Nah an der Stadt, ein kleiner Schwenk Richtung Westen oder die Südumgehung in größerem Abstand? Die Varianten zur Ortsumgehung Bretten werden seit langem heiß diskutiert.
Nah an der Stadt, ein kleiner Schwenk Richtung Westen oder die Südumgehung in größerem Abstand? Die Varianten zur Ortsumgehung Bretten werden seit langem heiß diskutiert. | Foto: Stadt Bretten

Lösung des Gordischen Knotens?

Studentische Arbeiten zur Ortsumgehung Bretten

Viele Ideen wurden bereits diskutiert, nun haben sich die Studenten der Hochschule Technik und Wirtschaft Karlsruhe im Detail dem Thema Ortsumgehung Bretten angenommen. Jeweils ein Semester lang beschäftigte sich eine Gruppe von vier bis sechs Studenten aus dem dritten Jahr des Studiengangs Bauingenieurwesen mit den Varianten Südumgehung, Westtangente und Bahnparallele.
„Zur Aufgabenstellung der fortgeschrittenen Studierenden gehörten die Bestandsaufnahme und Besichtigung vor Ort, die Variantenplanung und -bewertung sowie ein finanzieller Grobentwurf“, erklärte Christian Holldorb vom Institut für Verkehrsplanung und Infrastrukturmanagement der Hochschule. Dabei sei es allerdings nicht Sache der Studenten gewesen, eine der drei Lösungen mit den beiden anderen zu vergleichen, sondern nur jeweils Varianten eines Lösungsansatzes zu bewerten, betonte der Dozent.

Hier eine Visualisierung der Südumgehung:

Volle Reihen im Rathaus

Wie groß nach wie vor das Bürgerinteresse am Thema Umgehung ist, zeigten die vollen Reihen im großen Saal des Brettener Rathauses während der Präsentation der studentischen Arbeiten. Eine Frage- oder Diskussionsrunde war zur Verwunderung einiger Besucher allerdings nicht eingeplant. „Die B 294 ist mit rund 16 000 Fahrzeugen pro Tag hochbelastet“, so Holldorb zum Auftakt seines Vortrags. Eine Südumgehung könne eine Entlastung von 11 400 Fahrzeugen pro Tag bedeuten. Für Schwierigkeiten bei der Planung sorge das Umspannwerk sowie der Waldspielplatz und das FFH-Schutzgebiet am Rechberg. Vor der Wahl, das Umspannwerk zu untertunneln oder nördlich zu umgehen, tendierten die Studenten bei der Planung zur teureren Tunnelvariante, da diese einen größeren Abstand zur Bebauung bedeute. Die Kostenschätzung veranschlagten sie für die bevorzugte Variante auf 39 Millionen, ohne Tunnel auf 24,5 Millionen.

39 Millionen würde Südumgehung kosten

Für die Möglichkeit einer Bahnparallele zeigte der Student Martin Schippner anhand eines topografischen Querschnitts die im Vergleich zur Westtangente deutlich geringeren Höhenunterschiede auf. „Im städtischen Raum sieht da die Topografie wesentlich besser aus“, so Schippner. Deutlich zeigte sich auch der Unterschied im prognostizierten Entlastungsausmaß: Während die Westtangente laut Berechnungen rund 9 000 Fahrzeuge am Tag „ziehen“ könnte, beliefe sich der Wert bei einer Bahnparallele auf 14 600.
Drei Varianten spielten die angehenden Bauingenieure in ihrem Entwurf für die Option Westtangente durch: Eine komplette Untertunnelung sowie eine Variante mit einem Einschnitt (ebenso mit Tunnel) oder mit zwei Einschnitten. Großer Nachteil bei der Bahnparallele sei offensichtlicherweise die Nähe zum bebauten Gebiet, erklärte Schippner. Sie würde am Technischen Rathaus, den Flüchtlingsunterkünften und dem Park-and-Ride-Parkplatz vorbei laufen. „Von diesen Parkplätzen müssten sicher einige wegfallen“, so Schippner. Die Kosten beliefen sich hier, da kein Tunnelbau nötig sei, lediglich auf 15 Millionen Euro.

Nachteil Bahnparallele: Nähe zum bebauten Gebiet

„Bei der Möglichkeit der Westtangente ergibt sich im südlichen Verlauf durch den Einschnitt eine hohe Dammlage, wodurch zunächst keine Lärmschutzwand vonnöten ist“, stellte Schippner die Ergebnisse der dritten Projektgruppe vor. Anschließend folge ein Tunnel, der in eine abfallende Brücke übergehe. Den Anschluss an die Melanchthonstraße planten die Studenten über eine Ampelanlage. Den Knotenpunkt im Süden an der B 294 ebenfalls mit einer Kreuzung und per Lichtanlage zu lösen, habe allerdings aufgrund eines zu spitzen Winkels nicht funktioniert. Stattdessen sahen die Studierenden zwei abgeflachte Einmündungen zur B294 und zur K3568 vor. Ebenso wie die Südtangente schätzten sie die Kosten der Westtangente auf rund 39 Millionen Euro.

OB: Chancen für Umsetzung nicht schlecht

„Wie die Studierenden schön dargestellt haben, scheint eine Südumgehung die sinnvollste Variante zu sein – für eine runde Lösung werden wir aber noch viel Hirnschmalz vergießen müssen“, kommentierte OB Martin Wolff den Vortrag. Die Chancen, dass es irgendwann zu einer Umgehung komme, seien „nicht schlecht“: „Immerhin ist Bretten mit vordringlichem Bedarf im aktuellen Bundesverkehrswegeplan aufgeführt“, so Wolff. Es sei für die weitere Diskussion eine „gute Idee gewesen, die Studierenden einmal planen zu lassen.“