Manege frei heißt es wieder beim Karlsruher Weihnachtscircus. Das Spektakel gastiert bis zum 8. Januar auf dem Messplatz an der Durlacher Allee. | Foto: Andrea Fabry

Karlsruher Weihnachtscircus

Lachen und Staunen im gelb-roten Zelt

Wenn alles schiefgeht, dann sind Komiker in der Manege

Irgendwie scheint schief zu gehen, was schief gehen kann: Das Trapez klemmt und hängt viel zu hoch. Beim Versuch, es mit einer Leiter zu erreichen, rutscht einer der Artisten ab, dann  tritt  ihm der Kollege auf die Hand – „autsch!“ – und auch in luftiger Höhe scheint bei den Kunststücken der Wurm drin zu sein.

Was in der Manege nach einer missratenen Nummer aussieht, ist die hohe Kunst der Unterhaltung: Richard und David Wolf pflegen als Kaskadeure eine der ältesten Artistik-Disziplinen: Mit Slapstick und artistischem Können erobert das russische Komiker-Duo die Herzen des Publikums beim Karlsruher Weihnachtscircus im Sturm.

Ausverkauft hieß es bei den ersten beiden Shows des Karlsruher Weihnachtscircus. Die Besucher waren begeistert.
Ausverkauft hieß es bei den ersten beiden Shows des Karlsruher Weihnachtscircus. Die Besucher waren begeistert. | Foto: Andrea Fabry

Zwei ausverkaufte Shows zum Auftakt

Das Manegenspektakel im 1 400 Besucher fassenden gelb-roten Chapiteau auf dem Messplatz ist  am Donnerstag (22. Dezember)  in die achte Saison gestartet. Die Familienvorstellung am Nachmittag und die Gala-Premiere am Abend waren ausverkauft – ein perfekter Rahmen.

Dennoch kämpften Artisten und der Gastgeber, die Romanza Circusproduktion aus Waldenburg im Hohenlohekreis, zunächst natürlich mit Lampenfieber, weil es die rund zweieinhalbstündige Show in dieser Zusammenstellung nur in Karlsruhe zu sehen gibt.

Die Publikumsreaktionen auf die Nummern zeigten aber schnell, dass das Team um den Romanza-Chef und ehemaligen Artisten Joachim Sperlich bei der Auswahl wieder ein sehr gutes Händchen bewiesen hatte.

Glücksgriff: Die Truppe Filinov gastiert mit ihrer doppelten Russischen Schaukel erstmals in Deutschland. Die waghalsigen Sprünge von Schaukel zu Schaukel haben Weltklasseformat.
Glücksgriff: Die Truppe Filinov gastiert mit ihrer doppelten Russischen Schaukel erstmals in Deutschland. Die waghalsigen Sprünge von Schaukel zu Schaukel haben Weltklasseformat. | Foto: Andrea Fabry

Atemberaubende Sprünge an der Russischen Schaukel

Das gilt vor allem für die Truppe Filinov, die die Zirkusmacher für die Deutschlandpremiere der spektakulären Nummer extra aus Moskau eingeflogen haben. Die achtköpfige Artistengruppe präsentiert atemberaubende Sprünge an der doppelten Russischen Schaukel. Wie die Herren und ihre einzige Dame von einem (Schaukel)Brett zum anderen springen, das hat Weltklasseformat,  und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die Truppe eine Einladung zum international wichtigsten Zirkusfestival in Monte Carlo bekommt.

Ihre Landsleute Richard und David Wolf haben die bereits in der Tasche: Das Duo wird im Januar von Karlsruhe direkt an die Côte d’Azur reisen.

Karlsruhe ist eine Top-Adresse für Zirkusfans

Unter Zirkusfreunden hat sich längst herumgesprochen, dass der Weihnachtscircus in der Fächerstadt nach  dem Programm in Stuttgart eine Top-Adresse im Land ist. In diesem Jahr halten vor allem Balance-Akte die Zuschauer in Atem.

Ren Yanan macht auf dem nur zwölf Millimeter dicken Schleppseil einen Kopfstand, fährt mit dem Einrad und stemmt noch einen Handstand auf einer Leiter – natürlich steht die auch auf dem Seil! He Yuan aus Peking rollt mit dem Einrad auf einer Kugel und schleudert mit dem Fuß unter anderem einen Löffel in eine Metallschüssel, die sie auf dem Kopf balanciert.

