Der Kölner Künstlers Gunter Demnig setzt Stolpersteine in der Bruchsaler Friedrichstraße.
Der Kölner Künstlers Gunter Demnig setzt Stolpersteine in der Bruchsaler Friedrichstraße. | Foto: Heintzen

Neue Stolpersteine in Bruchsal

Ein besonderes Stück Pflaster

An acht Standpunkten erinnert die Stolperstein-Aktion des Kölner Künstlers Gunter Demnig nun an 20 Bruchsaler Opfer von Verbrechen während des Regimes der Nationalsozialisten. Der Künstler hat das Projekt Stolpersteine 1997 ins Leben gerufen. Es ist mit mittlerweile über 56 000 Steinen mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern das größte dezentrale Mahnmal gegen Unterdrückung und Totalitarismus in Europa. In Bruchsal verlegte er bereits vergangenes Jahr in drei Straßen neun Steine, jetzt kamen nochmals elf dazu.

Ergreifende Erinnerungsstunde

Die Mikrofone im Vortragsraum des Augenzentrums in der Bruchsaler Fürst-Stirum-Klinik waren ausgeschaltet, die Musik des Quartetts Heike, Tobias und Vincent Scheuer sowie Christoph Lübbe verklungen. Jetzt kamen Hammer, Meißel und Spachtel zum Einsatz. Zum Beispiel auf dem Gehweg in der Friedrichstraße. Dort schuf Künstler Gunter Demnig Platz für ein ganz besonderes Stück Pflaster und verankerte einen so genannten Stolperstein in der Erde.

Im heutigen Anwesen Nummer 8, in unmittelbarer Nähe zur Geschäftsstelle der Bruchsaler Rundschau, lebten bis Anfang der 40er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts Alfred Anselm und Sofie Bär mit deren Mutter Fanny. Ihr grausames Ende fanden sie im Konzentrationslager in Auschwitz. „Wir wollen Einzelschicksale in den Vordergrund stellen“, hatte Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick bei ihrer Begrüßung betont: „Mit diesen Steinen können Namen gegenwärtig werden.“

Ein Stolperstein - ein Schicksal.
Ein Stolperstein – ein Schicksal. | Foto: Heintzen

Die Rathauschefin hatte eine zum Teil sehr ergreifende Erinnerungsstunde eröffnet. Zum zweiten Mal nach dem 19. April des vergangenen Jahres startete in Bruchsal eine Aktion der besonderen Art: die Verlegung von Stolpersteinen. Dabei werden individuell beschriftete Messingplatten auf Steinwürfeln in Bürgersteige eingelassen. Die „kleinen Mahnmale“, wie sie von OB Petzold-Schick bezeichnet werden, erinnern an Schicksale von Menschen, die durch das nationalsozialistische Regime und dessen Helfern verfolgt, ermordet, deportiert oder in den Selbstmord getrieben worden waren. Steinerne Zeugnisse dunkler Geschichte.

Ich denke, wir müssen uns daran erinnern,
um zu verstehen und dann zu begreifen

Zum Beispiel die Großtante von Deborah Boehm, Mathilde Prager, die einst in der Styrumstraße zu Hause war. Bei der Gedenkfeier im Vortragsraum des Augenzentrums äußerte sich die eigens aus den USA angereiste Boehm traurig, nachdenklich und in gewisser Weise dankbar. „Ich denke, wir müssen uns daran erinnern, um zu verstehen und dann zu begreifen“, sagte sie und ergänzte beim Gedanken an die Stolperstein-Aktion: „Ich hoffe, dass diese Bemühungen zur Aussöhnung führen und zum Wachsen und der Verbreitung einer neuen Moral, die alle Menschen respektiert.“

Schüler recherchieren Biografien

Anerkennend erinnerte die Oberbürgermeisterin derweil an das „private ehrenamtliche Engagement“ für das Projekt beispielsweise von Mitinitiator Rolf Schmitt oder an die Unterstützung der Bürgerstiftung der Stadt. Einen wesentlichen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte Bruchsals während der NS-Zeit leisteten aber auch die Schüler der achten Klasse des Justus-Knecht-Gymnasiums mit Lehrer Florian Jung, der an der Schule Geschichte, Deutsch und Mathematik unterrichtet.

Die Teenager haben geforscht und Biografien der Nazi-Opfer erstellt, die sie bei der Gedenkstunde in der Klinik in Wort und Bild vorstellten. Dazwischen sprachen Nachfahren der Ermordeten, die zum Teil aus den USA, der Schweiz und Frankreich angereist waren.

Die Standorte der Bruchsaler Stolpersteine:

  • Gutleutstraße 5: Oskar Bornhäuser
  • Styrumstraße 20: Wilhelm, Charlotte und Mathilde Prager
  • Friedrichstraße 8: Fanny, Alfred Anselm und Sofie Bär
  • Kaiserstraße 15: Bertha und Johanna Kahn
  • Bahnhofstraße 16a: Hedwig Oppenheimer und Berta Fröhlich
  • Wilderichstraße 23: Julius, Mathilde und Gustav Leopold Dreyfuß
  • Bismarckstraße 18: Fritz, Recha, Emmy und Ernst-Joachim Sicher sowie Adelheid Heß
  • Württemberger Straße 34: Walter und Lotte Jordan