Unterschriften überreicht: Eine Elterninitiative wendet sich gegen die Verlagerung der Achertalschule, einer Förderschule, vor die Tore der Stadt. Nun kommt es wohl zum Bürgerentscheid.
Unterschriften überreicht: Eine Elterninitiative wendet sich gegen die Verlagerung der Achertalschule, einer Förderschule, vor die Tore der Stadt. Nun kommt es wohl zum Bürgerentscheid. | Foto: Frank Löhnig

Streit um Acherner Schule

1 816 Unterschriften für einen Bürgerentscheid

Eine kleine Bürgerinitiative aus kaum mehr als einem halben Dutzend Eltern könnte einen Beschluss des Gemeinderats zu Fall bringen. Die Acherner müssen sich  auf einen Bürgerentscheid über die Zukunft der Achertalschule einstellen. Die Initiative „Schulplätzchen“ hat Oberbürgermeister Klaus Muttach an diesem Mittwoch im Illenau-Rathaus fast 2 500 Unterschriften gegen die geplante Verlagerung der Einrichtung nach Fautenbach überreicht. 1 816 davon stammen nach Angaben der Eltern von Acherner Bürgern – das wären deutlich mehr als die für ein Bürgerbegehren nach jüngsten Einwohnerzahlen erforderlichen 1 428 Stimmen. Zwar müssen die Unterschriften noch auf bestimmte Kriterien überprüft werden, doch zunächst meldete niemand ernsthafte Zweifel an, dass es für einen Bürgerentscheid reichen wird. Bis dahin wollen Stadt und Eltern die Öffentlichkeit noch eingehend über die Optionen für die Förderschule und die Gemeinschaftsschule informieren – nach Möglichkeit gemeinsam.

Angespannte Atmosphäre

Die Atmosphäre im Acherner Rathaus  war freundlich, aber angespannt. Die Eltern hatten dem Oberbürgermeister eine riesige Schulfassade als Mürbteig mitgebracht. Ob das Gebäck der Verwaltung freilich versüßen konnte, was sie noch im Gepäck hatten, steht dahin: Eine dicken Stapel Unterschriften und eine ganze Schultüte voll von Fragen, die die Mitglieder der Initiative im Zuge ihrer Unterschriftenaktion gleich mit eingesammelt hatten. Doch auch die Eltern hatten schwer zu schlucken: Die Ankündigung von OB Muttach an diesem Dienstag, dass die Gemeinschaftsschule bei einem Verbleib der Achertalschule im Stadtzentrum in hohem Maße gefährdet wäre, hatte ihre Wirkung nicht verfehlt: „Wir machen das für alle Schulen in Achern“, betonte der Mitinitiator der Unterschriftensammlung, Ralf Federkeil. Er und seine Frau hätten Zwillinge, von denen einer die Gemeinschaftsschule und der andere die Achertalschule besuche. Schon aus solchen Erwägungen, und weil Kinder der Förderschule gegebenenfalls in die Gemeinschaftsschule wechseln könnten, verbiete es sich, hier die Interessen der einen Schule gegen die andere zu stellen. Dies betonte auch Patrik Schneider, der die Einsetzung eines Schlichters anregte („Ich bin hier als Bürger, nicht als Stadtrat“): Die Initiative richte sich nicht gegen die Gemeinschaftsschule: „Wir ringen hier um das Gemeinwohl“.
Fast eineinhalb Stunden nahmen sich die Vertreter der Elterninitiative und OB Klaus Muttach Zeit, um ihre Standpunkte auszutauschen. Dabei wurde nicht zuletzt deutlich: Es besteht noch Informationsbedarf – bei der Elterninitiative wie bei der Öffentlichkeit. Ein Beispiel: Mitinitiatorin Anna Schuler hatte gehört, dass in der Gemeinschaftsschule Räume unrenoviert seien und deshalb leer stehen würden. Dies aber, so Muttach, sei „inhaltlich völlig unvorstellbar“.

Ist noch Zeit für Verhandlungen?

Auch wenn es bei der Übergabe der Unterschriften keine formelle Annäherung gab: Die Eltern signalisierten doch Gesprächsbereitschaft über einen möglichen alternativen Standort der Achertalschule – aber eben in der Kernstadt. Der aber ist erstmal nicht in Sicht. Allerdings dürfte die Zeit für Verhandlungen auch vorüber sein.  Wenn die Voraussetzungen für einen Bürgerentscheid erfüllt sind, sei die Abstimmung zwingend – und wenn dann eine Mehrheit gegen die Verlegung der Achertalschule erreicht wird, dann muss der Beschluss auch umgesetzt werden, machte das Stadtoberhaupt deutlich. Muttach kündigte vor einem Urnengang eine Informationsveranstaltung an, in der die verschiedenen Positionen der Öffentlichkeit vorgetragen werden. Die Stadt, so machte er deutlich, sehe zur Zeit keine Alternative zur Verlagerung der Achertalschule: „Mir wurde in Gesprächen mit dem Gemeinderat und dem Schulamt keine Idee vorgetragen, wie eine andere Lösung aussehen könnte“.

„Nicht mit Widerstand gerechnet“

Die Elterninitiative beklagte gestern, dass die Stadt Gebäude, die als alternativer Standort für die Achertalschule in der Kernstadt dienen könnten, verkauft und dann angesichts des Raumbedarfs der Gemeinschaftsschule zur erstbesten Lösung gegriffen habe: „Das war“, so Ralf Federkeil, „ein Schnellschuss, man hat einfach nicht mit dem Widerstand der Eltern gerechnet“.

Der Acherner Gemeinderat hatte im Juni – mehrheitlich – die Verlagerung der Achertalschule für lernbehinderte Kinder nach Fautenbach in das leer stehende Gebäude der bisherigen Werkrealschule beschlossen. Dagegen regt sich Widerstand der Eltern, die fürchten dass die Kinder der Achertalschule mühsam aufgebaute Netzwerke im Stadtzentrum durch den Umzug in den Stadtteil verlieren würden. Der Raumbedarf der  Gemeinschaftsschule wird weiter wachsen, weil jedes Jahr ein weiterer Jahrgang zur verpflichtenden Ganztagsschule wird. Dass die Gemeinschaftsschule bereits die Räume der ehemaligen Stadtbücherei mit nutzt, konnte das Platzproblem dort nicht nachhaltig entschärfen.