Ein ICE fährt am Rastatter Bahnhof vorbei. | Foto: Janke

Grund: Die Kostenexplosion

Stadt Rastatt will aus Sanierung aussteigen

Die Stadt will aus dem Bahnhofssanierungsprogramm aussteigen. Dies erklärte Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch gegenüber den Medien. Am Montag soll der Gemeinderat darüber entscheiden, ob er dem Vorschlag der Verwaltung folgt oder an den Sanierungsplänen festhalten will. In diesem Fall müsste sich die Stadt mit 3,8 Millionen Euro an den Kosten zur Herstellung der Barrierefreiheit beteiligen.

Enorme Kostensteigerung

Seit 2008 sei immer von etwa einer Million Euro die Rede gewesen, die von städtischer Seite für den Einbau von Aufzügen und die Sanierung der Bahnsteige investiert werden müsste. 2016 kam dann die Überraschung: 3,8 Millionen Euro soll die Stadt jetzt locker machen, so die Vorstellung der Bahn. „Bei 50 Prozent Kostensteigerung hätten wir das vielleicht noch geschluckt, aber 300 Prozent sagen mir, dass da was nicht stimmen kann“, so der OB. Er wolle keinen „Freibrief darauf ausstellen, dass wir womöglich 2022 einen barrierefreien Bahnhof haben.“

Sanierung könnte in weite Ferne rücken

Sollte der Gemeinderat der Empfehlung der Stadt folgen – was wahrscheinlich ist, hatten mehrere Fraktionen doch schon ihr Unbehagen über die enorme Kostensteigerung zum Ausdruck gebracht –, könnte ein barrierefreier Bahnhof wieder in weite Ferne rücken: Bei optimalem Ablauf hat die Bahn derzeit in Aussicht gestellt, dass die Bahnsteige 2022 über Aufzüge erreichbar sein könnten.

Steigt die Stadt aus dem Sanierungsprogramm aus, könnte die Bahn die Planungen bis 2021 in der Schublade verschwinden lassen. Dann erst ist sie nämlich gezwungen, einen Bericht über den Zustand der Barrierefreiheit an ihren Bahnhöfen abzuliefern. Zwar ist sie rein rechtlich verpflichtet, einen barrierefreien Zugang zu den Gleisen zu schaffen, doch sieht das Gesetz keine Frist dafür vor. Im schlimmsten Fall könnte es, so bestätigen OB Pütsch und Verkehrsamtsleiter Jürgen Matheis, bis 2031 dauern, bis Bahnreisende ohne Hürden auf die Rastatter Bahnsteige kommen.

Pütsch will Druck aufbauen

Damit es nicht so weit kommt, will Pütsch parallel zum Ausstieg aus dem Sanierungsprogramm Druck auf die Bahn aufbauen: „Wir wollen die anderen Kommunen, die derzeit in einem ähnlichen Stadium des Programms stecken, ebenfalls zum Ausstieg auffordern.“ Zudem hofft er, dass auch die Behindertenverbände Druck auf die Bahn machen und die Sanierung des Bahnhofs dadurch doch wieder greifbar wird. „Wir müssen einfach ein Zeichen setzen“, ist der OB überzeugt.
Den Bahnhofsvorplatz will die Stadt dessen ungeachtet baldmöglichst in Angriff nehmen. Auch hier soll eine barrierefreie Alternative zur Unterführung entstehen. „Das müssen wir jetzt losgelöst vom Bahnhof angehen“, so der OB. Denkbar wäre eine Ampellösung oder aber eine Aufzuganlage. Die Angelegenheit wird derzeit schon von Matheis und seinem Team bearbeitet. 2018, spätestens 2019 soll der Vorplatz dann barrierefrei sein. Dieses Vorhaben könnte die Stadt bis zu einer Million Euro kosten, so Matheis.