbrechlich“, erläutert Vogt die Mehrdeutigkeit ihrer Mode.
Ehrenamtliche Unterstützung erhielt Vogt durch die Fotografen Bernd Hentschel und Winfried Reinhardt.

Ballettensemble engagiert sich beim Projekt

Auch acht Tänzerinnen und Tänzer des Ballettensembles am Stadttheater beteiligten sich engagiert am Projekt. „Es ist spannend zu sehen, wie Textilkunst und Bewegung sich gegenseitig beeinflussen“, beschreibt Eduardo Novelli das Projekt. Mode sei starr, doch durch die Kunst des Tanzes erhalte die Kleidung eine neue Individualität.
Auch Vogt beschreibt ihr Projekt als ein ständiges Wechselspiel zwischen „dem Normalen und dem Besonderen“, das durch alle Mitglieder beeinflusst und weiter entwickelt wird.
Die Fotos sollen keine Modeaufnahmen werden, sondern auf abstrakte Art und Weise Raum für Eigeninterpretation lassen. Der Künstlerin ist vor allem wichtig, ein Bewusstsein für die Besonderheiten des Bahnhofs hervorzurufen. So verbildliche „die Transparenz der Glasfront ein An- und Weiterkommen“, erklärt sie.

Bahnhof ist Anlaufpunkt

„Der Bahnhof ist Anlaufpunkt für viele Menschen auf ihrem Weg in die Welt und damit eine wichtige Station in Pforzheim“, so die Künstlerin.
Mit dem Thema „Goldstation“ benutzt die Künstlerin ein Wortspiel. „Das Thema soll die Stationen der Stadt beschreiben, aber auch die von jedem Einzelnen und den vielen Flüchtlingen, die in Pforzheim ihre Station gefunden haben“, erklärt Vogt.
Die Ergebnisse sollen im kommenden Jahr im Rahmen des Goldstadtjubiläums im EMMA-Kreativzentrum präsentiert werden.