Die Karlsruher City zieht auch Kriminelle an. Gerade im Westen der Innenstadt hat die Zahl der Verbrechen zugenommen.
LICHT UND SCHATTEN einer Großstadt: In der auch abends belebten City, besonders ihrem westlichen Teil um die Kaiserstraße mit Europaplatz (oben), ist die Kriminalität nicht nur weiter realtiv hoch, sondern hat dort auch am stärksten zugelegt. | Foto: Sandbiller

Straftatenatlas ist verfasst

Stadtkarte zeigt Kriminalitätsgefälle

In der Innenstadt wurden im Vergleich der Karlsruher Stadtteile auch 2015 die meisten Straftaten verübt. Die Stadtverwaltung macht für diesen „Schwerpunkt krimineller Handlungen“ die hohe Dichte von Lokalen, Discos und Geschäften als Hintergrund aus. In der Kriminalstatistik folgen die Oststadt und die Weststadt, die Südweststadt und Mühlburg, die Südstadt und Durlach.

Räderklau im Westen

Die Oststadt ist zudem ein Schwerpunkt für den Diebstahl von Kraftfahrzeugen, während in der Südwest- und der Weststadt 2015 besonders viele Fahrräder gestohlen wurden. Die Einbrecher konzentrierten sich hingegen auf Häuser und Wohnungen in Stadtrandlagen. Am häufigsten wurde laut Stadtverwaltung 2015 in Durlach und Grünwinkel eingebrochen.

Atlas wird vorgestellt

Karlsruhe ist seit 301 Jahren kein weißer Fleck auf der Landkarte. Und die Kriminalität gehört seitdem zum Fächerstadtleben. Genauere Aufschlüsse über die (Un)sicherheitslage will jetzt die Stadtverwaltung dem Gemeinderat geben. Auf der Basis der vor einem halben Jahr veröffentlichten Kriminalstatistik der Polizei für 2015 legt sie jetzt den „Karlsruher Straftatenatlas“ vor. Am Dienstag, 8. November, wird der Hauptausschuss des Gemeinderats in öffentlicher Sitzung über das brisante Zahlenwerk ab 16. 30 Uhr im Großen Sitzungssaal des Rathauses informiert.

Differenzierung nach Delikten

Mit dieser nach dem Tatortprinzip gezeichneten Karte entsteht ein nach Stadtteilen differenziertes Bild der Sicherheitslage. Dabei weichen die Werte für die einzelnen Deliktgruppen oft stark voneinander ab. Das heißt: Die Innenstadt mag bei Nacht auf offener Straße ein relativ unsicheres Pflaster sein. Die Wohnungen aber sind dort verhältnismäßig vor den Einbrechern sicher.
Grünwinkel beispielsweise ist kein Viertel mit hoher Kriminalität. Die Einbruchquote ist aber dort recht hoch. Folglich hat der Kriminal-Durchschnittswert, also die Gesamtzahl der begangenen oder versuchten Delikte im jeweiligen Stadtteil nicht unbedingt Aussagekraft über die objektive Wirklichkeit, mit der die Einwohner leben, ganz unabhängig von ihrem ohnehin subjektiven Sicherheitsgefühl.

Statistik mit Schwächen

Zudem behält der durch den „Karlsruher Straftatenatlas“ verfeinerte Kripo-Bericht seine generellen Schwachpunkte: Zum einen enthält er weder Staatsschutz- und Verkehrsdelikte sowie Ordnungswidrigkeiten. Dagegen werden die von Zoll und Bundespolizei gemeldeten Straftaten mitgezählt.

Ohne Asylrechtsverletzungen

Um nicht eine völlige Verzerrung der Bilanz hinzunehmen, hat man die gewaltige gestiegene Zahl der puren Asylrechtsverletzungen im „Flüchtlingsjahr 2015“ herausgerechnet. „Die steigende Zahl von Flüchtlingen beeinflusste die Kriminalstatistik“, erklärt das städtische Amt für Stadtentwicklung. Die Fälle von unerlaubter Einreise oder unerlaubten Aufenthalts hätten sich in der Stadt der Landeserstaufnahmestelle (LEA) deutlich erhöht. Würde man diese Delikte nicht aus der Statistik für den Straftatenatlas nehmen, „wirkte sich dies unter anderem auf die Anzahl der Straftaten insgesamt sowie auf den Kriminalitätsquotienten aus“. Zur Klarstellung: Alle anderen von Flüchtlingen begangenen Delikte, also alles, wessen sich auch ein Deutscher in Karlsruhe schuldig machen kann, wurde natürlich bei der Atlas-Statistik der Stadt mitgerechnet.

