Findige Nager: Ratten sind clever – und fressen alles. In Kehl und anderen Städten verbreiten sich die Tiere rasend schnell und profitieren vom Menschen.
Findige Nager: Ratten sind clever – und fressen alles. In Kehl und anderen Städten verbreiten sich die Tiere rasend schnell und profitieren vom Menschen. | Foto: Michaela Gabriel

Müllsünden begünstigen rasante Vermehrung

Stadt Kehl sagt Ratten den Kampf an

Sie sind Allesfresser, vermehren sich explosionsartig und können Krankheiten übertragen: Ratten werden in Kehl seit einiger Zeit vermehrt gesichtet. Der Betriebshof geht deshalb verstärkt mit Giftködern und Schädlingsbekämpfern gegen sie vor. Die Stadt fordert ihre Bürger in einer Pressemitteilung auf, ihren Müll ordentlich zu entsorgen – denn in Müllansammlungen auf der Straße und durch die Toilette entsorgtes Essen liegt der Keim des Rattenproblems.

Auch tagsüber Sichtungen

Besonders im Bereich der Fabrikstraße und des Rehfusplatzes sowie auf dem Marktplatz machen die Ratten den Anwohnern zu schaffen, berichtet Volker Schlenker, Leiter des Bereichs Ordnungswesen. Dort seien die Nager, die üblicherweise eher nachts aus ihren Löchern kriechen, auch tagsüber zu sehen, „und das ist ein Zeichen dafür, dass das Problem akut ist“, sagt er. Aber auch in anderen Stadtteilen seien Anwohnern den Nagetieren schon tagsüber begegnet, weiß Markus Spörl, Mitarbeiter des städtischen Betriebshofes, der seit knapp 15 Jahren immer mal wieder in der Rattenbekämpfung eingesetzt wird: „Eine Dame aus Sundheim hat vor Kurzem bei uns angerufen und berichtet, dass bei ihr eine Ratte in die Toilettenschüssel gekrochen ist“, erzählt er. Ein anderer Bürger habe die Betriebshofmitarbeiter alarmiert, nachdem sein Hund einen toten Nager angeschleppt hatte. Mehrere Anrufe haben den Betriebshof in den vergangenen Tagen erreicht.

Falsche Müllentsorgung

Die Hauptursache für die Überpopulation an Ratten, erklärt Schlenker, sei Müll, der falsch entsorgt wird. Manche Menschen schütteten Essenreste ins Klo und lieferten den Ratten, die in der Kanalisation leben, ihr Futter somit quasi direkt vor die Haustür. Gelbe Säcke, in welchen sich Essensreste befinden, lagerten teilweise tagelang auf der Straße – der Abfuhrdienst nimmt sie nicht mit, wenn sie falsch befüllt sind. Einige Leute stellten auch einfach ihren Restmüll auf die Straße, anstatt ihn in den dafür vorgesehenen Tonnen zu entsorgen.
Doch nicht nur der Müll, auch die Fütterung von Enten und Schwänen mit Brot locke die Nager an, weiß Markus Spörl: „Die Leute schmeißen teilweise ganze Baguettes ins Wasser. Das können die Enten nicht ganz essen – den Rest holen sich die Ratten.“

Köder gegen Ratten

Um den Nagern Herr zu werden, hat der Betriebshof ihn in den vergangenen Tagen mehrfach losgeschickt, um Köder mit Rattengift in den Abwasserkanälen zu verteilen. Auf Privatgrundstücke werden Schädlingsbekämpfer geschickt, wenn die Bewohner Ratten gesichtet haben. Stellenweise wird auch oberirdisch Gift ausgelegt, das in seiner Dosierung aber für Menschen nicht schädlich ist. Fressen die Ratten die Köder, gelangt ein Giftstoff in ihr Blut, der sich auch auf ihre Nachkömmlinge überträgt. Erst nach wenigen Tagen sterben sie. So soll es gelingen, die sich rasch vermehrenden Nager möglichst effektiv zu bekämpfen.

Allesfresser und Krankheitsüberträger

Ratten rufen bei vielen Menschen nicht nur Ekel hervor, sie können ihnen auch schaden. Sie fressen alles, auch Kot. Somit sind sie anfällig für Infektionskrankheiten, die sie auf den Menschen übertragen können. Außerdem graben sie sich überall dorthin durch, wo sie Nahrung vermuten und können dadurch sogar Straßendecken zum Einbrechen bringen. Markus Spörl hat Ähnliches schon selbst erlebt: In seinem Garten in Sundheim haben sich die Nagetiere Wege unter der Terrasse gegraben. An einer Stelle stürzte diese plötzlich unerwartet zusammen. „Die komplette Erde unter den Steinplatten war ausgehöhlt“, berichtet der Betriebshofmitarbeiter.