Den Geologie-Park auf dem Merkur hat Wolfgang Kohler konzipiert.
Den Geologie-Park auf dem Merkur hat Wolfgang Kohler konzipiert | Foto: Bühler

Geologie rund um Baden-Baden

Steine erzählen Geschichte(n)

Es gibt Themen, die finden viele Menschen auf den ersten Blick nicht gerade aufregend. Das liegt natürlich oft an der persönlichen Ausrichtung oder schlicht und einfach am Desinteresse. Die Geologie gehört offensichtlich für viele zu diesem Themenkomplex. Viele junge Leute finden keinen Zugang zu ihr, weil sie die Abschnitte der Erdgeschichte in der Schule oft wie die Daten im Geschichtsunterricht einfach reinpauken mussten. Einer, der es hervorragend versteht, die Erdgeschichte mit Leben zu erfüllen, ist Wolfgang Kohler aus Baden-Oos.
Auf der Fensterbank in seinem kleinen Studierzimmer liegen schon die ersten versteinerten Zeugnisse der Erdgeschichte dicht nebeneinander gereiht. „Viele davon habe ich auch hier in der Region gefunden. Ich bin viel unterwegs in der Natur und hier in Baden-Baden ist ein wahrer Hot-Spot der Erdgeschichte. Hier kann man an den verschiedenen Aufschlüssen die Steine und Gesteinsformationen ganz klar den bestimmten erdgeschichtlichen Abschnitten zuordnen und man weiß dann so ziemlich genau, wie diese Steine und damit auch der Ort, an dem man sich gerade befindet, entstanden sind“, fängt Wolfgang Kohler an zu Sprudeln. Der pensionierte Angestellte der Stadt Baden-Baden kennt sich nach dem Studium von zahlreichen Fachbüchern, Tausenden Veröffentlichungen und etlichen Dissertationen und Diplomarbeiten bestens in der Materie aus. „Ich arbeite mittlerweile auch mit dem KIT in Karlsruhe zusammen“, lässt er nach einigen Nachfragen heraus. Wolfgang Kohler ist nach mehr als 40 Jahren intensivem Studium ein anerkannter Experte auf dem Fachgebiet Geologie. „Sagen wir lieber ich bin Hobby-Geologe“, gibt sich der in Baden-Oos wohnende agile 70-Jährige betont bescheiden.

Geologie-Pfad auf dem Baden-Badener Hausberg Merkur

Dass er sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen braucht, beweist zum Beispiel der anschauliche Geologie-Pfad auf dem Baden-Badener Hausberg Merkur, den er maßgeblich gestaltet hat. Nicht nur die fachlichen Erläuterungen stammen von Wolfgang Kohler. „Ich habe die entsprechenden Steine in der Umgebung im Stadtwald gesucht und gefunden. Das war je nach Gesteinsart nicht immer so einfach, aber ich hatte wie immer auch dabei ein wenig Glück“, schmunzelt er beim Anblick des Uralit -Monzonit-Porphyr auf dem Geologiepfad. Das ist ein Vulkangestein, das durch Schiefer durchgedrungen ist und hier extrem selten vorkommt.“ Recht aufwendig sei dann natürlich auch der Transport der großen Gesteinsbrocken gewesen, den das Forstamt Baden-Baden übernahm. „Manchmal ist das Transportfahrzeug deutlich in die Knie gegangen“, verrät er. „Die große Frage ist doch immer, was verraten uns die Steine und die Erden in unserer Umgebung. Bei genauer Betrachtung eröffnen sie uns einen ganz weiten Blick über Millionen Jahre zurück bis zu den Zeiten, in denen noch kein menschliches Leben auf dieser Erde existierte. Der Mensch besiedelt ja noch nicht so lange diesen Erdball. Es ist immer eine Frage der Perspektive. Aber wenn wir den Ablauf der Erdgeschichte in Monaten eines Jahres darstellen würden, dann wäre der Mensch im November und Dezember an der Reihe“, beschreibt Wolfgang Kohler wieder einmal mehr auf anschauliche Weise.
Der Schwarzwald, der sich immer noch jedes Jahr um weitere Zentimeter hebe und die Rheinebene, die sich wiederum zentimeterweise weiter senke, sind für Geologen hoch interessante Gebiete. Der Blick vom Merkur schweift über die markanten Berge in der Umgebung: Die Badener Höhe zur Linken, Laisberg gegenüber, dann der Iberg, die Waldeneck, der Fremersberg mit der Kurstadt davor, dann rechts der Hardberg mit dem Alten Schloss und schließlich die imposanten Battertfelsen. Eine interessante Erdgeschichte folgt der anderen, leidenschaftlich erzählt von Wolfgang Kohler.
Dabei explodieren ganze Berge und sinken wieder in die Tiefe, Gesteinsformationen kommen aus großer Tiefe nach oben und zerfallen wieder. Das komplette Gebiet verändert sich gravierend, es tauchen plötzlich auch schwüle dichte Urwälder, eisige Perioden, große Mammuts und ein ebensolches vollständiges Skelett bei Baden-Oos in der Rheinstraße sowie Meere mit Haien im Zeitraffer der vergangenen 500 Millionen Jahre vor dem geistigen Auge auf. Wolfgang Kohler schafft das auf dem Merkur in eineinhalb Stunden.