Vor dem Holzfällerhaus wartet Regisseur Tobias Goldfarb auf Action. Die gibt es am Dienstag im Großen Haus, wenn das Western-Märchen „Die Goldene Gans“ Premiere hat.
Vor dem Holzfällerhaus wartet Regisseur Tobias Goldfarb auf Action. Die gibt es am Dienstag im Großen Haus, wenn das Western-Märchen „Die Goldene Gans“ Premiere hat. | Foto: Ehmann

Märchen als Western

Tobias Goldfarb inszeniert „Die goldene Gans“ in Pforzheim

Man stelle sich eine goldene Gans vor, an der immer mehr Menschen kleben bleiben, so dass schließlich eine lange Karawane durch eine Prärielandschaft zieht, begleitet von typischer Wildwest-Musik. Regisseur Tobias Goldfarb inszeniert das Grimm’sche Märchen im Pforzheimer Theater für Kinder ab fünf Jahren als Western (Premiere am Dienstag, 22. November, 9 Uhr, auch 11 Uhr).

„Grimms Märchen sind Familiengeschichten“

„Western sind eigentlich moderne Märchen“, erklärt der 42-Jährige einen für ihn nahe liegenden Kniff, die Geschichte mit Saloon, Holzfällerhaus und vielen Kakteen zu umrahmen. Im Märchen will jeder eine Feder von der goldenen Gans abhaben. Und im „Wilden Westen“ hat die Gier nach Gold einst den Goldrausch ausgelöst. Für Goldfarb war das die Geburtsstunde des Kapitalismus. Auch heute gehe es in Gesprächen selbst unter Kindern oft nur darum: „Was hast du, was habe ich.“
„Es gibt keinen Glauben mehr an Gott oder den Kommunismus. Geld ist der einzige Wert, der übrig bleibt“, sagt Goldfarb. Dass Glück jenseits davon zu finden ist, wird im Märchen „Die goldene Gans“ erzählt, ohne pädagogischen Zeigefinger. Es ist ein Familienmärchen. „Grimms Märchen sind eigentlich alles Familiengeschichten – mit disfunktionalen Familien würde man heute sagen“, erklärt Goldfarb.

 Macht der Träume siegt über Geldgier

Held ist der von seiner Familie und dem ganzen Umfeld verspottete „Dummling“ Till, der gar nicht dumm sondern reinen Herzens ist, weil er das Böse nicht kennt. Wichtige weibliche Identifikationsfigur ist die Prinzessin. Beide sind sie unglücklich, leiden unter ihren Familien: Hier der vernachlässigte Dummling, dort die Prinzessin im goldenen Käfig, die bedrängt wird, einen reichen Prinzen zu heiraten. Und beide träumen den selben Traum. Das Stück setzt dem Fluch des Geldes die Macht der Träume entgegen: In ihren Träumen begegnen sich Dummling und Prinzessin, und daher erkennen sie einander auch in der Wirklichkeit.

„Es ist leicht, Kinder zu unterfordern“

Goldfarb ist ein versierter Regisseur von bunten Kinderstücken und Autor von Kinderbüchern. Im vergangenen Jahr hat der gebürtige Bonner und Wahlberliner in der Goldstadt „Geschichten aus 1001 Nacht“ aufgeführt. Er weiß, wie seine jungen Zuschauer ticken. „Es ist leicht, Kinder zu unterfordern, aber fast unmöglich, sie zu überfordern.“ Selbst verschachtelte Handlungen stellen sein junges Publikum nicht vor Probleme, sagt er. Kinder seien viel besser imstande, auf schnelle, simultan auf sie einströmende Impulse zu reagieren.

Goldfarb inszeniert im Team

Goldfarb inszeniert seine Stücke im Team, meist mit seiner Frau Laura Quarg oder deren Zwillingsschwester Lisa. Partnerin bei der Pforzheimer Aufführung ist Lisa Quarg. Sie lege den Schwerpunkt auf ein sehr körperbetontes, bewegtes Theater, auf ein ans Tanztheater angelehntes Schauspiel. Er selbst komme eher vom Wort.
Die Goldene Gans wird sehr bewegt sein: Hinter der „lebendigen“ Gans steckt Claudia Lang. Es wird gesungen und getanzt. Schnelle Szenenwechsel geschehen in einer goldenen Wüste, zu der Beata Kornatowska den Bühnenboden verwandelt. Goldfarb verspricht sich vom bunten Farbenspiel auch, dass es das Publikum aus winterlicher Ödnis heraus in eine Oase der Wärme führt.
An hübschen, teilweise mobilen Requisiten wird nicht gespart: Aus dem Schnürboden wird ein glänzender Palast heruntergefahren, die Holzfäller-Farm, in der Dummling mit seiner Familie haust, kommt als rollendes Wohnmobil daher. Auch einen Saloon gibt es, wie es sich gehört für einen Spaghetti-Western.

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