Entwicklungszentrum
Entwicklungszentrum | Foto: BNN

Großaufgebot in Oberderdingen

Steuerfahnder durchsuchen Zentrale der E.G.O.

Die Ermittler kamen mit einem Großaufgebot: Rund 150 Beamte der Staatsanwaltschaft und der Steuerfahndung haben die Zentrale des Hausgeräte-Zulieferers E.G.O. in Oberderdingen durchsucht und dabei Rechner und zahlreiche Akten beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung gegen 17 verantwortliche Personen des Unternehmens. Sie sollen zwischen 2005 und 2010 mutmaßlich Steuern in zweistelliger Millionenhöhe hinterzogen haben.

E.G.O.-Geschäftsführung: „Vorwürfe haltlos und unbegründet“

Gegenüber den BNN zeigte sich die Geschäftsleitung des Weltunternehmens überrascht von den Ermittlungen. Die erhobenen Vorwürfe gegen das Unternehmen halte er „für haltlos und völlig unbegründet“, erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung der E.G.O., Johannes Haupt. Erst vor kurzem sei eine umfangreiche turnusgemäße Betriebsprüfung durch das Finanzamt ohne Beanstandungen durchgeführt worden. „Um die Vorwürfe gegen das Unternehmen möglichst schnell umfassend widerlegen zu können, kooperieren wir natürlich bereitwillig und vollumfänglich“, kündigte Haupt weiter an. Im Vorfeld der Durchsuchung habe es keinerlei Anfragen durch die Behörden an die Unternehmensgruppe gegeben, teilte eine Sprecherin des Unternehmens mit. Zudem habe erst vor kurzem eine turnusmäßige Betriebsprüfung durch das Finanzamt stattgefunden.

Vorherrschendes Gesprächsthema in Oberderdingen

Die Aktion ist das beherrschende Thema im Ort. Und auch die meisten der gut 1 700 Beschäftigten am Standort Oberderdingen reden täglich darüber, zumal auch Privatwohnungen der Mitglieder der Geschäftsleitung in der Region betroffen waren. Im Unternehmen selbst sei die Belegschaft über einen Aushang am Schwarzen Brett informiert worden, berichten Mitarbeiter der E.G.O.. Darin sei klar die Haltung der Geschäftsleitung formuliert und zur betriebsinternen Ruhe aufgerufen worden. Weitere offizielle Informationen habe es nicht gegeben.
Dass die Ermittlungen „das Thema“ unter den Beschäftigten sind, hebt auch Eberhard Schneider, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Bruchsal/Bretten hervor. „Natürlich steht die Frage im Raum, welche Auswirkungen es auf den Standort Oberderdingen hätte, falls die Ermittlungen den Verdacht erhärten sollten. Dann müssten personelle Konsequenzen in der Chefetage her.“ Doch jetzt gelte es für die Beschäftigten, abzuwarten und kein Öl ins Feuer zu gießen, so Schneider.

Nowitzki hält Rufschädigung für bedenklich

Bürgermeister Thomas Nowitzki sieht die ganze Sache sehr kritisch: Das Unternehmen sei schließlich regelmäßig von „renommierten Wirtschaftsprüfern“ kontrolliert worden. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Verantwortlichen tatsächlich Steuern in Millionenhöhe hinterzogen hätten und gehe davon aus, dass sich das Unternehmen aktiv an der Aufklärung beteilige. Die Rufschädigung für das größte Unternehmen in Oberderdingen, das sich seit Jahrzehnten in der gesamten Region sozial engagiere, halte er für „bedenklich“, sagte der Oberderdinger Bürgermeister.

Homepage: www.egoproducts.com