Es blitzt: Erneut wurde der Südwesten Deutschlands besonders heftig von Unwettern getroffen.
Es blitzt: Erneut wurde der Südwesten Deutschlands besonders heftig von Unwettern getroffen. | Foto: Andreas Rosar/dpa

Feuerwehr im Dauereinsatz

Unwetter treffen Karlsruhe, Baden-Baden und den Enzkreis

Wieder wurde der Südwesten von starken Unwettern getroffen. Im Stadt- und Landkreis Karlsruhe, im Enzkreis sowie in Baden-Baden waren in der Nacht zum Samstag die Feuerwehren im Dauereinsatz. Immerhin: Katastrophen wie in Braunsbach vor einem knappen Monat gab es nicht. Doch beim „Southside Festival“ wurden 82 Besucher verletzt, die Kleinstadt Pfullingen überschwemmt.

Überflutete Straßen und umgestürzte Bäume in Karlsruhe

In verschiedenen Stadtteilen von Karlsruhe, im südlichen Landkreis Karlsruhe und im Enzkreis führten unwetterartige Regenfälle zu zahlreichen umgestürzten Bäumen, überfluteten Straßen und vollgelaufenen Kellern. Besonders betroffen waren dem Polizeibericht zufolge die Stadtteile Grünwettersbach und Hohenwettersbach, sowie die Ortschaften Waldbronn und Remchingen. Wegen der in der Zeit zwischen 1.30 und 2 Uhr niedergegangenen gewaltigen Wassermengen musste unter anderem der Grötzinger Tunnel kurzzeitig gesperrt werden – das Wasser stand dort bis zu 30 cm hoch auf der Straße. Die Feuerwehrleitstelle in Karlsruhe wurde in der Nacht zur Bewältigung der vielen Notrufe personell verstärkt. „Über einem Teil von Karlsruhe hing eine richtig giftige Gewitter-Zelle“, sagte ein Polizeisprecher.

Albtalstrecke dicht gemacht

Bei Busenbach wurde die Albtalstrecke wegen Wasserhöhen bis zu 50 cm dicht gemacht. Sogar der Straßenbahnbetrieb musste in diesem Bereich kurzfristig eingestellt werden. Im Bereich Grünwettersbach trat der Wettersbach über seine Ufer, wodurch zahlreiche Keller voll gelaufen sind. Den insgesamt entstandenen Schaden konnte die Polizei gestern  noch nicht beziffern. Die örtlichen Feuerwehren, die mit allen verfügbaren Kräften im Einsatz waren, waren über Stunden mit Abpump- und Reinigungsarbeiten beschäftigt, die teilweise auch am Samstag Nachmittag noch andauerten.

Stromausfall in Baden-Baden

Im Stadtgebiet von Baden-Baden waren insbesondere die  Innenstadt, die Weststadt und die Cité von den  Unwettern betroffen. Bei heftigen Gewittern  löste unter anderem im Justizgebäude in der Gutenbergstraße die Brandmeldeanlage aus. Ursache war nach Angaben der Feuerwehr ein technischer Defekt der Anlage. Ebenso auf eine technische Ursache war eine Brandmeldung in der Kurparkgarage  zurückzuführen. Durch einen Stromausfall im Bereich Weststadt und Cité kam es  zu weiteren Einsätzen der Feuerwehr. Drei Personen mit elektrisch betriebenen Medizingeräten benötigten dringend Hilfe. Ein weiterer Einsatz wurde durch einen Aufzugnotruf erforderlich.

„Southside Festival“ nach Unwettern abgesagt

Nach heftigen Unwettern, bei denen 82 Menschen leicht verletzt wurden, ist das Open-Air-Festival „Southside“ am frühen Samstagmorgen abgesagt worden.  Die dreitägige Veranstaltung in Neuhausen ob Eck (Kreis Tuttlingen) war bereits am Freitagabend wenige Stunden nach ihrem Beginn unterbrochen worden, weil ein Gewitter mit starkem Regen, heftigen Winden und Hagel aufgezogen war. Das Festivalgelände wurde daraufhin geräumt. Die Besucher wurden dazu aufgerufen, in ihre Autos zu gehen. Etwa 3000 Gäste ohne Wagen seien in Notunterkünfte gebracht worden. Am Samstag Abend waren noch drei Leichtverletzte im Krankenhaus. Auch in Schwäbisch Gmünd machte ein starkes Gewitter den Besuchern der Premiere des Freilicht-Theaterstücks „Staufersaga“ einen Strich durch die Rechnung. Die Aufführung musste abgebrochen werden.

Pfullingen hat es übel erwischt

In Pfullingen (Kreis Reutlingen) goss es wie aus Kübeln. Zwei kleine Bäche traten binnen kurzer Zeit über die Ufer und überfluteten Teile der Stadt. Die Wasserstände von Echaz und Eierbach lagen zeitweise zwei Meter über dem Normalwert. Die Feuerwehr war unterunterbrochen im Einsatz, um überflutete Keller und rund ein Dutzend Tiefgaragen abzupumpen, weggespülte Fahrzeuge zu bergen und einen Kellerbrand zu löschen. In der 18 000-Einwohner-Gemeinde gingen 400 Notrufe ein. An mehr als 200 Einsatzstellen leisteten die Feuerleute Hilfe. „Es sieht verheerend aus im Stadtgebiet“, sagte Bürgermeister Michael Schrenk in der Nacht. Besonders öffentliche Gebäude wie Sporthallen und ein Museum seien betroffen. „Es sind großflächig große Schäden entstanden.“ Am Samstagmorgen startete die Stadtverwaltung die Reinigung der Stadt mit Radladern und Kehrmaschinen. Auch in Reutlingen war die Feuerwehr stark gefordert. Dort wurde etwa ein überschwemmtes Parkhaus leer gepumpt.  Im Landkreis Biberach gab es ebenfalls schwere Schäden. Die Feuerwehr musste dort fast 1000-mal ausrücken, wie das dortige Landratsamt mitteilte.

Ab dem frühen Sonntagmorgen soll sich das Unwetterrisiko laut Deutschem Wetterdienst (DWD) abschwächen. „Sonntag wird ein Tag zum Durchatmen“, sagte ein Meteorologe. Es werde deutlich trockener, nur noch auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald seien gelegentliche Schauer nicht auszuschließen. bo/dpa