Diese drei Kätzchen aus dem Pforzheimer Tierheim halten Ausschau nach einem Herrchen oder Frauchen.
Diese drei Kätzchen aus dem Pforzheimer Tierheim halten Ausschau nach einem Herrchen oder Frauchen. | Foto: Roth

Welttierschutztag

Tierheim Pforzheim will auf sich aufmerksam machen

„Viele wissen gar nicht, dass es in Pforzheim überhaupt ein Tierheim gibt“, sagt Nadine Reisacher, eine der Leiterinnen dieser Einrichtung Hinter der Warte 37. Für sie ist der am Dienstag, 4. Oktober, anstehende Welttierschutztag deshalb nicht nur ein Anlass, die Tiere in Schutz zu nehmen, sondern auch, auf sich aufmerksam zu machen. Es gebe keine spezielle Aktion an diesem Tag, aber natürlich die Möglichkeit, sich zu informieren.

Vorurteile aus dem Weg räumen

Und dabei wird Nadine Reisacher sicher auch die Gelegenheit ergreifen, das ein oder andere Vorurteil aus dem Weg zu räumen. „Zum Beispiel, dass man bei uns keine Tiere bekommt, wenn man älter als 60 Jahre und dann vielleicht auch noch berufstätig ist.“ Dieses Gerücht halte sich hartnäckig, dabei gehe es nur darum, beruflich stark eingespannten Menschen etwa keinen Hundewelpen an die Hand zu geben, der vor allem in der ersten Zeit viel Erziehung und Aufmerksamkeit braucht. Oder einem Senior, der schlecht zu Fuß ist, keine vierpfotige Renn-Maschine.

Der Mischling Bombalino ist ein liebenswertes Energiebündel, findet Tierheimleiterin Nadine Reisacher. Er sucht ein neues Zuhause.
Der Mischling Bombalino ist ein liebenswertes Energiebündel, findet Tierheimleiterin Nadine Reisacher. Er sucht ein neues Zuhause. | Foto: Roth

Katzen sind etwas unproblematischer. „Aber auch da schauen wir natürlich, dass ein Freigänger nicht unbedingt an einer stark befahrenen Straße untergebracht wird.“ Mit einem katzensicher eingezäunten Garten wiederum sei das ein anderes Thema. Und genau das will Nadine Reisacher vermitteln: dass man individuell schauen müsse. „Manchmal sind es nur Kleinigkeiten. Aber das Wohl des Tieres steht an erster Stelle.“ Besonders bei Hunden sei es allerdings schwierig für die Interessenten, den Blick auf einen anderen Tierheim-Insassen zu lenken. „Das ist sehr emotional, ich kann es auch irgendwo verstehen“, seufzt Nadine Reisacher.

140 Katzen leben im Tierheim

Die Zahlen der Insassen aufzuzählen ist fast müßig, die bewegen sich in den letzten Monaten fast immer auf dem gleichen Level. Werden ein paar Katzen abgeholt, kommen gleich wieder Fundtiere rein. Es miauen also immer etwa 140 Miezen im Tierheim, bei den Hunden sind es 60 Bewohner und bei den Kleintieren auch. Exoten wie Bart-Agamen finden schneller wieder ein Zuhause. „Unser Ziel ist es ja immer, dass das hier nur vorübergehend ist.“

Reisacher warnt vor Hundekauf im Internet

Zwei Probleme will Nadine Reisacher dann aber doch noch ansprechen: Die Menschen, die im Internet einen Hund aussuchen würden, der dann eventuell auch aus dem Ausland ungeimpft und für wenig Geld importiert wird. Landet der kleine Jauler dann beim Tierarzt und der stellt etwa fest, dass keine Impfung für Tollwut vorliegt muss der kleine Hund für Wochen in die Quarantäne ins Tierheim. Allein. In einen Zwinger. „Das kann fast nicht mit anschauen, das tut echt weh“, sagt Reisacher. Bei den Katzen gebe es mit verwilderten Geschwistern ein „sehr, sehr, sehr großes Problem“. Die würden zwar gefüttert, aber hätten mit den Menschen nicht viel am Hut. Das heißt, man kann die wilden Miezen nur am Kragen packen, kastrieren und wieder laufen lassen, um so der Population Herr zu werden. „Gerade habe ich einen Anruf aus der Gegend Maulbronn bekommen, wo 40 bis 50 verwilderte Katzen aufgetaucht sind. Das dauert natürlich, die alle einzufangen.“

Gassi-Geher helfen dem Tierheim Pforzheim

Man kann auch etwas für den Tierschutz tun, ohne gleich einen Kandidaten aus dem Tierheim mit zu nehmen. Als Gassi-Geher, indem man eine Pflegestelle auf Zeit für kranke Tiere oder Tiere, die stark leiden im Heim, anbietet. Und natürlich auch monetär. Denn das ist ein weiteres Vorurteil, das Nadine Reisacher schließlich noch aus dem Weg räumen will: „Wir sind kein städtisches Tierheim.“

Susanne Roth