Eher vor Gericht, denn auf den Straßen Pforzheims spielt sich das betriebliche Leben der Stadtverkehr GmbH ab. Vor dem Arbeitsgericht wehrt sich der Betriebs-Controller gegen die fristlose Kündigung
Eher vor Gericht, denn auf den Straßen Pforzheims spielt sich das betriebliche Leben der Stadtverkehr GmbH ab. Vor dem Arbeitsgericht wehrt sich der Betriebs-Controller gegen die fristlose Kündigung | Foto: Ehmann

Verdi glaubt an Finte

Pforzheimer SVP-Controller wehrt sich gegen fristlose Kündigung

Geht es um Arbeitszeitbetrug oder doch nur um eine Finte um einen widerspenstigen Mitarbeiter loszuwerden? Eine fristlose Kündigung wegen „wiederholten und erheblichen Arbeitszeitbetrugs“ hat der Stadtverkehr Pforzheim (SVP), gegen seinen langgedienten Controller ausgesprochen. Der wehrt sich vor dem Arbeitsgericht.
Beim gestrigen Gütetermin vor Arbeitsrichter Harald Schröter erklärte der stellvertretende Geschäftsführer der SVP, Axel Welslau, dass der fristlos gefeuerte Mitarbeiter manchmal schon am frühen Nachmittag seinen Rechner heruntergefahren habe, auf seinem Arbeitszeitblatt aber den Feierabend auf 18.30 Uhr notiert.

Entlassung wegen „Arbeitszeitbetrugs“

Der geschasste Controller, anwaltlich vertreten vom Leiter der Rechtsschutzabteilung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Carsten Scholz, betonte hingegen, das Berufsbild des Controllers sehe es gar nicht vor, rund um die Uhr am Bildschirm zu sitzen. Vielmehr sei er regelmäßig im Betrieb unterwegs. Bis zum Eintritt von Welslau in die Geschäftsleitung habe es nie Beanstandungen gegeben. Noch im Frühjahr habe man ihm ein „exquisites Zwischenzeugnis“ ausgestellt, sagte der Gekündigte. Überdies könne er für jeden infrage stehenden Zeitraum nachweisen, wo er dienstlich gewesen sei. Die Gewerkschaft sieht in den Vorwürfen gegen ihr Mitglied den Versuch, eine Zustimmung zur ebenfalls ausgesprochenen ordentlichen Kündigung zum Jahresende durchzusetzen.

„Exquisites Zwischenzeugnis“

Der Controller hat nämlich anders als die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten der zum Jahresende aufzulösenden SVP seiner Kündigung widersprochen und die angebotene Abfindung ausgeschlagen. Über diese ordentliche Kündigung wird vor dem Arbeitsgericht Anfang November verhandelt. Deutlich länger könnte sich der Streit um die fristlose Kündigung hinziehen. Welslau bot an, den Vorwurf des Arbeitszeitbetrugs zurückzunehmen, sollte der Controller die bereits angebotene Abfindung in Höhe von 13 000 Euro annehmen.
Doch der sieht sich im Recht und hält die Abfindung bei über 13 Jahren im Betrieb für nicht angemessen. Einig waren sich die Parteien nur in einem: Der Streit um diese fristlose Kündigung könnte zum längsten Verfahren im Auflösungsprozess der SVP werden. Darauf will es der Controller ankommen lassen.