Die Bühlerhöhe ist Ziel einer Exkursion im Rahmen der trinationalen Architekturtage am Oberrhein.
Die Bühlerhöhe ist Ziel einer Exkursion im Rahmen der trinationalen Architekturtage am Oberrhein. | Foto: Ulrich Coenen

Architekturtage am Oberrhein

Bühlerhöhe war blitzschnell ausgebucht

Gerade ist der Startschuss für 16. trinationalen Architekturtage am Oberrhein gefallen. Mehr als 200 Veranstaltungen in 24 Städten stehen bis zum 28. Oktober in Baden, dem Elsass und Basel auf dem Programm. Sie wenden sich vor allem an interessierte Laien. Veranstalter ist „Das europäische Architekturhaus“ mit Sitz in Straßburg. Diesem Verein gehören unter anderem der Bund Deutscher Architekten (BDA) und die Architektenkammer Baden-Württemberg an.

Exkursion zum Schlosshotel Bühlerhöhe

Bühl beteiligt sich zum insgesamt dritten Mal, wie Oberbürgermeister Hubert Schnurr, ein gelernter Architekt und Stadtplaner, nicht ohne Stolz konstatierte. In der Großen Kreisstadt startet das Programm, das in diesem Jahr unter dem Motto „Perspektive Architektur“ steht, am Freitag, 7. Oktober,  mit einer seit vielen Wochen ausgebuchten Exkursion zum Schlosshotel Bühlerhöhe, das normalerweise für die Öffentlichkeit gesperrt ist (wir berichteten). „Wir hätten die Veranstaltung das ganze Jahr über jede Woche anbieten können“, berichtete Oliver Kunz von der Abteilung Baurecht der Stadt Bühl, die für Denkmalpflege zuständig ist. „Das Postfach ist angesichts der gewaltigen Anzahl von Bewerber-Mails geradezu übergequollen.“
Exkursion und ein Vortrag vor Ort stehen unter dem Motto „Vergangenheit und Zukunft einer Architekturikone“. Es wird also nicht nur um die Baugeschichte der Bühlerhöhe, sondern auch um Konzepte zur Weiterentwicklung des seit sechs Jahren leer stehenden Kulturdenkmals gehen.

Gemeinsame Pressekonferenz

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz stellten Mitarbeiter des „Architekturhauses“ und der Stadt das Bühler Programm der Architekturtage vor. Anne-Lena Klüners, die Koordinatorin des Festivals, berichtete, dass die Veranstaltungsreihe im vergangenen Jahr insgesamt 55 000 Besucher hatte. „Mit Kehl und Mannheim gibt es zwei Städte auf deutscher Seite, die dieses Mal erstmals mitmachen“, sagte sie. „Es macht viel Spaß, dabei zu sein“, ergänzte Corina Bergmaier, Leiterin der Stabstelle Wirtschaftsförderung und Baurecht im Bühler Rathaus. „Die Themen sind in jedem Jahr sehr offen und werden aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachtet.“

Führung durch das sanierte Rathaus

Wie die Exkursion zur Bühlerhöhe am kommenden Freitag, ist auch die Führung durch das sanierte Bühler Rathaus am 14. Oktober um 14.30 Uhr bereits ausgebucht. Bauherr Hubert Schnurr und Architekt Ranno Timmermann führen durch das denkmalgeschützte Gebäude. „Das Rathaus ist so weit fertig, dass man es zeigen kann“, erklärte Schnurr. „Es gibt nur noch einige Kleinigkeiten zu regeln. Wir sind stolz, das Bauwerk präsentieren zu können.“ Die offizielle Eröffnung für ein breites Publikum ist aber erst nächsten Frühjahr im Rahmen eines „Bühler Samstags“ geplant. Dann soll es einen gemeinsamen Tag der offenen Tür für die Rathäuser I und II geben.

Autorenlesung von Andreas Hillger

Ein Höhepunkt der Architekturtage ist die Autorenlesung von Andreas Hillger am 19. Oktober um 19.30 Uhr in der Mediathek. Der Kulturjournalist und Schriftsteller liest aus seinem ersten Roman „Gläserne Zeit“. Das Buch über das legendäre Bauhaus, das in Hillgers Heimatstadt Dessau in den 1920er-Jahren die Architektur und das Design revolutionierte, ist 2013 erschienen. Das Werk gibt einen ausgezeichneten Einblick in den Betrieb dieser völlig neuartigen Hochschule. Der Autor verknüpft das Leben einer Designstudentin, eines Architekturstudenten und eines unwesentlich älteren wissenschaftlichen Mitarbeiters mit den historischen Größen dieser Zeit, allen voran Bauhaus-Direktor Walter Gropius. Vor dem Hintergrund einer Liebesgeschichte, einer gewagten Menage à trois, breitet der Autor das Panorama der Weimarer Zeit in Dessau aus. Hillger verwebt die tatsächlichen historischen Ereignisse einfühlsam mit dem Leben seiner erfundenen Gestalten, die so echt erscheinen, dass der Leser ständig mitfiebert. Eine wichtige Rolle spielen die Einflüsse der Politik, insbesondere die nationalsozialistischen und kommunistischen Tendenzen, die die beiden Männer immer mehr in ihren Bann ziehen.

Baukultur im Blickpunkt

Neben den drei exklusiven Bühler Programmpunkten gibt es bei den „Architekturtagen“ zwei weitere Angebote. Eines ist die grenzübergreifende Wanderausstellung, die nach dem Start in Baden-Baden ab Donnerstagabend, 6. Oktober,  in der Schalterhalle der Volksbank in Bühl zu sehen ist. OB Schnurr wird sie um 18 Uhr eröffnen. Insgesamt tourt die Schau durch zwölf Städte. „Die 38 ausgewählten Projekte aus dem Oberrheingebiet werden neben der Ausstellung auch in der dritten Auflage unseres jährlich erscheinenden Ausstellungskatalogs mit dem Titel Blicke auf die Architektur aufgeführt“, erklärte Anne-Lena Klüners.

Schüler planen Häuser

Außerdem gibt es wieder einen Schülerwettbewerb. Aus Bühl nehmen verschiedenen Klassen der Carl-Netter-Realschule und des Windeck-Gymnasiums teil. „Das wichtigste ist nicht der Modellbau, es geht mehr um die Ideen“, sagte Klüners. „Aber auch die handwerklich-künstlerische Umsetzung ist von Bedeutung, besonders in den älteren Klassen. Unser Anliegen ist es, das Bewusstsein für Baukultur zu stärken und für unsere bauliche Umgebung zu begeistern.
Die Arbeiten werden vom 17. November bis 2. Dezember in der Mediathek und vom 5. bis 17. Dezember in der Schalterhalle der Sparkasse ausgestellt.