Mit "Exodus" kommen die Ur-Väter des Thrash-Metal ins Substage: Die Band wurde 1981 gegründet.
Mit "Exodus" kommen die Ur-Väter des Thrash-Metal ins Substage: Die Band wurde 1981 gegründet. | Foto: Substage

Metal-Boom in Karlsruhe

Traumwoche für Langhaarschüttler

Wer’s auf Konzerten schnell, hart und laut mag, dem steht eine Traumwoche bevor: Innerhalb von nur acht Tagen steigen in Karlsruhe insgesamt vier Veranstaltungen, die jeweils die volle Metal-Dröhnung versprechen. Den Auftakt machen Gäste, die quasi direkt vom Wacken-Festival kommen, aber davor eine weitaus weitere Anreise hatten: Die Deathmetal-Band Overthrust, die am Samstag, 13. August, ab 22 Uhr im P8 (Pennsylvaniastraße 8) auftreten wird, kommt aus Botswana und gehört zur kleinen, hierzulande völlig unbekannten, aber rührigen Szene des südafrikanischen Staates. Leadsänger Tshomarelo Mosaka, im Hauptberuf Polizist (und eine enorm imposante Erscheinung), plauderte vorab im Pressegespräch mit den BNN über Herkunst und Historie der Band. Zum Metal kam er mit etwa 18 Jahren über zwei Onkel, die Fans von Bands wie Motörhead und Iron Maiden waren. „Irgendwann wollte ich dann mehr als nur zuzuhören“, sagt Mosaka – und räumt ein, dass seine Eltern zunächst alles andere als begeistert gewesen seien. „Dass wir Herzblut gezeigt haben und zunehmend Erfolg haben, hat sie dann aber doch stolz gemacht.“

 

Deathmetal aus Botswana bringt die Band Overthrust, hier beim Festival in Wacken fotografiert, nach Karlsruhe.
Deathmetal aus Botswana bringt die Band Overthrust, hier beim Festival in Wacken fotografiert, nach Karlsruhe. | Foto: dpa

Herzblut ist auch notwendig in der sehr übersichtlichen Szene Botswanas: Es gibt nur etwa 15 Bands, die ernsthaft diese Musikrichtung betreiben. „Wie wir müssen sie alle zwischen Beruf und Musik balancieren“, so Mosaka. „ Vom Metal kann in Botswana niemand leben.“ Um so größer war das Erlebnis, nun in Wacken beim weltgrößten Metalfestival aufzutreten: „Der Austausch mit Bands aus der ganzen Welt unter einem Dach war unvergesslich – und die Leute im Publikum lächeln sich alle einfach nur an!“ Sascha Brosamer, Veranstalter des Karlsruher Konzerts und Ausstellungsmacher im Kunstverein Letschebach (Durlach) erklärt: „Sie wurden vom Publikum in Wacken als Metalband ernst genommen und waren gerade nicht die Exotennummer, wie man es wegen ihrer Herkunft glauben könnte.“
Während Overthrust noch eine echte Neuentdeckung sind, kommen mit Exodus schon am Montag, 15. August, ab 20 Uhr gewissermaßen die Paten des Thrash Metal ins Substage. Am Schlagzeug sitzt mit Tom Hunting sogar ein Mitglied aus der Gründungsbesetzung von 1981 – seit der Reunion der mehrfach umbesetzten und von 1993 bis 2001 aufgelösten Band sind nach und nach Mitstreiter der frühen Jahre an Bord gekommen, darunter auch Sänger Steve Zouza. Im Gepäck haben die fünf Herren, die auch 35 Jahre nach ihrem Debüt stolz Lederkutte und Metalmähne zur Schau stellen, ihr zehntes Album „Blood in Blood out“.

Von Hardcore-Punk zu Doom-Metal führte der Weg von Neurosis.
Von Hardcore-Punk zu Doom-Metal führte der Weg von Neurosis. | Foto: Substage

Eine musikalische Entwicklung vom Hardcore-Punk zum Doom Metal liegt hinter Neurosis, die am Freitag, 19. August ab 20 Uhr im Substage den Reigen fortsetzen. Veranstalter ist in diesem Fall das Jubez, das die Räumlichkeiten des Rockclubs für diese Show nutzt. Chris Marmann, zuständig für die Bandbuchungen im Jubez, hat auch eine Erklärung dafür, warum ausgerechnet Vertreter des knallharten Gitarrenbretts das Sommerloch im ansonsten brachliegenden Konzertbetrieb stopfen: „Diese Bands machen zur Festivalsaison noch richtige Tourneen quer durch Europa, mit bis zu 30 Auftritten. Und wenn sie schon mal hier sind, suchen sie für die spielfreien Tage zwischen den Festivals gern weitere Auftritte“, erklärt Marmann. Im Pop-Bereich hingegen würden viele Acts speziell für Festivals ein- und wieder ausgeflogen. Außerdem sei die Fangemeinde von Metalbands meist ein sehr treues Livepublikum: „In der Festivalsaison ist da mitunter eine richtige Karawane unterwegs.“
Ein Selbstläufer seien Clubshows in der Ferienzeit dennoch nicht. „Da muss man schon deutlich mehr Werbung machen, auch über den Rhein hinweg – im Elsass gibt es für dieses Genre auch ein großes Publikum, das wir zu erreichen hoffen.“ Ob der Neurosis-Gig auch davon profitieren wird, dass im Kreativpark Alter Schlachthof, auf dem das Substage angesiedelt ist, tags darauf das „New Noise Festival“ stattfindet, darauf will Marmann nicht spekulieren: „Letztlich sind das unterschiedliche Zielgruppen – das ’New Noise’ hat jüngere Bands und ein jüngeres Publikum.“
Bei diesem Festival, das mittlerweile zum elften Mal stattfindet, sind am Samstag, 20. August, ab 17 Uhr (Einlass: 12 Uhr) insgesamt 29 Acts an drei Spielorten zu erleben: im Substage, der Alten Hackerei und der Fleischmarkthalle. Zu den angekündigten Top-Acts gehören Frank Carter & The Rattlesnakes, das Doom-Metal-Duo Mantar und die Poppunk-Formation State Champs. Und wer beim Konzerthopping – alle drei Locations werden parallel bespielt – mal kurz die Ohren lüften will, kann dies bei der Songwriter-Bühne im Biergarten tun.