Blick ins Dunkelfeld fehlt

Grundsätzlich „wird die Aussagekraft der Statistik dadurch eingeschränkt, dass der Polizei ein Teil der begangenen Straftaten nicht bekannt ist“, stellt die Stadt fest. Doch auch unabhängig von jenem „Dunkelfeld“, das die Ordnungshüter nicht in Blick und Griff haben, verzerren Veränderungen beim Anzeigeverhalten der Bürger oder besonders im Verhalten der Polizei die Atlasanalysen der Kriminalstatistiker.

Kontroll- und Ermittlungsdruck

So hängen doch die Deliktzahlen und damit auch deren Vergleich mit den Werten der Vorjahre gerade für einzelne Stadtteile auch sehr davon ab, wie stark die Polizei jeweils präsent ist, welchen Kontrollaufwand sie etwa in Neureut entwickelt und mit wie viel Einsatz sie in Durlach oder Oberreut Straftaten mit Ermittlungen nachgeforscht hat.
16,6 Prozent Steigerung
Auf diesen Grundlagen ergibt sich folgendes Bild: Die Zahl der registrierten Straftaten ist in Karlsruhe binnen fünf Jahren um 16,6 Prozent gestiegen. Bundesweit liegt Karlsruhe dabei ganz gemaß seiner Größe als 300 000-Einwohner-Stadt an 20. Stelle.

Mehr Diebstahl

Die Zahl der Diebstahlsdelikte haben in der Fächerstadt 2015 gegenüber 2011 um 38 Prozent zugelegt. Gar um 85 Prozent häufiger wurden Autos binnen der fünf Jahre aufgebrochen. Dagegen sind die Fahrraddiebstähle seit 2011 nur um 8,8 Prozent angestiegen, während beim Ladendiebstahl ein kriminelles Wachstum von 49 Prozent verzeichnet wird. Noch stärker schoss der Wert beim Taschendiebstahl mit einer Steigerung um 86 Prozent in die Höhe. Der Diebstahl ist die Kriminalitätsform, die Nichtdeutsche im Schnitt zu 69 Prozent begehen – beim Ladendiebstahl zu 73 Prozent, beim Taschendiebstahl zu 89 Prozent.

Weniger Einbrüche

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging im zweiten Jahr zurück, lag 2015 aber 33 Prozent über der von 2011.

Viel mehr Raub

Deutlich ist die Zunahme bei verschiedenen Raubdelikten: Überfälle auf offener Straße wurden 2015 gar in 73 Prozent mehr Fällen als 2011 von der Polizei registriert. Bei anderen räuberischen Aktionen beträgt die Steigerung 68 Prozent, beim Handtaschenraub 23 Prozent.

Weniger Sexualdelikte

Die Sexualdelikte gingen laut Polizei und Stadt um sechs Prozent zurück. Weniger Sachbeschädigung Auch Fälle von Sachbeschädigung wurden gegenüber 2011 um 15 Prozent weniger festgestellt.

Hoher Ausländeranteil

Der Prozentsatz nichtdeutscher Tatverdächtiger an allen Straftaten (Asylrechtsvergehen auch hier nicht mitgerechnet) lag 2015 in Karlsruhe bei 48,4 Prozent. Ein Großteil dieser Taten wurde laut Bürgermeisteramt von Ausländern ohne dauerhaften Wohnsitz in der Fächerstadt verübt.

Kripo zu den Stadtteilen

Die Straftaten sind ganz unterschiedlich über das Stadtgebiet verteilt: Für Palmbach werden von der Kripo nur 18 Delikte im Jahr angegeben, während sich die Verbrechen in der Kernstadt ballen Am stärksten hat die Kriminalität im Zeitraum von fünf Jahren bis Ende 2015 im Ostteil der City mit 85 und in Rintheim mit 68 Prozent zugenommen.

Es folgen in der Steigerungsrate Neureut und Mühlburg jeweils mit einem Plus von 34 Prozent sowie Oberreut und die Oststadt mit jeweils 25 Prozent mehr Straftaten. Auch Grünwettersbach mit 24, die Nordstadt, Beiertheim-Bulach und Hohenwettersbach liegen bei der Zunahme über dem Stadtschnitt von 16,6 Prozent Steigerung.

Dagegen weist die Statistik eine starke Entkriminalisierung für Stupferich aus. Im Bergdorf ging die Zahl der Straftaten binnen fünf Jahren um 38 Prozent zurück. Auch die ohnehin schon bei der Kriminalität schwachen Stadtteile Palmbach, Nordweststadt und Wolfartsweier sind mit rund 20 Prozent weniger Straftaten noch wesentlich sicherer geworden. ruh