Jüdische Kultur in der Ortenau
Offene Türen gibt es am Sonntag, 4. September, auch in der Offenburger Mikwe. Um 11 Uhr beginnt dort eine kostenlose Führung. | Foto: Christine Storck

Jüdische Kultur in der Ortenau

Stadtrundgänge und musikalischer Zauber

Um das europäische Judentum, seine Geschichte, Traditionen und Bräuche bekannter zu machen, findet am Sonntag, 4. September, in rund 30 europäischen Ländern der Tag der jüdischen Kultur statt. Auch im Ortenaukreis gibt es an diesem Tag Veranstaltungen, viele davon beziehen sich auf das Leitthema Sprachen. Unter diesem Motto werden die kulturelle Vielfalt der Ausdrucksformen und die unterschiedlichen Sprachen wie Jiddisch, Ladino und Hebräisch thematisiert.
Um die Sprache der Juden in Baden Anfang des 20. Jahrhunderts geht es in einem Vortrag von Friedel Scheer-Nahor um 17 Uhr in der Ehemaligen Synagoge Kippenheim. Der Vortrag der Geschäftsführerin der „Muettersproch-Gsellschaft“ in Freiburg trägt den etwas geheimnisvollen Titel „E aartlisch Malbisch“; andere Wörter jiddischen Ursprungs, wie „Ramsch“, „flöten gehen“ und „Schlamassel“ sind dagegen allgemein bekannt und Teil der Umgangssprache in der Region. Sie gehen zurück auf die Mundart, die früher von den Landjuden in Dörfern mit jüdischer Bevölkerung gesprochen wurde. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Führung durch Mikwe

Der Förderverein Ehemalige Synagoge Kippenheim blickt in diesem Jahr auf sein 20-jähriges Bestehen zurück. Inzwischen sei es gelungen, die Ehemalige Synagoge als Gedenkstätte zur Erinnerung an das einstige jüdische Leben in der Ortenau im öffentlichen Bewusstsein zu verankern, teilt der Verein mit.
Auch in Offenburg gibt es am kommenden Sonntag mehrere Veranstaltungen: In der Mikwe (Glaserstraße 8) bietet Marion Herrmann-Malecha um 11 Uhr eine kostenlose Führung an. Der Titel: „Die Offenburg-Mikwe – vom Bad zum Brunnen“. Im Salmen beginnt unter dem Motto „Die Musik ist ein Zauber“ um 17 Uhr ein Weltklassik-Konzert mit Luzia Borac am Klavier, das Alice Herz-Sommer gewidmet ist. Mehr Infos findet man unter www.weltklassik.de.
Am Gurs-Mahnmal in Lahr (Friedrich-Ebert-Platz) beginnt um 15 Uhr ein Stadtrundgang. Juliana Bauer wandert dabei mit den Besuchern „Auf den Spuren jüdischen Lebens“.
Auch in Hohberg-Diersburg wird ein Stadtrundgang angeboten. Er beginnt um 14 Uhr beim Rathaus und widmet sich den „Stätten der ehemaligen Gemeinde Diersburg“.

Offene Türen in jüdischem Museum

Im Jüdischen Museum in Emmendingen ist am Sonntag zudem von 11 bis 18 Uhr Tag der offenen Tür, und um 14 und 16 Uhr führt Rabbiner Yaakov Yosef Yudkowsky durch die Synagoge. Von 12 bis 18 Uhr werden im Simon-Veit-Haus Koschere Getränke und jüdisches Zopfbrot angeboten.
Der europaweite „Tag der jüdischen Kultur“ erinnert an die Beiträge des Judentums zur Kultur Europas in Vergangenheit und Gegenwart. An beiden Rheinufern zwischen Basel und Karlsruhe waren die Beziehungen zwischen den jüdischen Gemeinden und die Verbindung mit der regionalen Kultur stets sehr eng. Auf der elsässischen wie auf der deutschen Seite in Baden, Württemberg und Hohenzollern war bis zum 20. Jahrhundert das Landjudentum vorherrschend. Die religiösen jüdischen Bräuche wurden geachtet, wobei das jüdische Leben eng mit der Alltagskultur und den Landleben verflochten war. Bei aller Unterschiedlichkeit gab es über die Jahrhunderte hinweg eine wechselseitige Bereicherung in vielen Lebensbereichen.