Provisorisch deckt Tobias Schwarz die Garageneinfahrt mit einer Plane ab. Die Wassermassen haben das Tor zerstört.
Provisorisch deckt Tobias Schwarz die Garageneinfahrt mit einer Plane ab. Die Wassermassen haben das Tor zerstört. | Foto: Farr

Remchingen: Erneut Starkregen

Sturzbachartig schießt die braune Brühe in die Keller

Und schon wieder hat ein Unwetter im Enzkreis großen Schaden angerichtet: Dieses Mal hat es Remchingen mit Schwerpunkt Wilferdingen getroffen. In der Nacht von Freitag auf Samstag schlafen die meisten Anwohner, als gegen 1.30 Uhr ein heftiges Gewitter mit Starkregen einsetzt. Innerhalb weniger Minuten dringt das Wasser in Keller und Garagen. Gerhard und Helene Schwarz bekommen anfangs gar nichts von Blitz, Donner und Regen mit, während die Nachbarn zu retten versuchen, was zu retten ist. Das Wasser ist da schon wie ein reißender Fluss durch die Buchwaldstraße gezogen.

Erster Gedanke: Strom abschalten

Schnell wirft sich Gerhard Schwarz etwas über, springt in seine Schuhe und steht kurz darauf vor seiner Garage bis zum Hals im Wasser. Sein Auto im Innern wird bis an die Decke gedrückt. Wenig später trifft Sohn Tobias ein. Sein erster Gedanke: Strom abschalten. Tobias Schwarz zieht seinen Vater aus der braunen Brühe, in der Garage steht das Wasser schon 1,10 Meter hoch, wenige Zentimeter unter der Steckdose. Gefahr und Leichtsinn sind die Worte, mit denen der 34-Jährige einen Tag später seine Gedanken beschreibt. Er stellt den Strom ab. Der Keller mit Heizraum und Werkstatt ist vollgelaufen, die Gefriertruhe schwimmt in Deckenhöhe und die Flohmarktkisten von Helene Schwarz, gefüllt mit Büchern, Schallplatten und anderen Kleinartikeln tauchen im Wasser – alles zerstört.

Überflutet wurde dieser Acker zwischen Wilferdingen und Nöttingen.
Überflutet wurde dieser Acker zwischen Wilferdingen und Nöttingen. | Foto: privat

Wie ein Sturzbach sind die Wassermassen durch die Straßen geschossen, so beschreibt Feuerwehrkommandant Marc Unger die Szenerie in der Buchwaldstraße und andernorts. In Wilferdingen bringen Anwohner die Kartoffelernte in Sicherheit, ein Gemüseacker ist so stark überschwemmt, dass die Kürbisernte wohl ausfällt. Zuerst geht eine Alarmmeldung bei Marc Unger ein, kurz darauf kommt es zu mehreren Folgealarmen.

Feuerwehr muss 34 Keller auspumpen

Zu diesem Zeitpunkt entschließt sich Unger, in der Feuerwehrzentrale zu bleiben und von dort die Einsätze zu koordinieren. Er ruft die Abteilung Süd (Darmsbach und Nöttingen) zur Unterstützung herbei und informiert Luca Wilhelm Prayon per SMS. Der Bürgermeister befindet sich auf einer Hochzeitsfeier in Lübeck. Die 26 Feuerwehrleute pumpen 34 Keller (30 in Wilferdingen, vier in Singen) aus, müssen bei einer Firma im Industriegebiet Gefahrgutbehälter sichern. Gegen 5.30 Uhr ist die Lage einigermaßen im Griff, die Einsatzkräfte ziehen sich zurück. Um 10 Uhr wieder Alarm: Im Kindergarten in der Wilferdinger Kirchstraße steht das Wasser 30 Zentimeter hoch.

Bei Starkregen ist der Schutz schwierig

Bei allem Schaden: Die Ausmaße des Unwetters sind nicht mit denen in Stein oder Ölbronn-Dürrn zu vergleichen, sagt der Remchinger Feuerwehrchef. Das Wasser kam nicht aus der Pfinz, sondern drückte aus den Straßenschächten nach oben, erklärt er. Die großen Mengen konnten nicht abfließen, die Kanalrohre waren voll. Hochwasserschutz hätte hier nichts genutzt, ist sich Unger sicher.
Dass keine Personen verletzt wurden, ist für Prayon die gute Nachricht. Am Montag trifft er sich mit Unger zur Lagebesprechung. „Flüsse und Hochwasser bekommen wir in den Griff“, sagt Prayon, „bei Starkregen ist der Schutz aber schwierig“. Nach dem Hochwasser vor drei Jahren informierte sich Prayon bei einem Experten über Schutzmaßnahmen. Das Kanalsystem sei gut, so das Fazit. „Bei diesen Wassermengen haben die Rohre aber keine Chance.“ Keine Chance auf Reparatur hat auch das Auto von Gerhard Schwarz – es ist sprichwörtlich abgesoffen.