Mit einer rollenden Kamera erfasst der Suchmaschinen-Konzern Google weltweit Panoramabilder von Straßen, Parks und Sehenswürdigkeiten. Aufnahmen aus der Fächerstadt sind weiterin offline.
Mit einer rollenden Kamera erfasst der Suchmaschinen-Konzern Google weltweit Panoramabilder von Straßen, Parks und Sehenswürdigkeiten. Aufnahmen aus der Fächerstadt sind weiterin offline. | Foto: Stringer

Google-Fahrzeug gesichtet

Street View: Karlsruhe bleibt ein weißer Fleck

Kameraautos der Firma Google sind derzeit in der Fächerstadt unterwegs. Ein User hat über das soziale Netzwerk Facebook aktuelle Bilder geteilt, die ein entsprechendes Fahrzeug in der Lameystraße vor einer Tankstelle zeigen.
Schaltet der Internetgigant den Panoramadienst Street View für Karlsruhe frei? Dies verneint Google-Sprecherin Lena Heuermann auf BNN-Anfrage. Ob Google überhaupt Karlsruher Straßen über Street View veröffentlicht, bleibe angesichts derzeitiger Datenschutzbestimmungen ungewiss. „Mit den Kamerafahrten wollen wir lediglich den Kartendienst Google Maps aktualisieren.“ Denn das Stadtbild sei in einem permanenten Wandel, gerade in einer Baustellenstadt wie Karlsruhe. Neue Straßennamen, ein neuer Kreisverkehr, zusätzliche Einbahnstraßen oder neue Geschäfte: dies dokumentieren Google-Mitarbeiter mit den Fahrten.

Datenschutz verhindert Street View

Bislang sind deutschlandweit nur Straßenansichten aus den größten 20 Städten in Street View freigeschaltet, die, Stand 2011, über 300 000 Einwohner haben. Die Fächerstadt war damals nicht in den Top 20. Seit fünf Jahren hat Google sein Straßenpanorama in Deutschland aus folgendem Grund nicht mehr aktualisiert: Vor der Freischaltung gab es 2010 Kritik von Datenschützern. Sie befürchteten Einschränkungen der Persönlichkeitsrechte. Zudem könnte der Panoramadienst für Einbrecher ein nützliches Hilfsmittel sein.
„In Deutschland haben wir deshalb Datenschutzbestimmungen wie in keinem anderen Land der Welt“, erklärt Heuermann. Während in anderen Länder bei Street View über einen Link Nutzer beantragen können, dass ihr Haus verpixelt werden soll, muss dies in Deutschland, so die Rechtslage, vor der Veröffentlichung der Panoramabilder geschehen. Daher ließ Google das Material vor dem Start manuell bearbeiten. „Die Fehlerquote war entsprechend hoch. Die Mitarbeiter verpixelten falsche Gebäude, die wegen fehlender Hausnummern nicht zu erkennen waren“, räumt Heuermann ein. „Der Aufwand stand nicht im Verhältnis zur Qualität“, so das Google-Fazit.

Mehrheit der Deutschen will Street View

Inzwischen bekommt der Konzern nach eigenen Angaben von Nutzern Anfragen, wann Street View für ganz Deutschland erhältlich sei. „Die Einstellung in der Bevölkerung wandelt sich“, meint die Google-Sprecherin.
Eine Umfrage des Vereins Selbstregulierung Internet-Wirtschaft ermittelte 2015, dass 80 Prozent der Internet-Nutzer Panoramadienste wie Street View nutzen. Zwei Drittel der Befragten wünschen sich eine flächendeckende Freischaltung solcher digitalen Kartendienste.
Während Straßenzüge in Ländern wie Frankreich oder in der Schweiz fast vollständig zu erkunden sind, bleibt Deutschland weiterhin größtenteils ein weißer Fleck in der Street-View-Welt.