Körperkunst auf höchsten Niveau: Zhao Ling aus China kann ihren Körper so verbiegen als habe sie keine Knochen und auch noch mit bis zu sechs Kerzenhaltern balancieren.
Körperkunst auf höchsten Niveau: Zhao Ling aus China kann ihren Körper so verbiegen als habe sie keine Knochen und auch noch mit bis zu sechs Kerzenhaltern balancieren. | Foto: Andrea Fabry

Völlig ohne Knochen scheint ihre Landsmännin Zhao Ling zu sein. Sie formt Figuren, die anatomisch nicht für möglich gehalten werden. Dabei balanciert sie noch mit bis zu sechs Kerzenhaltern mit brennenden Lichtern – unglaublich und wunderschön! Meister der Ikarischen Spiele sind Los Hermanos Rodriguez aus El Salvador: Der „Untermann“ wirbelt mit seinen Füßen den sogenannten „Flieger“ durch die Luft.

Artistik auf höchsten Niveau ist zudem bei Flying Myga aus Lateinamerika angesagt. Das Quartett präsentiert unter der Zirkuskuppel in bis zu zwölf Metern Höhe eine klassische Flugtrapez-Show, bei der natürlich auch mal was schief gehen darf. Zum Glück gibt es ein Fangnetz!

 

Unter der Zirkuskuppel in zwölf Metern Höhe machen Flying Myga aus Lateinamerika ihrem Namen alle Ehre.
Unter der Zirkuskuppel in zwölf Metern Höhe machen Flying Myga aus Lateinamerika ihrem Namen alle Ehre. | Foto: Andrea Fabry

Bei den Clowns wird es feucht in der Manege

Feucht wird es in der Manege, wenn die Jose Michel Clowns aus Spanien auftreten – bei diesen Spaßmachern bleibt kein Auge trocken! Weil die angekündigten Kamele nicht nach Karlsruhe kamen, sind beim Weihnachtscircus heuer keine exotischen Tiere zu sehen. Franziska Micheletty-Folco mit ihren edlen Friesen und Miniponys sowie ihre Ziegen und Hunde lassen aber die Herzen derer höher schlagen, die finden, dass Tiernummern wie die Manege zum Zirkus gehören.

Bei den Jose Michel Clowns aus Spanien wird es feucht in der Manege - da bleibt kein Auge trocken.
Bei den Jose Michel Clowns aus Spanien wird es feucht in der Manege – da bleibt kein Auge trocken. | Foto: Andrea Fabry

Zum Karlsruher Weihnachtscircus gehören zudem das Live-Orchester und das Showballett mit Sängerin Charlin Sperlich, eine Nichte des Zirkuschefs. Seine Tochter Monika führt beim neuen Programm Regie – und mit Giovanni Biasini durch das hochklassige Programm.

 

"Merry Christmas" wünscht Sandmaler Khalil Valeev am Ende der rund zweieinhalbstündigen Show.
„Merry Christmas“ wünscht Sandmaler Khalil Valeev am Ende der rund zweieinhalbstündigen Show. | Foto: Andrea Fabry

Es wird von dem beendet, der aus fast schon poetisch begonnen hatte: Sandmaler Khalil Valeev zaubert ein Weihnachtsmotiv und „Merry Christmas“ in den Sand, nachdem er zum Auftakt auch das Karlsruher Schloss „gemalt“ hatte. Die Ergebnisse seiner außergewöhnlichen Kunst können die staunenden Zirkusbesucher auf einer Großleinwand verfolgen, auf die die Motive gut sichtbar projiziert werden.

 

Manege frei:  Der Weihnachtscircus gastiert noch bis zum 8. Januar auf dem Karlsruher Messplatz an der Durlacher Allee.
Vorstellungen: täglich 15.30 und 19.30 Uhr. Am Sonntag, 8. Januar, um 11 und 15.30 Uhr. An Heiligabend und am Neujahrstag ist spielfrei. Am Donnerstag, 29. Dezember, ist zudem eine bereits ausverkaufte Sonderveranstaltung.
Karten: täglich ab 10 Uhr an der Zirkuskasse auf dem Messplatz und unter Telefon +49 (7942) 7831622 und im Internet unter  www.karlsruher-weihnachtscircus.de.