Eine Fränkische Landgans begutachten (von links) Züchter Kurt Kraus, Wertungsrichter Friedhelm Schweickert, Andreas Arnold, Vorsitzender der Königsbacher Kleintierzüchter, und Geflügel-Richter Ulrich Rohrmus. Bilder wie dieses wird es auch an den kommenden Wochenenden bei Lokalschauen in der Region geben.
Eine Fränkische Landgans begutachten (von links) Züchter Kurt Kraus, Wertungsrichter Friedhelm Schweickert, Andreas Arnold, Vorsitzender der Königsbacher Kleintierzüchter, und Geflügel-Richter Ulrich Rohrmus. Bilder wie dieses wird es auch an den kommenden Wochenenden bei Lokalschauen in der Region geben. | Foto: ufa

Geflügelschauen finden statt

Trotz Vogelgrippe: Es darf gackern und gurren

Es gackert, gurrt und kräht wieder in einigen Kleintierzucht-Vereinsheimen im Enzkreis. Bereits an den vergangenen Wochenenden präsentierten Züchter in Königsbach und Stein ihre prächtigsten Exemplare, ab heute können Kaninchen und Geflügel verschiedener Rassen und Farbenschläge sowie Ziergeflügel wie Wachteln zum Beispiel bei der Lokalschau in Wilferdingen bestaunt werden. Ob das Federvieh von den Schauen ausgeschlossen wird, war bis zuletzt ungewiss. Nachdem das Verbraucherschutz-Ministerium am Donnerstag eine Stallpflicht für Geflügel angeordnet hatte, meldete sich jetzt das Veterinäramt des Enzkreises zu Wort: Verboten sind in Pforzheim und im Enzkreis ab sofort Börsen und Märkte, bei den Geflügel verkauft oder ausgestellt wird. Ausnahme: Lokale Geflügel- oder Vogelausstellungen durch ortsansässige Kleintierzüchter können stattfinden – sofern diese in geschlossenen Räumen veranstaltet werden, so das Veterinäramt.

Aufatmen bei lokalen Kleintierzuchtvereinen

Das Aufatmen vieler Züchter, die mitten in den Vorbereitungen der Lokalschauen stecken, ist groß. „Es wäre eine Katastrophe gewesen, wenn die Schau nicht stattfinden dürfte“, sagt Heinz Müller, Abteilungsleiter Geflügel bei den Kleintierzüchtern und Vogelfreunden Remchingen. „Wir haben ja schon seit Wochen alles organisiert und Essen bestellt.“ Müller hält selbst 15 Hühner und sieht die Stallpflicht kritisch: Plötzlich sollen die Tiere in enge Käfige gepfercht werden, es gebe eine Rangordnung, da seien Verletzungen unter den Hühnern nicht auszuschließen. „Manche haben für Weihnachten Gänse, die wissen nicht, ob sie die bis kurz vor dem Fest halten können“, sagt der Züchter.

Wussten nicht, wie es weitergeht

Seit einigen Tagen verfolgt Marcus Bäuerle das Thema „Geflügelpest“. „Wir wussten zunächst nicht, wie es weitergeht“, sagt der Vorsitzende des Kleintierzuchtvereins Z 260 Ölbronn. Aus Sicht des Vereins kommt das grüne Licht aus dem Landratsamt gerade noch rechtzeitig: Am 20. November stellt der Verein seine schönsten Tiere aus. Bäuerle selbst besitzt 80 Hühner, die normalerweise Freigang haben. Jetzt seien eben alle im Stall untergebracht. Die Kleintierzüchter Gräfenhausen haben am 27. November in der Kelter ihren großen Tag. Michael Bauser zeigt sich gelassen: „Wir stellen eher im kleinen Rahmen aus“, sagt der Vereinschef. Die Tiere würden – Stand jetzt – wie üblich ausgestellt. „Wenn sich innerhalb einer Woche nichts Gravierendes ändert“, so Bauser.

Veterinäramts-Chef rät Haltern zu Schutzkleidung

Etwas häufiger als sonst klingelte gestern das Telefon bei Ulrich Dura. Der Leiter des Enzkreis-Veterinäramts sprach mit besorgten Züchtern und Geflügelhaltern, aber auch mit interessierten Bürgern. Im Unterschied zum Vogelgrippe-Virus H5N1, der vor etwa zehn Jahren in Asien auch zu Todesfällen bei Menschen geführt hatte, seien bisher keine Übertragungen des aktuellen Erregers H5N8 auf den Menschen bekannt, so Dura. Geflügel-Halter müssten derzeit allerdings zumindest für eine „stallähnliche Haltung“ sorgen. Das heißt: Oben muss die Unterbringung „flüssigkeitsdicht“ (etwa mit einer Folie) und an den Außenseiten „vogeldicht“ gemacht werden, dass kein anderes Tier in den Käfig kann. Dura rät Tierhaltern beim Gang durch den Stall, sich Schutzkleidung überzuziehen, damit Erreger nicht verbreitet werden können.