Foto: Heintzen Ursula Blickle im Ausstellungsraum der Ursula Blickle Stiftung in Kraichtal-Unteröwisheim
Zwischen den Spiegeln im Treppenhaus der Stiftung blickt Ursula Blickle (rechts) auf 25 Jahre mit der von ihr so geliebten Kunst zurück. | Foto: Martin Heintzen

Wohnen mit Beuys und Bourgeois

Ursula Blickle zeigt ihren ganz privaten Kunstschatz

Man kann Kunst bewundern, sie andächtig betrachten und sich dabei ganz bewusst sein, dass das, womit man sich gerade beschäftigt, Kunst ist. Oder man kann mit den Gemälden, Skulpturen und Objekten wohnen – eine intimere, vielleicht auch intensivere Art der Kunstrezeption. Ursula Blickle hat in den vergangenen 25 Jahren in Kraichtal-Unteröwisheim beides getan. In der vierten und letzten Ausstellung anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Ursula-Blickle-Stiftung zeigt sie ab 15. Oktober die Werke, die es ihren ganz persönlichen Wohnraum geschafft haben.

Blickle sieht sich nicht als Sammlerin

Ausgehend von einem Essay, den Wolfgang Ullrich in der Kunstzeitschrift Art veröffentlichte, entstand die Idee. Gute Kunstwerke entfalteten nicht nur im „White Cube“, also in den zumeist schmucklosen weißen Ausstellungsräumen ihre Wirkung, sondern fänden sich meist in Privatwohnungen von Kunstliebhabern und Sammlern wieder, schreibt Ullrich. „Ich bin keine Sammlerin, das wäre ja fürchterlich“, meint Ursula Blickle, die für die Ausstellung „Non Finito“ ihre privaten Wohnräume leergeräumt hat – zumindest in puncto Kunst. „Jetzt kann ich mal die Wände wieder streichen lassen“, scherzt sie. Teure Gemälde, Plastiken und Installationen nur als Geldanlage zu kaufen, liege ihr fern. „Ich komme ja selbst gewissermaßen aus der Kunst, vom Theater“, beschreibt Blickle ihre ganz persönliche Beziehung zu den Werken.

25 Jahre Ursula-Blickle-Stiftung im Spiegel der Vergangenheit

Im Spiegelsaal der Stiftung fand einst Ballettunterricht statt, später benutzten auch Künstler und Kuratoren das reflektierende Wandelement – nicht nur wegen des ästhetischen Reizes, sondern auch, weil es eine Erinnerung an Blickles Vergangenheit ist – und an das immer wiederkehrende Thema Tanz. Wie die mit ihr wohnenden Kunstobjekte sind auch die Kuratoren der Ausstellung langjährige Weggefährten von Ursula Blickle und ihrer Stiftung: Maximilian Geymüller, BNN-Kulturchef Michael Hübl, Nicolaus Schafhausen, Claudia Slanar, ZKM-Ausstellungskurator Peter Weibel und Alfred Weidinger haben jeweils einen Teil der Ausstellung kuratiert.

Gezeigt werden Werke namhafter Künstler der jüngeren Kunstgeschichte wie Joseph Beuys, Louise Bourgeois, Günther Förg oder Isa Genzken. Das Dachgeschoss hat Ursula Blickle für brasilianische Künstler reserviert. „Diese zweite Heimat habe ich nie richtig verlassen“, sagt sie. Auch die Kunststadt Wien, wo das Videoarchiv der Stiftung sitzt, betrachte sie als ihre Heimat.
Und das von Stephan Krass definierte Motto „Non Finito“? Etwa ein Verweis darauf, dass die Ausstellungen in der Blickle-Stiftung doch noch nicht ihr Ende gefunden haben? Regelmäßige Ausstellungen werde es definitiv nicht mehr geben, sagt Ursula Blickle. Und findet dennoch: „Mit der Kunst geht es immer weiter.“

Die Ausstellung „Non Finito“ ist mittwochs von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. Die Finissage findet am 11. Dezember um 16 Uhr statt. Weitere Informationen unter www.ursula-blickle-stiftung.de.