Theater-Projekt Bruchsal Marktplatz Menschen Marktag
Das tägliche Leben der Menschen in Bruchsal - das ist der Stoff, aus dem Cornelius Danneberg sein Theaterstück gewoben hat. | Foto: Martin Heintzen (Archiv)

Dramen des Bruchsaler Alltags

Menschen von hier liefern Stoff für Theater-Projekt

Draußen scheint die Sonne gleißend hell, drinnen sind die Wände schwarz und karg. In der Mitte des Raumes in der Probenfabrik der Badischen Landesbühne steht ein weißes, würfelförmiges Gestänge, am Boden davor liegen lange Bahnen eng beschriebenen Packpapiers, dazu neonfarbene Notizzettelchen. Was noch sehr abstrakt aussieht, soll ab Ende September als Kulisse für die Alltagsgeschichten der Bruchsaler dienen – aufbereitet als Solo-Stück in einem Theater-Projekt von und mit Cornelius Danneberg.

Theater-Projekt von Cornelius Danneberg, Probenfabrik Bruchsal, "Zwischen Strom und Gestein"
Ein Würfel als Bühne: Cornelius Danneberg bei der Arbeit an seinem Stück „Zwischen Strom und Gestein“. | Foto: Karin Stenftenagel

„Ich kam nach Bruchsal direkt vom Schauspielstudium in Bern und musste noch mein Masterstück fertig machen“, sagt Danneberg. Da er während Utopolis schon sein Solostück ,Alles‘ gezeigt hatte, seien die Türen bei der BLB offen gewesen für eine Stückentwicklung, wie sie zum Abschluss seines Masterstudiums erforderlich sei.

Fänden auch wir ein reines, verhaltenes, schmales Menschliches, einen unseren Streifen Fruchtlands zwischen Strom und Gestein

„Zwischen Strom und Gestein“ hat Danneberg sein Stück betitelt, angelehnt an ein Zitat aus Rainer Maria Rilkes Duineser Elegien – den dort anklingenden Widersprüchen der menschlichen Existenz geht auch Danneberg auf die Spur. „Ich habe mich gefragt: Was passt zu meiner Situation, was passt zu Bruchsal?“, sagt der mit dem Förderpreis 2016 des Freundeskreises der BLB ausgezeichnete Schauspieler. Bei Spaziergängen durch Wohnsiedlungen sei ihm etwas aufgefallen: „Das sind richtige Privatheitsburgen: Die Leute gehen aus dem Haus, kommen mit dem Auto an, verschwinden sofort.“ Selbst Menschen in seinem Alter seien in Bruchsal bereits „angekommen“, nicht mehr in der Selbstfindungsphase, sagt der 33-Jährige. Ein starker Kontrast zu seiner eigenen Situation: Auf das Studentenleben in der Großstadt folgt ein mehr oder weniger ungewisses Künstlerdasein. „Ich wollte einfach wissen: Gibt es ein Drama im Leben, das eigentlich genau nicht dramatisch ist?“ Und so zog er los und fragte die Bruchsaler: „Würden Sie mir, möglichst genau, von Ihrem letzten Arbeitstag erzählen?“

Persönliche Erzählungen der Bruchsaler fließen in das Theater-Projekt ein

Und zu erzählen hatten die Bruchsaler einiges. Danneberg sammelte rund 25 Stunden Tonmaterial mit Geschichten ganz unterschiedlicher Menschen: Eine Verkäuferin von Baustoffen, eine Innenarchitektin, ein Mann in Elternzeit oder ein Wirtschaftsprüfer etwa ließen den jungen Theatermacher an ihrem Alltag und ihren Gedanken teilhaben. „Spannend ist, dass die Leute einen sehr unterschiedlichen Bezug zu Bruchsal haben“, sagt Danneberg. „Da gibt es den Dörfler, der nie so richtig rausgekommen ist, zugezogene Familien aller Art, aber auch so etwas wie eine Bruchsaler Bildungselite, die zum Studieren weg war, jetzt aber zurückgekommen ist.“

Wo entgleitet mir das eigene Leben?

Aus den persönlichen Erzählungen der Bruchsaler strickt Danneberg ein Theaterstück über die Dramen des Alltags. „Mich interessieren Konflikte: Wo wird es anstrengend, wo entgleitet mir das eigene Leben?“ Dem Verhältnis der Menschen zur Arbeit, zur Liebe und zu den Medien geht er auf die Spur. „Die Figuren in Filmen und Serien erleben ständig Extreme. Wird das für die Menschen zum Problem, wenn das eigene Leben ganz unspektakulär verläuft?“ fragt Danneberg. Auch der Bezug zur Heimat klingt in den Berichten der Bruchsaler an: Eine Figur würde depressiv werden, wenn sie nicht in Bruchsal leben könnte, eine andere leidet tatsächlich unter Depressionen – weil die Situation des Angekommenseins einengend wirkt.

Auch Bruchsaler Orte wie das Café Phoenix, der Boxverein Pugilist oder die Shoppingzonen in Bruchsal stehen auf dem auf Packpapier gebannten Szenenplan. Auf der Bühne wird Danneberg übrigens nicht ganz allein stehen: Der Musiker Ulrich Hartmann aus Mannheim und die Tänzerin Yalda Moinzadeh aus Ubstadt-Weiher gestalten das Stück mit. Judith Kriebel hat das Mentorat für die Stückentwicklung übernommen, die Teil von Dannebergs Masterprüfung ist. Das Bühnenbild hat Ines Unzer entwickelt. Über das Gestänge wird noch ein Netz aus Seilen gelegt, sodass sich der Würfel dreidimensional auf verschiedenen Ebenen bespielen lässt. Danneberg sagt: „Darin kann ich mich verheddern, wie man sich in einem geregelten Leben verheddern kann.“

Premiere
„Zwischen Strom und Gestein – Ein Solo-Abend über den Sinn und Unsinn unseres (Alltags-)Lebens“ von und mit Cornelius Danneberg wird am Freitag, 23. September, um 19.30 Uhr in der Profa uraufgeführt. Weitere Termine auf der Internetseite der Badischen Landesbühne unter www.dieblb.de.

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