Wichtige Impfungen fehlen nach neuesten Untersuchungsergebnissen vielen Jugendlichen im Kreis. Teilweise liegt die Ortenau sogar deutlich unter dem bundesweiten Schnitt. Experten nehmen daher Eltern in die Pflicht.
Wichtige Impfungen fehlen nach neuesten Untersuchungsergebnissen vielen Jugendlichen im Kreis. Teilweise liegt die Ortenau sogar deutlich unter dem bundesweiten Schnitt. Experten nehmen daher Eltern in die Pflicht. | Foto: Kay Nietfeld

Viele Ortenauer Jugendliche mit mangelndem Impfschutz

Untersuchung deckt Lücken auf

Die gesundheitliche Versorgung der Jugendlichen im Ortenaukreis offenbart Lücken. Wie das Landratsamt mitteilt, wurden seit 2012 in drei Durchgängen Schüler aus siebten Klassen untersucht. Bei Förder-, Werkreal- und Realschülern sowie Gymnasiasten wurden die Vollständigkeit der Impfpässe, Seh- und Hörvermögen und die Teilnahme an der Jugendgesundheitsuntersuchung „J1“ überprüft.
„Zum Zeitpunkt der Erhebung in diesem Jahr hatten lediglich rund ein Viertel der Schüler an der Jugendgesundheitsuntersuchung teilgenommen“, erklärt Evelyn Kraus, stellvertretende Amtsleiterin im Gesundheitsamt. Die „J1“ richtet sich an Zwölf- bis 14-Jährige und wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Der Arzt, in der Regel der betreuende Kinder- und Jugendarzt, untersucht die Jugendlichen körperlich und kontrolliert den Impfstatus. Im Rahmen des Beratungsgesprächs dieser Untersuchung werden die für dieses Alter wichtigen Themen, wie beispielsweise Sexualität und Verhütung sowie Suchtprävention angesprochen.

Ortenaukreis unter Bundesschnitt

„Bei der aktuellen Erhebung stellten wir fest, dass Jungen, die bereits an der J1 teilgenommen hatten, vollständiger geimpft waren“, informiert Kraus. Bei Mädchen liege die Impfquote gegen Humane Papilloma Viren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs verursachen können, bei 8,3 Prozent und damit im Ortenaukreis deutlich unter den Werten, die das Robert Koch-Institut in einer Studie im Jahr 2014 deutschlandweit erhoben hat. Danach waren rund 16 Prozent der 14-Jährigen Mädchen gegen HPV geimpft. „Eltern von Mädchen im Alter zwischen neun und 14 Jahren sollten sich von ihrem Kinder-und Jugendarzt beraten lassen“, empfiehlt Kraus.

Keuchhusten auf dem Vormarsch

Die Untersuchungen zeigten auch, dass nur 88,3 Prozent der Schüler vollständig gegen Masern und Mumps geimpft waren. Damit erreicht der Ortenaukreis das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), durch eine Impfquote von 95 Prozent die Masern weltweit zu eliminieren, derzeit noch nicht.
Noch keine Auffrischung gegen Keuchhusten hatten 36,3 Prozent erhalten. „Zurzeit stellt das Gesundheitsamt vermehrt Keuchhustenerkrankungen im Kreis fest“, so Angela Hübner, Kinder- und Jugendärztin im Gesundheitsamt. „Die J1, oder jeder andere Arztbesuch von Jugendlichen, sollte unbedingt dazu genutzt werden, den aktuellen Impfstatus überprüfen zu lassen und gegebenenfalls fehlende Impfungen zu ergänzen.“ Das gelte auch für Erwachsene, denn auch bei ihnen sei es wichtig, den Impfschutz aufrecht zu erhalten.
Bei den Erhebungen in diesem Jahr waren außerdem 20 Prozent der Befunde der Sehtests der Siebtklässler auffällig. Knapp 14 Prozent waren es bei Hörtestungen. „Das zeigt, wie wichtig eine Kontrolle von Seh-und Hörvermögen auch jenseits der bekannten U-Untersuchungen für Kinder ist, damit auch bei Jugendlichen rechtzeitig eine adäquate medizinische Versorgung eingeleitet werden kann“, betont Hübner.